Cottbus-Keeper Tomislav Piplica, fassungslos nach seinem Eigentor am 6. April 2002. / imago images/Höhne
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Interview | Ex-Cottbus-Keeper Tomislav Piplica - "Ohne dieses Tor hätten die Leute mich vergessen"

Vor genau 18 Jahren wurde Torhüter Tomislav Piplica mit einem kuriosen Eigentor bundesweit berühmt. Ausgerechnet einen Tag nach seinem Geburtstag unterlief ihm der Fehler. Im rbb|24-Interview erinnert sich der heute 51-jährige Piplica an damals.

Rund 250 Pflichtspiele und elf Jahre lang war Tomislav Piplica Torhüter beim FC Energie Cottbus - in der erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte. In der Lausitz ist Piplica bis heute eine Legende, der auch wegen seinem unorthodoxen Torwartspiel im Gedächtnis blieb.

Vor genau 18 Jahren wurde der Cottbuser Keeper auch bundesweit berühmt. Am 6. April 2002 führten die Cottbuser am 30. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach zu Hause mit 3:2. Doch in der 85. Spielminute unterschätzte der bis dahin glänzend parierende Piplica eine abgefälschte Bogenlampe von Marcel Witeczek. Statt übers Tor oder auf die Latte, wie Piplica augenscheinlich vermutete, flog der Ball auf seinen Kopf - und ins Tor. Schlagartig hatte sich Piplica in die Historie der Bundesliga eingetragen. Den Klassenerhalt schaffte Energie damals trotzdem.

rbb|24: Herr Piplica, vor genau 18 Jahren wurden Sie mit einem kuriosen Eigentor berühmt - wie sehr wurmt Sie diese Szene heute noch?

Tomislav Piplica: Das gehört zu meiner Karriere dazu und damit kann ich auch gut leben. Wahrscheinlich hätten mich ohne dieses Tor die Leute schon längst vergessen. Deswegen habe ich das damals mit Absicht gemacht. (lacht)

Wie sind Sie mit dem anschließenden Spott damals umgegangen?

Das hat schon genervt, wenn immer nur dieses Gegentor Thema war und nichts anderes. Egal, wer mich was gefragt hat, immer wieder ging es um dieses Tor und das hat mich damals sehr geärgert. Auch die Manipulationsvorwürfe danach habe ich als sehr lächerlich empfunden. Ich wurde ohne Grund beschuldigt. Da hatte ich wirklich ein großes Fragezeichen im Kopf. 

Was ist Ihnen von der Enstehung dieses Eigentores noch in Erinnerung geblieben?

Ich habe in dieser Partie eigentlich nur einen Fehler gemacht und ansonsten super gespielt. Ich habe vor dieser Situation fünf, sechs Bälle gut gehalten und dann kam dieser lange Ball. Da war ich total sicher, dass der über die Latte geht und ich wollte einfach keinen Fehler machen, dass es danach noch Ecke gibt. Dann gehe ich einen Schritt zurück und der Ball knallt unter die Latte - und dann habe ich nichts mehr gesehen. Das sieht man ja auch in den TV-Bildern, wie überrascht ich war. An diesem Tag war alles dabei: Wind, Regen, Sonne. Und der Ball war echt komisch.

Sie waren ja elf Jahre bei Energie Cottbus. Mal abgesehen von dem Eigentor - was ist aus der Zeit geblieben?

Als ich damals frisch in Cottbus angekommen bin, waren wir 18 neue Spieler und haben am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der 2. Liga geschafft. Und mit fast dem identischen Kader sind wir die übernächste Saison aufgestiegen. Zum ersten Mal - das vergisst du nicht. Auch ein paar Jahre später der Wiederaufstieg in die Bundesliga - das alles mit so einem kleinen Verein mit wenig Etat. Das macht dich stolz.

Wir waren alle wie eine große Familie. Spieler mit Frau und Familie, Trainer, Präsidium und die Fans haben zusammen diese Zeit genossen. Das war wirklich eine riesige Freude.

Tomislav Piplica

Und abseits sportlicher Erfolge?

Bei Energie ging es damals über die Bereitschaft und Freundschaft. Wir waren alle wie eine große Familie. Spieler mit Frau und Familie, Trainer, Präsidium und die Fans haben zusammen diese Zeit genossen. Das war wirklich eine riesige Freude.  

Wie eng sind sie noch mit Ihrem ehemaligen Arbeitgeber in Kontakt?

Zum Verein habe ich kaum Kontakt, da kenne ich keinen mehr. Aber mit meinen Mitspielern von damals tausche ich mich regelmäßig aus und manchmal spielen wir sogar bei kleinen Turnieren mit. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Friedrich Rößler. 

2 Kommentare

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  1. 2.

    Man sieht bei jedem Torhüter, dass selbst wenn er sieht, dass der Ball übers Tor geht, er sich lang macht und mit seinen Händen sogar die Torlatte berührt und nicht wie angewurzelt starr auf der Linie steht. Sein Glück, dass diese, für einen Profitorhüter völlig untypische Reaktion bei dem Tor, immer nur als "Panne" abgetan wurde....

  2. 1.

    An die Szene werden wir uns ein lebenlang erinnern. Ein echt durchgeknallter aber sehr sympathischer und authentischer Typ, der Tomislav. Sein Zitat ,,Wir waren alle wie eine große Familie. Spieler mit Frau und Familie, Trainer, Präsidium und die Fans haben zusammen diese Zeit genossen. Das war wirklich eine riesige Freude.'' spiegelt meinen Eindruck vom Fussball aus der Zeit wieder. Aus heutiger Sicht ist der Kader eines Vereins sehr kurzlebig. Es geht nur noch um unvorstellbare Summen, Leistung, Druck, Fussballer werden zu Modeikonen und Werbegesichtern umfunktioniert. Wo bleibt die Liebe und Leidenschaft diesem Sport gegenüber? Das sieht man leider immer weniger.

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