Vedad Ibisevic jubelt mit Dodi Lukebakio und Peter Pekarik. Quelle: dpa/Stuart Franklin
Audio: Inforadio | 22.05.2020 | Guido Ringel | Bild: dpa/Stuart Franklin

4:0-Derbysieg - Furiose Hertha zerlegt Union nach der Pause

Die Revanche ist geglückt: Hertha BSC hat das Stadtderby gegen den 1. FC Union mit 4:0 gewonnen. Es war die erhoffte Wiedergutmachung nach der Last-Minute-Niederlage im Hinspiel. Stürmische zehn Minuten kurz nach der Pause sorgten für die Vorentscheidung.

Hertha BSC hat dem 1. FC Union im Derby keine Chance gelassen: Das Team von Bruno Labbadia drehte vor leeren Rängen im Olympiastadion am Freitagabend nach der Pause auf - und besiegte den Stadtrivalen völlig verdient mit 4:0 (0:0).

ICE gegen Regionalexpress

Schon in den ersten Minuten spielte vor allem Hertha. Union lief hinterher. Die Gastgeber - mit Vladimir Darida für Maximilian Mittelstädt in der Startelf - kontrollierten, ja: dominierten die Partie. Auffällig erneut: die neuen Pressing-Qualitäten der Hausherren, mit denen sie schon beim 3:0 in Hoffenheim überzeugt hatten.

Bis zur ersten wirklichen Chance dauerte es aber knapp zwanzig Minuten. Da spielte Hertha mit Tempo steil statt wie zuvor so oft quer - und Dodi Lukebakios Duell gegen Ken Reichel mutete an wie das eines ICE gegen einen in die Jahre gekommen Regionalexpress. Erst Union-Keeper Rafal Gikiewicz konnte den 22-Jährigen stoppen. Im Eins-gegen-Eins parierte er den Schuss aus halbrechter Position stark (18.).

Tempo als Schlüssel

Auch in der Folgezeit galt: Wenn es einen der - sehr wenigen - offensiven Höhepunkte gab, dann vor dem Tor der Gäste aus Köpenick. Der Schlüssel zur Gefahr? Geschwindigkeit! Nur wenn der Labbadia-Elf einer der seltenen schnellen Vorstöße gelang, wurde es brenzlig. In der 27. Minute brachte Matheus Cunha nach Vorarbeit von Vedad Ibisevic mit einem Hacken-Abschluss ein wenig Glanz in eine eher maue Partie. Gut zehn Minuten später zog er aus gut zehn Metern ab. Beide Male scheiterte er an Gikiewicz.

Als die erste Hälfte fast schon vorbei war, bekamen dann die disziplinierten, aber bis dahin völlig harmlosen Unioner doch noch ihre erste Chance: Lukebakio hatte 25 Meter vor dem eigenen Tor einen Freistoß der eher unnötigen Sorte verursacht. Robert Andrich trat an und viel fehlte nicht, da hätte der Mittelfeldspieler ihn in Torsten-Mattuschka-Gedächtnis-Manier in den Winkel gefeuert. Der Schuss ging nur denkbar knapp vorbei (44.).

Zwei Tore in gut einer Minute

Nach der Pause schien Union - einen Abseits-Abschluss von Cunha ausgenommen (47.) - mehr am Spiel teilnehmen zu wollen. Eigentlich. Doch dann zerbröselten alle Köpenicker Hoffnungen auf einen zweiten Derbysieg in der Bundesliga binnen weniger Sekunden. Erst glückte Marvin Plattenhardt in der 51. Minute von der linken Seite die perfekte Flanke. Scharf und punktgenau rauschte der Ball auf den Kopf von Routinier Vedad Ibisevic, der unter Labbadia mit nun 35 Jahren seinen inzwischen x-ten Frühling erlebt - und es stand 1:0.

Ein Spielstand, der nicht lange Bestand haben sollte. Denn kaum hatte Union angestoßen und den Ball weit und relativ planlos in die Herthaner Hälfte gebolzt, rollte der nächste Angriff - und der Torschütze wurde zum Vorbereiter: Nach einem traumhaften Steilpass des Routiniers Ibisevic war Dodi Lukebakio auf und davon. Er umkurvte Gikiewicz und traf zum 2:0 (52.). Es war ein Doppelpack im Eiltempo, von dem sich Union nicht mehr erholte.

 

Am Ende wird es bitter für Union

Stattdessen legte Hertha weiter nach - und ließ den Abend zunehmend zu einem richtig bitteren für den Stadtivalen werden. Matheus Cunha traf von der Sechzehner-Kante zum 3:0 (61.), Dedryck Boyata - im Hinspiel noch der Pechvogel, der den entscheidenden Strafstoß verursachte - erzielte nach einer Ecke per Kopf den 4:0-Endstand gegen nun kopflose Köpenicker (77.).

Zwei Siege aus zwei Spielen, 7:0-Tore: Der Top-Start von Bruno Labbadia erlebt damit seine Fortsetzung. Hertha springt nach 27 Spielen zumindest vorerst auf den zehnten Tabellenplatz und hat nun vier Punkte mehr auf dem Konto als Union. Die Köpenicker müssen langsam aufpassen, nicht doch noch in den Abstiegskampf zu rutschen. Bei einem Düsseldorfer Sieg am Sonntag in Köln könnte der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Zähler zusammenschmelzen.

Fußball Bundesliga

  • Freitag, 18.September, 20.30 Uhr
    Bayern München - FC Schalke 048:0(3:0)
    Samstag, 19.September, 15.30 Uhr
    Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld1:1(0:0)
    Union Berlin - FC Augsburg1:3(0:1)
    1.FC Köln - 1899 Hoffenheim2:3(1:2)
    Werder Bremen - Hertha BSC1:4(0:2)
    VfB Stuttgart - SC Freiburg2:3(0:2)
    Samstag, 19.September, 18.30 Uhr
    Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach3:0(1:0)
    Sonntag, 20.September, 15.30 Uhr
    RB Leipzig - FSV Mainz 053:1(2:0)
    Sonntag, 20.September, 18.00 Uhr
    VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen0:0
    PlVereinSpguvToreDiffPkt
    1.Bayern München11008:0+83
    2.Hertha BSC11004:1+33
    3.Borussia Dortmund11003:0+33
    4.FC Augsburg11003:1+23
    4.RB Leipzig11003:1+23
    6.1899 Hoffenheim11003:2+13
    6.SC Freiburg11003:2+13
    8.Arminia Bielefeld10101:101
    8.Eintracht Frankfurt10101:101
    10.Bayer Leverkusen10100:001
    10.VfL Wolfsburg10100:001
    12.1.FC Köln10012:3-10
    12.VfB Stuttgart10012:3-10
    14.FSV Mainz 0510011:3-20
    14.Union Berlin10011:3-20
    16.Werder Bremen10011:4-30
    17.Borussia Mönchengladbach10010:3-30
    18.FC Schalke 0410010:8-80
    PL
    Platz
    SP
    Spiele
    G
    gewonnen
    U
    unentschieden
    V
    verloren
    DIFF
    Tordifferenz
    PKT
    Punkte

    (ARD Text)

    • Champions League
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Sendung: rbb24, 22.05.2020, 21:45 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Andreas] vom 23.05.2020 um 12:31
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36 Kommentare

  1. 36.

    Nu ja, heutzutage wird so gut wie alles von Fachleuten oder auch Nichtfachleuten in Frage gestellt. Entscheidend ist, dass der Schieri regelgerecht pfeift - und das hat er getan. Dem letzten Teil Ihres letzten Satzes stimme ich zu, Andreas.

  2. 35.

    Wen meinen Sie mit "wir alle", GeDr? Sie sollten nicht den Fehler begehen einge Meinungen, die in Kommentarspalten geschrieben stehen mit der Realität zu verwechseln. Die überwiegende Mehrheit der (nicht nur) Berliner Fussballfans freut sich auf die Derby's und hofft auf weitere - dann aber in vollen Stadien.

  3. 34.

    Nun ist es aber leider nicht mehr so, dass man den Sandkasten für sich allein hat. :)
    Vielmehr ist es mittlerweile so, dass auch andere mitspielen wollen. Bei HBSC sitzt scheinbar nur Lars im Sandkasten, welcher sich allein eine prunkvolle Kleckerburg baut und der Rest darf aus sicherer Entfernung zu schauen.
    Beim FCU sitzen im selbigen Sandkasten viele kleine Baumeister und erschaffen eine vielleicht nicht ganz so schicke, dafür aber vom Fundament her einsturzsicherere Burg.
    Diese vielen kleinen Baumeister dürfen im Gegensatz zu den Zuschauern sogar mitgestalten und genau das soll den Fußball ausmachen.
    Mitgestaltungsmöglichkeiten sind der Kit der Gesellschaft. Sich blind führen zu lassen hingegen, macht bequem und orientierungslos.
    Als Beispiel sei bei HBSC die Posse um den bereits verlorengegangenen Dampfer "Hertha" genannt.
    Auf der einen Seite werden unfassbare Summen in ein Konstrukt gespült und auf der anderen Seite ist jene GmbH&Co KG nicht einmal in der Lage jenes Gründungsschiff fit zu machen.
    Von dem nichtvorhandenen Interessse der Anhängerschaft des ach so tollen Traditionsclub möchte ich gar nicht erst anfangen.
    Seit 2018 siecht nun mittlerweile der Pott vor sich hin.
    Bei dem lange belächelten Stadtteilklub aus Coepenick hätten die Leute bei solch einem wichtigem Kulturgut mit dem Dremel Schlange gestanden, das kann ich Ihnen versprechen.
    Genau das unterscheidet uns!

  4. 33.

    Und auch dieser Elfmeter wurde von Fachleuten in Frage gestellt. Meiner Meinung war der Elfmeter gegen Hertha dazu da, um ein Exempel zu statuieren. Aber es ist auch egal, Union hat das Hinspiel gewonnen und das Rückspiel verdient verloren

  5. 32.

    Vielleicht haben wir ja alle Glück und Union steigt ab. Dann ist dieser Streit zwischen den Fans mal vorbei. Unioner müssen sich dann nicht mehr mit den BL-Stress beschäftigen und den „Konstrukten“. Und der rbb usw. müssen bei BL Spieltagen nicht mehr von Charlottenburgern und köpenickern reden. Bis zum Aufstieg Unions war es viel friedlicher überall

  6. 31.

    Zitat: "Und Unions 1:0 im Hinspiel war ein Geschenk des Schiedsrichters."

    Diese Behauptung scheint sich hartnäckig zu halten, ist aber grundsätzlich falsch, Chris. Boyata hat Gentner (als ballführenden Spieler) regelwidrig im Strafraum attackiert - und ihn, wenn auch nur leicht, was aber keine Rolle spielt, am Fuss berührt; er kam schlicht zu spät. Dass sich der Ball dabei bereits auf dem Weg übers Tor hinaus befand spielt keine Rolle, solange er die Torausline nicht überquert hat. Ein gleichartiges Foul im Mitteldeld hätte einen Freistoß zur Folge gehabt, so wars ein Strafstoß - ganz einfach.

    Im gestrigen Spiel Gladbach vs. Leverkusen gab es eine ganz ähnliche Situation, die ebenfalls zu einem 11er führte.

  7. 30.

    Was ist denn an der Leistung der Herthaner zu hinterfragen? Hertha hat verdient gewonnen.
    Und Unions 1:0 im Hinspiel war ein Geschenk des Schiedsrichters. Es gibt nicht viele, die dort auf Elfmeter entschieden hätten... und das Union leicht fällt hat man gestern gesehen. Diesmal wenigstens nicht im Strafraum weil Union dort gar nicht rein kam.

  8. 29.

    In der letzten Saison belief sich die Besucherzahl allein für die Spiele der 1. Bundesliga auf über 9 Millionen Zuschauer. Sie tun ja gerade so, als ob das zu großem Teil Randalierer wären. Diejenigen, die Fussballspiele für gewaltätigen Aggressionsabbau missbrauchen sind die absolute Minderheit, Wolfram.

  9. 28.

    Es ist immer leichter am anderen Kritik zu üben als die eigene Leistung zu hinterfragen. Und was Leiozig angeht, die Gesellschaft wandelt sich und auch im Fußball ist Innovation gefragt, wenn man aus der breiten Masse hervorstechen will und international mithalten möchte. Es ist immer eine Frage des Anspruchs. Manche sind mit Drittligafussball happy, andere wollen immer Championsleaque sehen. Möge jeder seine Wahl treffen und es anderen auch gönnen, sich den Verein auswählen zu dürfen. Ich persönlich mag Spitzensport.

  10. 27.

    Es kann ruhig so weiter gehen, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Kein gröhlender Pöbel in den Öffentlichen und keine Zerstörungen von Allgemeingut. Für die entsprechende Aufheizung der Gemüter reicht das Internet, wie man sieht.

  11. 26.

    Hahahaha Konstrukte... du nennst Hertha ein Konstrukt? Vielleicht mal nachdenken bevor man das Maul aufreißt... Hertha ist im Gegensatz zu Leipzig ein traditionsclub.

    Und das financial Fairplay gilt nicht für Investitionen.. aber so kann nur ein Unioner sprechen. Einfach mal einsehen das man gegen Hertha hochverdient verloren hat. Aber dann müsste man auch einsehen das das 1:0 im Hinspiel vom schiri geschenkt wurde...

  12. 25.

    @ Harald: Westend Klause am Steubenplatz hat beispielsweise offen und überträgt. Kumpel von mir war schon da. Natürlich mit ausreichend Mindestabstand. Ich persönlich würde mir das in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen jedoch erstmal weiterhin verkneifen.

  13. 23.

    Das war ja wieder klar. Anstatt den Sieg neidlos anzuerkennen, werden Ausreden gesucht. Fehlende Union Fans und Windhorst Millionen. Blödsinn
    Union hat, bescheiden ausgedrückt, schlecht gespielt.
    Und Union sollte diese Niederlage ernst nehmen, sonst besteht die Gefahr, dass die anfänglich gute Saison, den Bach runter geht.

  14. 22.

    Da haben Sie recht. Ich habe bei mir im Betrieb das ganze gerede der dortigen Unionfans wegen der Stadtmeisterschaft nicht verstanden. Was nutzt mir dieser Titel wenn ich abgestiegen bin.

  15. 20.

    Das war ein Pflichtsieg. Die echten Gegner kommen jetzt. Hertha ist auf einem guten Weg, so dass diese Saison wohl doch noch sicher im Mittelfeld de Liga absolviert werden kann. Beruhigend nach dem ganzen Durcheinander der letzten Monate. Einfach nur toll. Union wird den Klassenerhalt hoffentlich packen. Zwei BL Teams kann Berlin gut vertragen. Auch wenn einige Fans noch zu lernen haben, den Gegner zu respektieren. Auf in die nächsten Spiele.

  16. 19.

    ... und niemals vergessen ..... hölzern Union .... hölzern Union ....

  17. 17.

    In was für eine Kneipe ?
    Nein ernsthaft kann man das mittlerweile irgendwo, Kneipe oder Biergarten, wieder schauen?

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