Nationalspielerin Nina Kamenik jubelt (Quelle: imago images/GEPA pictures)
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Eishockeyspielerin Nina Kamenik - Abseits des Rampenlichts

Eishockeyspielerin Nina Kamenik beendet nach 18 Jahren ihre Karriere in der Nationalmannschaft. Anfangs musste sich die Berlinerin vor allem gegen Jungs durchsetzen, prägte später ihren Sport und könnte dem Verband auch in Zukunft erhalten bleiben.

Wenn man in einer bekannten Bilddatenbank den Namen "Nina Kamenik" eingibt, spuckt die Suchmaschine nicht einmal 100 Treffer aus. Dabei hat die Berlinerin stolze 271 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert und einige Meisterschaften gewonnen. Ihre erfolgreichen männlichen Kollegen wie etwa Sven Felski oder Stefan Ustorf hatten seltener das Nationalmannschaftstrikot an und doch könnte man mit deren unzähligen Fotos problemlos einen ganzen Bildband füllen.

Ein einfaches Beispiel, das das große Problem im Fraueneishockey gleichzeitig nicht anschaulicher verdeutlichen könnte. "Viele, mit denen man spricht, sind immer noch verwundert, dass es überhaupt Fraueneishockey gibt", erzählt die 35-Jährige. 

"Es war einprägsam, zum ersten Mal in einer Mädchenmannschaft zu spielen"

Dass es aber überhaupt wahrgenommen wird, daran hat Kamenik einen nicht unbedeutenden Anteil. Ganze 18 Jahre lang lief sie für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) auf. Doch nun hat sie ihre Karriere in der Nationalmannschaft beendet. "Es war wirklich eine lange und auch sehr prägende Zeit. Man hängt da natürlich mit dem ganzen Herzen dran und dementsprechend schwer ist dann auch der Abschied gefallen", sagt sie.

An ihr allererstes Spiel kann sich die Stürmerin noch genau erinnern. "Ich weiß, dass mein erstes Länderspiel in Frankreich war mit der B-Mannschaft. Es war einfach einprägsam, zum ersten Mal das deutsche Trikot zu tragen und in einer Mädchenmannschaft zu spielen." Denn bis zu ihrem 16. Lebensjahr spielte die Berlinerin vor allem mit Jungs. In ihren ersten Jahren, die sie bei FASS Berlin verbrachte, gab es immer mal ein paar Mitspielerinnen. "Ab einem bestimmten Zeitpunkt hatten aber alle Mädchen aufgehört und ich war ganz alleine."

Allein unter Jungs: "Da muss man sich schon durchsetzen"

Allein mit und gegen die Jungs. "Da muss man sich schon durchsetzen", erzählt sie mit einem Lachen. "Man muss schon ein Statement setzen." Und das tat Kamenik, die mit den besten des Teams mithalten und auch von ihnen lernen konnte. "Es ist schon prägend, hat mich aber nicht daran gehindert, weiterzuspielen."

Und so erfüllte sie sich 2014 einen Traum. "Olympia war einfach Wahnsinn", erinnert sie sich an die Spiele in Sotchi. Bei der Weltmeisterschaft 2017 erreichte sie mit dem deutschen Team den vierten Platz un damit die beste Platzierung, die eine Frauenauswahl im Eishockey je erreicht hat. "Das war auf jeden Fall ein Highlight. Dieser Erfolg, den wir da zusammen feiern konnten, der war einfach unglaublich. Wir haben dann auch gemerkt, dass in Deutschland davon berichtet wurde", erinnert sie sich.

Nina Kamenik im Trikot der OSC Eisladies Berlin (Quelle: imago images/Santiago Engelhardt)Nina Kamenik spielt seit 2001 bei den OSC Eisladies Berlin.

"Ich glaube, dass Fraueneishockey noch extremes Potential hat"

Es waren auch diese Ergebnisse, die das Fraueneishockey in Deutschland voran gebracht haben. Mittlerweile werden junge Spielerinnen über Nachwuchs-Mannschaften an das internationale Niveau herangeführt. "Die Entwicklung ist schon extrem. Man kann es eigentlich nicht mehr mit damals vergleichen", findet Kamenik und lobt besonders ihre Heimatstadt. "Die Möglichkeiten in Berlin gerade für Frauen-Eishockey sind extrem gut, wenn man es mit anderen Bundesliga-Standorten vergleicht."

Und deshalb blickt sie auch optimistisch in die Zukunft. "Ich glaube, dass Fraueneishockey noch extremes Potential hat. Ich sehe einfach so viele talentierte junge Spielerinnen", sagt die 35-Jährige. "Wenn die Förderung so weiter geht und die Vereine von den großen Mannschaften weiter unterstützt werden, ist da schon ein großes Potential."

Dass Kamenik in den kommenden Jahren dazu beiträgt, es auszuschöpfen, scheint nicht ausgeschlossen. Der Verband möchte die langjährige Bundeswehr-Soldatin, die mittlerweile beim Berliner Landessportbund arbeitet, gerne halten. "Ich denke, dass das eine gute Möglichkeit ist, auch ein bisschen was zurückzugeben. In welcher Form das dann sein wird, muss man noch schauen." Das ein oder andere Foto von ihr würde dann aber sicherlich noch dazukommen.

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