Die Eisbären Juniors Spieler Jeroen Plauschin, Gion Ulmer und Ilja Fleischmann (Quelle: Hauptstadteishockey)
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Crowdfunding für Trainerlizenzen - Die "Eisbären-Familie" investiert in die Zukunft

Dass die Berliner Eisbären Spieler aus ihrer Jugendabteilung zu Trainern ausbilden lassen, ist nicht ungewöhlich. Dass es allerdings gleich drei in einem Jahr sind schon. Ermöglicht wird das durch eine Crowdfunding-Kampagne. Es soll eine Investition in die Zukunft sein.

Hardy Gensel, Trainer der U20-Nachwuchsmannschaft der Eisbären Berlin, versucht erst gar nicht, seinen Stolz zu verstecken: Drei seiner Spieler - Jeroen Plauschin, Gion Ulmer und Ilja Fleischmann - absolvieren in diesen Tagen die Ausbildung zur C-Lizenz als Eishockeytrainer. Die 17- und 18-Jährigen sind die drei jüngsten Absolventen des Lehrgangs. Gensel sieht in der Ausbildung eine große Chance für die Spieler, aber auch für den Verein. Er spricht von einem "Volltreffer", wenn er über die Ausbildung der drei redet.

Bei der Finanzierung ihres Plans setzen Plauschin, Ulmer und Fleischmann auf die Hilfe der "Eisbären-Familie". Die Fans des Berliner Eishockey-Vereins können im Internet bei einer Crowdfunding-Kampagne Geld für die Trainer-Ausbildung der drei Jugendspieler spenden. 7.000 Euro wollen Plauschin, Ulmer und Fleischmann sammeln - 5.466 Euro (Stand: 14.05.20) haben sie bereits zusammen. Es könnte eine frühe Investition in eine erfolgreiche Zukunft sein.

Erste Schritte in Trainings-Camps

Die Idee, sich durch die Trainerausbildung neben der Spielerkarriere ein zweites Standbein aufzubauen, hatten die drei nicht selbst. Marc Dannbeck, wirtschaftlicher Geschäftsführer der Eisbären, schlug Jereon Plauschin die Ausbildung zum Trainer vor. "Ich bin seit drei, vier Jahren regelmäßig bei Eishockey-Camps für Kinder auf dem Eis dabei", erinnert sich Plauschin an seine ersten Schritte als Übungsleiter. Vor kurzem habe ihm Dannbeck dann eine Ausbildung zum Trainer angeboten.

"Ich musste dann erstmal abwägen, ob ich das überhaupt machen will", sagt Plauschin. "Bei einem Gespräch war dann auch Ilja dabei. Er hat sich dann mit mir zusammen davon überzeugen lassen, dass eine solche Lizenz eine gute Sache ist. Kurz danach war dann auch Gion Ulmer dabei ", beschreibt Plauschin, wie er die anderen beiden U20-Spieler der Eisbären mit ins Boot holte. Normalerweise schicken die Eisbären jedes Jahr nur einen Spieler zum einem Trainerlehrgang. Um jetzt gleich drei Akteuren die Ausbildung zu ermöglichen, wurde die Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Bei höheren Spenden bekommen die Fans Preise als Dankeschön. Darunter ein Personal-Training mit Gensel oder ein Grillen mit Eisbären-Legende Sven Felski.

Auch soziale Kompetenzen werden gefördert

Mittlerweile läuft die Ausbildung, zwei der vier Module hat das Trio bereits erfolgreich absolviert. Wegen der Situation um die aktuelle Corona-Pandemie allerdings anders als gedacht. "Wegen der Corona-Krise ersetzt die Schaltkonferenz am Laptop zuhause das praktische Training auf dem Eis in der Eishalle. Wir haben uns viele Videos angeguckt, viele Techniken analysiert", beschreibt Plauschin das Programm des Lehrgangs. "Alles sehr theoretisch, aber trotzdem gut und interessant".

Bei der Ausbildung, die die Drei insbesondere für die Arbeit im Jugendbereich qualifiziert, geht es nicht nur um Taktik und Spielzüge auf dem Eis. Auch die sozialen Kompetenzen der angehenden Trainer sollen gefördert werden. "Wie kann man Kindern am Besten gewisse Lerninhalte vermitteln oder auch grundlegend Dinge, die gar nicht auf dem Eis spielen - der richtige Umgang mit Eltern zum Beispiel oder was mache ich mit Kindern, die mir Sorgen bereiten", beschreibt Plauschin den Stundenplan des Lehrgangs, der an vier Wochenenden stattfindet.  

Schon jetzt ein Erfolg

Nach eigenen Angaben profitiert Plauschin schon vor Beendigung des Kurses von dem Gelernten - als Spieler auf dem Eis. "Man achtet auf einmal auf Dinge, an die man vorher gar nicht gedacht hat. Gerade im Moment. Man lernt, wie man sich auch selbst besser trainieren kann. Da geht es sehr detailliert um die richtige Technik."

Auch neben dem Eis profitieren Plauschin, Ulmer, Fleischmann von der Ausbildung. Für ein Sportstudium, das gerade Plauschin anpeilt, ist ein Trainerlehrgang Pflicht. Die haben die Drei bereits jetzt erfüllt. "Auch sonst könnte ich mit dieser Trainerlizenz immer leicht Arbeit finden - ob das jetzt bei den Eisbären oder bei einem anderen Verein wäre", glaubt Plauschin.

Die Eisbären brauchen für verschiedene Mannschaften und Camps dringend Trainer, bestätigt Hardy Gensel. Der Trainer sieht in der Aktion aber auch in der nahen Zukunft schon einen positiven Nutzen: "Für mich ist es schon ein Erfolg, wenn der Spieler sagt, dass er für sich selber schon etwas lernt. Das sollte das große Ziel sein", sagt Gensel stolz. Aber natürlich hofft Gensel, dass davon auch die Eisbären und das deutsche Eishockey mittelfristig profitieren. Die Eisbären möchten - gemeinsam mit ihren Fans - schon jetzt den Grundstein für eine erfolgreiche Jugendarbeit in der Zukunft legen.

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