Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic. / imago images/Metodi Popow
Bild: imago images/Metodi Popow

Ibisevic über den neuen Hertha-Coach - "Ich habe viel von Labbadia gelernt"

Bei Hertha BSC kennt wohl kaum jemand Bruno Labbadia so gut wie Kapitän Vedad Ibisevic. Vor acht Jahren hatten beide eine gemeinsame Zeit beim VfB Stuttgart. Der Stürmer schätzt seinen alten und neuen Trainer. Von Johannes Mohren

Für Vedad Ibisevic ist es in diesen Tagen ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. 2012 war es, als der Bosnier im besten Fußball-Alter in der Winterpause von Hoffenheim nach Stuttgart wechselte. Dort trainierte damals - genau: ein gewisser Bruno Labbadia. "Das war für mich eine Zeit, die sehr erfolgreich und gut war in den ersten Jahren", sagt der Kapitän von Hertha BSC fast ein Jahrzehnt später im Skype-Interview mit Journalisten. "Das hat viel Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Gerade auch von ihm."

Der ehemalige Angreifer Labbadia formte seinen aktuellen Angreifer Ibisevic. Diese Konstellation "hilft unglaublich. Er hat mich als Stürmer verstanden. Er wusste, wie das Spiel am besten zugeschnitten ist", sagt der heute 35-jährige Routinier. Es ist eine Phase in seiner langen Karriere, auf die er gerne zurückblickt: "Ich habe mich als Spieler entwickelt."

Er lieferte gleich ab. In der Rückrunde der Spielzeit 2011/12 erzielte Ibisevic acht Tore für die Schwaben. In der Folgesaison gelangen ihm dann in drei Wettbewerben - Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League - insgesamt 24 Treffer. 

Ibisevic: "Habe mich natürlich gefreut"

So sei er in der vergangenen Woche zwar überrascht gewesen, dass ihm in dieser Saison - wohl seiner letzten für die Hertha - noch ein vierter Trainer präsentiert wurde. "Aber weil ich Bruno auch kenne, habe ich mich natürlich gefreut", fügt er hinzu. Drei Tage haben sich die beiden nun auf dem Trainingsplatz wieder. Und wer Ibisevic zuhört, erfährt: Der Typ Labbadia ist sich treu geblieben - und hat sich als Trainer doch verändert. "Das sieht man an vielen neuen taktischen Vorstellungen und Ideen", berichtet der 35-Jährige - und: "Das ist auch für mich interessant zu sehen. Ich habe das auch geahnt. Als Spieler und auch als Trainer entwickelt man sich fast jeden Tag weiter."

Was nicht heißt, dass gewisse Dinge nicht immer noch so sind wie im Spätsommer 2013, als der VfB Stuttgart Labbadia entließ - und sich seine Wege und die von Ibisevic trennten. "Wer Bruno kennt, der weiß, dass er sehr viel verlangt", sagt der Bosnier. Den Hertha-Profis steht unter ihrem neuen Übungsleiter intensive, ja: harte Arbeit bevor. Ihm selbst, dem "ehrgeizigen Typen, der gerne alles auf dem Platz gibt", habe das damals in Stuttgart keine Probleme bereitet, erinnert sich Ibisevic. Aber er sagt auch: "Dafür muss man mental vorbereitet sein."

Gemeinsame Geisterspiel-Erfahrung

Ob die Mannschaft das nach drei Trainerwechseln auch wirklich ist? "Es ist schon eine Ausnahmesituation, keine Frage. Da ist einiges auf uns zugekommen", sagt der Kapitän - und doch bemüht er sich gleich wieder, positive Töne anzuschlagen: "Aber wir sind erwachsen und professionell genug, dass wir versuchen, solche Sachen auch zu lösen und das Beste daraus zu machen." Das gilt nun erst einmal auf dem Trainingsplatz. Auch dort ist - mit den momentanen Beschränkungen - der Start für einen neuen Trainer alles andere als leicht. Doch das Gefühl passe, berichtet Ibisevic: "Bei unserer ersten Besprechung und auch jeden Tag kann man als Spieler schon merken und spüren, was der Trainer vorhat."

Vedad Ibisevic und Bruno Labbadia zu Stuttgarter Zeiten. / imago images/Pressefoto Baumann
Umarmung in Stuttgarter Zeiten: Bruno Labbadia und Vedad Ibisevic. | Bild: imago images/Pressefoto Baumann

Vielleicht lässt sich das auch schon bald wieder im Spielbetrieb beoachten. Wie es so üblich ist mit alten Bekannten, teilen Ibisevic und Labbadia auch Erinnerungen. Eine davon könnte sehr schnell wieder sehr aktuell werden. Am 14. März 2013 traten die beiden mit dem VfB Stuttgart in der Europa-League-Achtelfinale bei Lazio Rom an. So weit, so unspektakulär. Doch das Duell war ein Geisterspiel. Zwei Mannschaften ganz alleine im weiten Rund des Römer Olympiastadions. Damals waren es rassistische Ausfälle der Lazio-Anhänger, die zu diesem Szenario geführt hatten, das sich - virusbedingt - schon ab Anfang Mai für viele Wochen in allen Bundesliga-Stadien wiederholen könnte.

Unvollendeter Abschied?

"Das Spiel an sich hat damals keinen Spaß gemacht", erinnert sich Ibisevic - und das nicht nur, weil sich der VfB relativ chancenlos aus dem Wettbewerb verabschiedete. "Es ist ganz anders mit Zuschauern. Das brauchen wir gar nicht diskutieren." Dennoch lässt der 35-Jährige ein langgezogenes Aber folgen. "Es ist mir trotzdem lieber so ein Spiel zu machen, als zu Hause auf meinem Fahrrad zu sitzen." Auch für die Gesellschaft sei es "ein kleines positives Zeichen, wenn wir anfangen zu spielen. Das wäre so mein Wunsch."

Es würden dann die neun Spiele beginnen, die für ihn nach fünf Jahren in Blau und Weiß die letzten für Hertha sein könnten. Der Vertrag läuft aus. Ibisevic wolle zwar weiterspielen, betont er, die Lust sei groß und er gesund. Dass das in Berlin-Charlottenburg passiert, ist jedoch unwahrscheinlich. Seine Abschiedstournee droht nun eine traurige zu werden. Trotzdem sagt Ibisevic: "Ich freue mich auf die Wochen. Das ist eine Ausnahmesituation. Die nehme ich einfach so an, wie sie ist. Klar würde ich mir vorstellen oder wünschen, dass meine Zeit in Berlin anders vorbeigeht. Aber wenn es so sein sollte, dann ist das so."

Auf den Applaus von Zehntausenden Zuschauern im Olympiastadion muss er wohl verzichten, wenn er bei der Hertha abtritt. Aber immerhin: Ein alter Bekannter wird an der Seitenlinie mit dabei sein.

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Johannes Mohren

Das könnte Sie auch interessieren

Sowjetsoldaten vor dem Fallbeil in der Hinrichtungsstätte in Berlin-Plötzensee, Mai 1945 (Quelle: AKG-Images/I.Schagin)
AKG-Images/I.Schagin

Vor 70 Jahren - Als West-Berlin die Todesstrafe abschaffte

Vor 70 Jahren wurde in West-Berlin die Todesstrafe abgeschafft. Nicht nur Monate später als im Rest der BRD - das neue Gesetz konnte auch ausgehebelt werden. Theoretisch wären Exekutionen noch kurz vor der Wendezeit möglich gewesen. Von Oliver Noffke