Urs Fischer vor dem Spiel von Union Berlin bei Hertha BSC. Quelle: dpa/Stuart Franklin
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Interview | Union-Trainer Urs Fischer - "Wenn man Hertha so einlädt, wird es schwierig"

Im Hauptstadtderby gegen Hertha BSC gab es für Union Berlin eine deutliche 0:4-Niederlage. Trainer Urs Fischer beschäftigen vor allem die individuellen Fehler seiner Mannschaft. Beunruhigt ist der Coach bei sieben noch verbleibenden Spielen aber nicht.

rbb|24: Urs Fischer, nach der 0:4-Niederlage im Stadtderby gegen Hertha BSC wirkten Sie sehr angefressen. Was ist am Tag nach dem Spiel Ihre Erklärung für die Niederlage?

Fischer: Das Fazit und die Analyse fallen relativ einfach: Wenn du solche Fehler machst, wie wir sie gemacht haben, musst du dich nicht wundern, wenn du mit 0:4 nach Hause geschickt wirst. Die erste Halbzeit war aus meiner Sicht eine ausgeglichene Hälfte. Bereits im ersten Durchgang hatte Hertha aber Möglichkeiten, zu denen wir sie eingeladen haben. In der zweiten Halbzeit haben sie die Fehler dann eiskalt ausgenutzt. Das war in der Summe einfach zu viel. In der 1. Bundesliga liegst du dann auf einmal innerhalb von 18 Sekunden mit 0:2 zurück.

Was haben Sie der Mannschaft am Tag nach dem Spiel bei der Analyse - gerade im Hinblick auf die zweite Hälfte - mit auf den Weg gegeben?

Ich habe dem Team vor allem auch Sachen aus der ersten Hälfte mitgegeben. Da haben wir viele Dinge richtig gemacht. Wie wir uns nach dem 0:1 angestellt haben, geht so aber nicht. Man muss einfach auch mal ein Gegentor akzeptieren, ohne komplett auseinander zu fallen. Das haben wir in der Analyse angesprochen.

Man hat in den letzten Spielen das Gefühl, dass Union seine Stärken – das schnelle Umschaltspiel, die Standardsituationen in der Offensive - ein bisschen verloren hat. Liegt das auch an der Pause in der Corona-Krise?

Vor der Corona-Pause haben wir in Leverkusen im Pokal und in Freiburg gespielt. Im Pokal haben wir eine tolle Leistung gezeigt. Vielleicht nimmt das Spiel eine andere Wendung, wenn wir nicht die Rote Karte bekommen. Gegen Freiburg hatten wir dann wirklich keinen guten Auftritt, das gehört aber auch mal dazu. Jetzt hatten wir neun Wochen Pause – das ist eigentlich wie die Sommerpause. Da musst du erst wieder in den Rhythmus kommen. Unsere erste Aufgabe war Bayern München (schmunzelt). Also auch nicht gerade die einfachste Aufgabe. Dann kommt Hertha, auch eine Mannschaft mit Qualität. Wenn man sie dann noch so einlädt, wird es schwierig. Den Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen. Die Ausgangslage bleibt aber die gleiche: Wir kämpfen immer noch um den Klassenerhalt. Es sind noch sieben Spiele und wir sind weiterhin im Rennen.

Die momentane Atmosphäre in den Stadien ist immer wieder ein Thema. Glauben Sie, dass die Zuschauer Ihrer Mannschaft fehlen?

Natürlich, das ist doch klar. Gerade uns, den vermeintlich Kleinen; da ist die Unterstützung des eigenen Publikums umso wichtiger. Ich möchte aber wirklich nicht mehr immer wieder die gleiche Frage beantworten. Ich habe fast das Gefühl, dass wir uns hinter dieser Thematik verstecken. Damit tun wir uns keinen Gefallen. Wir müssen die Situation so akzeptieren, wie sie ist. Auch in den nächsten sieben Spielen werden uns unsere Zuschauer nicht im Stadion helfen können.

Bereits am Mittwoch geht es gegen Mainz 05 weiter. Was muss Ihre Mannschaft besser machen, um dann mal wieder drei Punkte zu holen?

Wir müssen unser Spiel konsequenter umsetzen. Auch gegen Hertha hat die letzte Konsequenz beim Erspielen von Torchancen gefehlt. Auch bei Umschaltsituationen müssen wir wieder direkter spielen. Wir nehmen im Moment zu viele Umwege.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jakob Rüger, rbb Sport.

Sendung: rbbUM6, 23.05.20, 18:00 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.


    Danke, genauso sehr ich das auch. Alles mit etwas mehr Ruhe und einem gesunden Realismus sehen. Man kann und sollte trotzdem zu seiner Mannschaft stehen.

  2. 3.

    Es ist völlig normal, in der ersten Saison um den Klassenerhalt zu kämpfen. Wenn man länger dabei ist, dann ist es völlig normal sich Richtung Europa zu orientieren. Insofern haben Hertha und Union einfach unterschiedliche Ziele. Was Fans dem jeweils anderen Team andichten, resultiert mehr aus einer nicht immer ganz sportlichen Rivalität aufgrund der lokalen Situation.

  3. 2.


    Ein altes Sprichwort sagt, man soll das Fell des Bären nicht zerteilen ehe er nicht erlegt ist. Das gilt auch für Abstieg oder den Traum von Europa, der ja schon seit langem von hertha geträumt wird. Und jedes mal gabs dabei ne Bruchlandung. Schon vergessen???
    Ziel war immer klassenerhalt, nicht mehr und nicht weniger.

  4. 1.

    Für Hertha geht es nach Europa, für Union und in die 2. Liga. Bald dann treffen der DDR Klubs in der Regionalliga und Union ist dabei.

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