Union-Spieler Sebastian Polter beim Training (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

"Unsolidarisches Verhalten" - Union verzichtet bis Saisonende auf Sebastian Polter

Im Derby-Hinspiel war er der Held, nun endet die Zeit von Sebastian Polter beim 1. FC Union ohne weitere Einsätze. Aufgrund von "unsolidarischem Verhalten" verzichten die Berliner bis Saisonende auf den Stürmer. Details nennt der Verein nicht.

Stürmer Sebastian Polter wird bis zum Ende seines im Sommer auslaufendes Vertrages nicht mehr für den 1. FC Union Berlin zum Einsatz kommen. Grund dafür sei "unsolidarisches Verhalten", wie der Verein am Donnerstag mitteilte. Präsident Dirk Zingler habe dem 29-Jährigen die Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Zingler: "Nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend"

"Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht", wird Präsident Zingler zitiert.

"Das ist für uns nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend. Es ist meine dringlichste Aufgabe, gerade in schwierigen Zeiten, den Zusammenhalt aller Klubmitarbeiter und Spieler zu schützen, um unsere sportlichen Ziele nicht zu gefährden. Wir haben deshalb entschieden, dass Sebastian ab sofort nicht mehr Teil unseres Spieltagskaders sein wird", so der 55-Jährige. Demnach wird Polter auch nicht mehr Teil der Mannschaft an Spieltagen sein. Das Mannschaftstraining darf er weiterhin absolvieren.

Polter äußert sich bisher nicht

Was genau vorgefallen ist, dazu wollte sich der Verein nicht äußern. Auch Polter selbst äußerte sich bisher nicht. Wie das Fachmagazin "kicker" und die Deutsche Presse-Agentur berichten, soll Polter nicht bereit gewesen sein, den wegen der Corona-Krise im März beschlossenen Gehaltsverzicht mitzutragen.

Im Derby-Hinspiel im November wurde der Stürmer zum Held, als er die Köpenicker mit einem verwandelten Elfmeter zum 1:0-Sieg über Hertha BSC führte. Polter spielte bereits in der Saison 2014/15 für Union. Nach zwei Jahren in England bei Queens Park Rangers kehrte er 2017 nach Berlin zurück. In der laufenden Saison kam er auf 13 Einsätze und erzielte neben dem Derby-Treffer noch ein Tor beim 1:2 beim FC Bayern München.

Sendung: rbb UM6, 28.05.2020, 18 Uhr

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27 Kommentare

  1. 27.

    Tut mir leid, aber als Außenstehender stellt sich die Sache für mich im Moment so dar: Der Arbeitgeber wollte weniger zahlen, und nachdem der Arbeitnehmer das nicht in der befohlenen Weise akzeptieren wollte, macht man ihn in der Öffentlichkeit mies ("unsolidarisches Verhalten"). Und dies, nachdem man sich von dem Arbeitnehmer ohnehin trennen wollte (ob man ihm kündigt oder den Vertrag nicht verlängert, spielt dabei keine Rolle).

    Inzwischen hat sich der Arbeitnehmer übrigens geäußert und zwar dahingehend, dass er zu einem gewissen Gehaltsverzicht durchaus bereit gewesen wäre.

    Für mich wirft das kein gutes Licht auf Union. Schade eigentlich.

  2. 26.

    Ungeachtet Ihrer seltsamen Vermutungen und Unterstellungen mir gegenüber versuche ich mal eine Antwort, die Ihnen vllt. etwas Licht bringt. Jeder Profi eines Bundesliga Clubs trainiert unterhalb der Woche zweimal täglich mehrere Stunden, um für einen Einsatz in einem Punktspiel vorbereitet zu sein. Nicht wenige Profis müssen trotzdem davon ausgehen, dass sie wahrscheinlich nie zum Einsatz kommen werden - wenn sich die vorrangigen Spieler nicht verletzen. Also ist für viele Profis das Training der Hauptjob, für den sie auch bezahlt werden. Verstehn Sie das, "Haha"?!

  3. 25.

    Zitat:" Und sie haben die Frage noch nicht beantwortet, wie sie sich verhalten würden, wenn der Arbeitgeber sie kündigt weil sie nicht auf Gehalt verzichten."

    Ihm wurde nicht gekündigt. Polters Vertrag läuft am Ende der Saison aus - und bis dahin wird er nicht mehr im Wettbewerb zum Einsatz kommen. Das ist etwas vollkommen anderes, Andreas.

  4. 24.

    "Die Hauptarbeit eines Fussballprofis besteht aus dem Training; Punktspiele sind nur ein geringer Teil der Jobbeschreibung. " Ihr Ernst? Also, ich glaube kaum, dass dies Sinn macht. Er wird dafür bezahl, sich fit zu halten, obwohl er nicht zum Einsatz kommt? Das nennen Sie die Hauptarbeit. Das ist wie die Selbstbeschäftigung von Unternehmen, ohne nach Außen tätig zu werden. Sie haben das mit der Arbeit wohl auch nicht so, oder? Wichtig ist, am Output zu arbeiten. Durch tolles Training kommt man nicht weiter. Training ist nur Mittel zum Zweck. Hauptarbeit eines Spielers ist es, für den Verein im Spiel Leistung zu erbringen. Aber das ist wohl ein Grundfehler bei Unionen. Das zählt das Vereinsleben mehr als der sportliche Erfolg. Völlig falsches Denken im Profisport. Versuchen Sie es nochmal. Hautarbeit ist bei Ihnen dann wohl auch zB im Büro anwesend zu sein und die Papiere zu sortieren. Oh man...

  5. 23.

    Schade, Polter war Identifikationsfigur. Da muss er sehr sauer auf Union gewesen sein. Ob durch diese Aktion jetzt Spieler mit 1-Liga Niveau Interesse an Union haben?

  6. 22.

    Der Vertrag von Polter endet am Saisonende. Das heißt siene Zukunft ist nach allen Richtungen offen. Jeder der einmal seinen idiotischen Sozialneid und das vorgeschobene Geheuchel abstellt, sollte sich mal selbst die Frage stellen, ob er auf sein Geld verzichtet. Ich bin zugegebener Maßen Herthaner und mir sollte es eigentlich egal sein, aber als Mensch und Angestellter kann ich Polter voll verstehen. Im Zweifel liebt der seine Kinder (so er welche hat) und seine Frau. Der Verein kann ihm scheißegal sein, vor allen Dingen wenn sein Vertrag ausläuft. Auf eine ausgleichende Spende der Fans kann er ja wohl kaum hoffen. So what ....

  7. 21.

    Der Vertrag wird nicht verlängert, wer weiß was danach auf ihn zukommt, warum soll er auf Geld verzichten? An erster Stelle denkt er hier an sich und seine Familie, meine Meinung. Moralisch ist es eine andere Kiste.

  8. 20.

    Seine zu Schau gestellte Vereinsliebe empfand ich immer als stark übertrieben. Auch dem größten Vereinslogoküsser geht es im Endeffekt und wer möchte es ihm verübeln nur ums Geld. Ich mochte Polter nie, aber Gehaltsverzicht sollte doch auf wirklicher Freiwilligkeit und nicht auf Zwang beruhen. Hier hat Union ein Exempel statuiert.

  9. 19.

    Wenn er einen Vertrag über die aktuelle Saison hinaus hätte, wäre die Situation viel verfahrener. Davon abgesehen, dass er sich diese Aktion dann sicher nicht erlaubt hätte, wäre es in diesem Fall mglw. daraus hinausgelaufen, dass er solange nicht spielt bis er seine zugesagte Vereinbahrung erfüllt hätte. Das wäre ein sehr unwürdiges Schauspiel geworden.

    So läuft der Vertrag Ende Juni aus und er verlässt den Verein, ohne in den verbleibenden sechs Spielen nochmal eingesetzt worden zu sein.

  10. 18.

    Der Mannschaftsrat, dem Polter angehört(e), hat im Namen des gesamten Kaders dem teilweisen Gehatsverzicht bereits vor Wochen zugestimmt. Nun aber scheint es so zu sein, dass er sich nicht mehr (vollumfänglich) an diese Zusage halten wollte. Daher ist diese, wenn auch recht harte, Disziplinarmaßnahme m. E. durchaus gerechtfertigt.

  11. 17.

    Natürlich muss Polter weiterhin arbeiten, Hotte. Die Hauptarbeit eines Fussballprofis besteht aus dem Training; Punktspiele sind nur ein geringer Teil der Jobbeschreibung. Die Motivation sich zu schinden dürfte bei ihm allerdings stark abgefallen sein, da er keine Aussicht mehr auf Einsatzzeiten hat. Insgesamt keine schöne Situation für alle Beteiligten.

    Hier noch ein Zitat aus der SZ, dass nahelegt, Polter habe sich nicht an vereinbahrte Absprachen gehalten:

    "Union hatte - wie andere Profiklubs auch - insbesondere seine Profis um einen zeitweiligen und freiwilligen Gehaltsverzicht ersucht, um die finanziellen Folgen der Corona-Krise in den Griff zu bekommen. Der Mannschaftsrat, dem Polter bislang angehörte, hatte sich diesbezüglich schon vor geraumer Zeit mit dem Verein geeinigt. Dem Vernehmen nach soll Polter aber die Übereinkunft nicht mehr vollumfänglich mitgetragen haben. Ein Gespräch zwischen Zingler und Polter verlief am Donnerstag ergebnislos."

  12. 16.

    Weil er bei den Unioner als einer der Aufstiegshelden und noch wichtiger als Derby Held angesehen wird. Es wurde in Fankreisen bereits über seine nicht Berücksichtigung diskutiert. Also passt es ins Konzept, bevor noch mehr Unruhe aufkommt, ihn zu suspendieren. Egal wie lange sein Vertrag noch läuft. Und sie haben die Frage noch nicht beantwortet, wie sie sich verhalten würden, wenn der Arbeitgeber sie kündigt weil sie nicht auf Gehalt verzichten. Bevor man andere vorwirft bockig zu sein, sollte man überlegen wie man selbst reagieren würde.

  13. 13.

    ... also zunächst einmal ... entweder der Gehaltsverzicht war freiwillig beschlossen, oder es ist ein Dekret des Vereins. Insofern ist das Verhalten von Union typisch für unsere Zeit. Hier wurde offenbar wieder einmal Gruppenzwang durchgezogen. Das sagt alles über die Protagonisten wie Zingler, die offenbar solche Methoden von "früher" gerne zu Hilfe nehmen. Das ist kein "Kult", sondern pure Heuchelei.

  14. 12.

    In diesem Fall heißt freiwillig eben, entweder du verzichtest oder du bist asozial und darfst nicht mehr spielen. Ergebnis, er bekommt sein volles Gehalt und muss nicht mehr „arbeiten“. Das nennt sich moralische Erpressung. Finde es eher gut, dass er dem Druck nicht nachgegeben hat. Darf er gleich den Verein wechseln? Ich würde da nicht bleiben wollen. Wäre interessant, wie die Kollegen das sehen.

  15. 11.

    Polters Vertrag läuft am 31.06. aus und bis dahin ist er Teil der Mannschaft, auch wenn er nicht mehr im Wettbewerb zum Einsatz kommt. Er kann sich nicht in die Aufstellung klagen, diese obliegt dem Trainer. Und wozu sollte der Club eine vorgeschobene "Ausrede" brauchen, um ihn aus dem Kader zu werfen, Andreas?

    So stark Polters Leistung in den letzten Jahren für den FCU auch war, er passte schon länger nicht mehr unbedingt ins Konzept des Trainers - auch, weil andere Spieler diese Aufgaben besser erfüllen. Ich wünsche ihm in Zukunft alles Gute, denke aber, dass er nicht bei einem Erstliga Club anheuern wird können.

  16. 10.

    Moment, das sind 2 verschiedene Schuhe! Er darf ja weiter seinen Vertrag erfüllen und mittrainieren. Nur wird er nicht mehr zum Spiel auflaufen. Und das werden einige andere auch nicht, da immer nur 11+ Auswechsler spielen können.

  17. 9.

    Ich denke das hat nichts mit unreifen und bockigen Verhalten zu tun. Er wird nicht mehr berücksichtigt und soll auf Gehalt verzichten.Wie würden Sie sich verhalten? Der Verein nutzt die Chance, mit der Ausrede des unsolidarischen Verhaltens, ihn nun offiziell aus dem Kader zu werfen. Ich möchte Sie sehen, wenn ihr Arbeitgeber sagt, entweder verzichtest du auf Geld oder wir entlassen dich. Arbeitsgericht lässt grüßen

  18. 8.

    "Unsolidarisches Verhalten" heißt es heutzutage also wenn man nicht freiwillig auf Gehalt verzichtet. Was auch immer das Wort "freiwillig" zu bedeuten hat.
    Fakt ist: Vertrag ist Vertrag. Was Union hingegen macht ist Erpressung und Rufmord.
    Keinem Arbeitnehmer auf der ganzen Welt sollte man vorwerfen wenn er auf Vertragseinhaltung besteht. Die Suppe die sich die Vereine mit ihren Kostenexplosionen gekocht haben sollten sie auch gefälligst selbst auslöffeln. Schön, wenn Spieler helfen wollen indem sie verzichten, aber so wird daraus ein Zwang. Und das darf nicht sein.

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