Bobpilotin Mariama Jamanka (imago images)
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Mariama Jamanka über den Monobob - "Man hat das Gefühl, mit einem Go-Kart zu fahren"

Die Berlinerin Mariama Jamanka hat im Zweierbob alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Damit sie auch in Zukunft erfolgreich sein kann, muss sie nun auch im sogenannten Monobob antreten. Im Interview erklärt sie Johannes Mohren, warum ihr das nicht wirklich gefällt.

Die Berlinerin Mariama Jamanka wird in der nächsten Saison an den Weltcup-Wochenenden öfter durch die Eisrinne rasen. Der Weltverband hat der amtierenden Olympiasiegerin im Zweierbob und ihren Piloten-Kolleginnen - ziemlich kurzfristig - eine neue Disziplin serviert. Beim Monobob sind sie schon ab der kommenden Saison auch alleine unterwegs.

Für Begeisterung sorgt das nicht. "Für mich ist es nach wie vor keine adäquate zweite Disziplin. Ich finde, dass es eine Verschlechterung der Situation ist", sagt Jamanka rbb|24. Aber: Es führt für sie - auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking - kein Weg daran vorbei. Die Berlinerin spricht über ein anderes Fahrgefühl, Schwierigkeiten - und ihre Ziele.

rbb|24: Mariama Jamanka, mittlerweile werden die ersten Corona-Beschränkungen gelockert. Einfach dürfte das Training trotzdem noch nicht sein. Wie sind Sie durch die Situation beeinträchtigt?

Mariama Jamanka: Eigentlich geht es ganz gut. Ich trainiere jetzt in Oberhof. Wir haben hier eine Kaserne, in der wir unser Training machen können. Und mittlerweile ist eigentlich wieder alles offen. Ich kann also ziemlich normal trainieren.

Neu in Ihr Trainingsprogramm aufnehmen müssen Sie die Disziplin Monobob. Wie erleben Sie es, dass Sie schon bald im Weltcup alleine im Bob durch die Bahn fahren?

Lustigerweise habe ich es als erstes von einem Ihrer Kollegen erfahren. Uns war ja schon bewusst - dadurch dass offiziell verkündet wurde, dass Monobob olympisch wird -, dass das irgendwann im Weltcup stattfindet. Aber dass es jetzt konkret schon in der nächsten Saison in dieser Form losgeht, habe ich von einem Reporter erfahren, der mich dazu interviewen wollte.

Sie wurden also überrumpelt von der Entscheidung?

Ja, das stimmt. Es war so, dass unser Verband schließlich an die Deutsche Presse-Agentur ein Statement abgegeben hat. Die IBSF (Anm. d. Red: der Bob- und Skeleton-Weltverband) hat das auch - glaube ich - einen Tag vorher abends auf ihrer Seite gepostet. Ich muss zugeben, auf die gucke ich jetzt nicht ständig. Es war also schon schade, dass sich unser Verband nicht erstmal mit den betroffenen Athleten in Verbindung gesetzt hat. Das wäre schon schön gewesen. Aber na gut: Das war dann halt alles mehr oder weniger zeitgleich.

Ein Monobob rast bei den Olympischen Jugendspielen 2020 durch die Eisrinne. / imago images/Xinhua
Ein Monobob rast bei den Olympischen Jugendspielen 2020 durch die Eisrinne. | Bild: imago images/Xinhua

Vor der finalen Entscheidung wurde bereits eine kontroverse Diskussion über die Disziplin Monobob als solche geführt. Auch Sie haben sich kritisch geäußert. Wie ist nun die Gefühlslage?

Mittlerweile ist es leider so, dass man sich mit der Entscheidung abgefunden hat. Für mich ist es nach wie vor keine adäquate zweite Disziplin. Nach wie vor finde ich, dass es eine Verschlechterung der Situation ist. Es ist für mich aber so: Wenn ich an den Olympischen Spielen teilnehmen will, muss ich auch Monobob fahren.

Wieso ist es für Sie keine adäquate Ergänzung zum Zweierbob?

Der Monobob war ursprünglich als Einsteigergerät konzipiert. Es ging darum, das Bobfahren zu lernen. Der Anfänger sollte nicht gleich mit der Geschwindigkeit überfordert werden. Der Monobob ist schon deutlich langsamer als der Zweierbob. Außerdem sollte keine zweite Person in Gefahr gebracht werden, sondern jeder das erst einmal in Ruhe lernen. Grundsätzlich ist Bobfahren für mich aber eine Teamsportart. Also etwas, das man entweder zu zweit oder zu viert tut. Zwei Drittel aus dem Team in der Nationalmannschaft fehlen beim Monobob dann einfach. Vielleicht dürfen sie ja danebenstehen oder meinen Schlitten schleppen (schmunzelt). Da ist für mich dann einfach das Konzept vom Bobfahren verloren gegangen. Es ist deutlich langsamer, unspektakulärer - und weniger aufregend. Hinzu kommt, dass die Bahnen in der ganzen Welt nicht für Monobob und dieses geringere Tempo konzipiert sind. Man braucht also viel mehr personellen Aufwand, um das Gerät von A nach B zu bewegen. Man fährt zwar alleine, braucht aber mindestens so viele Leute wie beim Zweierbob.

Sie werden Monobob aus Ihren Anfängen kennen. Wie verändert sich das Fahrgefühl, wenn man nicht mehr zu zweit im Schlitten sitzt?

Ich bin ganz ehrlich: Ich bin in meinem Leben genau ein Mal Monobob gefahren. In Oberhof hält man ehrlich gesagt von der Disziplin nicht viel und fährt deswegen auch als Anfänger direkt im Zweier. Ich habe es bislang nur ein Mal erlebt, weil eine ehemalige Teamkameradin von mir - weil sie am Anfang Probleme hatte - auf den Mono umgestiegen ist. Ich habe ihr beim Tragen geholfen und da dachte ich mir: Komm, fährst du auch mal mit dem Ding runter. Man merkt schon, dass sehr viel Gewicht fehlt. Es sind ja ungefähr 80 Kilo Mensch, die wegfallen. Man hat das Gefühl, mit einem Go-Kart zu fahren. Das heißt aber nicht, dass das von alleine läuft. Es wird schon Schwierigkeiten geben.

Noch haben Sie Ihren Schlitten gar nicht. Wie schwierig ist es, in der Kürze der Zeit ein gutes Produkt herzustellen und sich als Sportler auf die Disziplin vorzubereiten?

Insgesamt wird das sehr schwierig sein. Ursprünglich war geplant, dass es - anders als beim Zweierbob - einen zentralen Pool an Bobs gibt, die pro Wettkampf neu verlost werden. So sollte jedem das gleiche Material zur Verfügung gestellt werden. Beim Zweierbob hat jeder Pilot und jede Nation ihren eigenen Schlitten. Jetzt ist es aber eher so, dass es einen Hersteller gibt, der die Schlitten produziert und die Athleten diese dann kaufen oder leasen können. Das Problem ist natürlich: Man weiß nicht so direkt, was man für ein Produkt bekommt, weil es diese Monobobs eben noch nicht gibt.

Welche Probleme sehen Sie noch?

Bislang gibt es keinerlei Erfahrungswerte, weil die Disziplin als Wettkampfmodus einfach neu ist. Weil es nun so kurzfristig beschlossen wurde, ist noch nicht klar, wie es in den Terminkalender des Weltcups integriert wird. Wir sind zusammen mit Skeleton unterwegs - sprich: Wir haben eigentlich pro Woche fünf Wettkämpfe. Skeleton und Zweierbob bei den Männern und Frauen und dann noch den Viererbob der Männer. Jetzt kommt noch eine Disziplin mehr rein. Da wird sich auch zeigen müssen, wie das mit den Fernsehzeiten passt. Muss jetzt eine andere Disziplin dafür unattraktivere TV-Zeiten in Kauf nehmen oder fällt raus? Das wissen wir alles noch nicht. Keine Ahnung. Aber ich denke, es wird schwierig sein, dass alles unter einen Hut zu bringen.

Wie viel Trainingszeit ist nötig und wie viel räumt man Ihnen auch ein - sprich: Wann bekommen Sie Ihren Monobob?

Ich denke schon, dass der Verband uns vor Beginn der internen Ausscheidungsrennen (Anm. d. Red.: Diese finden vor der internationalen Wettkampfsaison statt) Schlitten zur Verfügung stellen wird, damit wir üben können.

Welche Ziele setzen Sie sich in dieser neuen Disziplin?

Es wird mehrere Saisons brauchen, um richtig gut zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir 2022 zu den Olympischen Spielen schon Top-Pilotinnen in dieser Disziplin haben. Auch weil generell gilt, dass Bobpiloten erst mit den Jahren, mit der Erfahrung besser werden. Diese Umstellung - kann ich mir vorstellen - ist schon ziemlich schwierig. Theoretisch dauert es wahrscheinlich schon zwei oder drei Saisons, ehe ich mich im Monobob wirklich wohl fühle. Aber dann sind halt schon die Spiele. Es ist einfach ein sehr enges Zeitfenster. Aber mal sehen, wie es wird.

Trotz des erhöhten Übungsbedarfs wird der Zweierbob aber - auch im Training - weiterhin oberste Priorität haben?

Ja, auf jeden Fall. Für mich ist Monobob eher eine Notwendigkeit, damit ich Zweierbob fahren kann. Das ist meine Priorität, das ist das richtige Bobfahren. Aber ich werde es machen müssen. Und wenn ich einen Wettkampf fahre, will ich natürlich auch nicht Letzte werden. Es wird in der ersten Saison noch so sein, dass es ein unabhängiges Ranking von Zweier- und Monobob gibt. Zudem werden bei acht Weltcup-Stationen wohl auch nur fünf Monobob-Wettkämpfe stattfinden. Aber danach wird es eine Kombinationswertung geben. Und ich glaube, dass man sich auch nur über diese für die Olympischen Spiele qualifizieren kann. Das würde natürlich heißen, dass wir auch da Ergebnisse bringen müssen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Johannes Mohren, rbb Sport.

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