Union-Spieler Florian Hübner (Quelle: imago images/Bernd König)
Bild: imago images/Bernd König

Interview | Union-Verteidiger Florian Hübner vor dem Stadtduell - "Für dieses Derby haben wir letzte Saison 36 Spieltage geackert"

Am Freitag steigt das Hauptstadt-Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union als Geisterspiel. Im Interview spricht Unions Florian Hübner darüber, wie sein Team das Duell - wie schon im Hinspiel - für sich entschieden kann.

rbb|24: Florian Hübner, inwieweit beeinflusst die 0:2-Niederlage gegen den FC Bayern München am letzten Sonntag Ihre Derby-Woche?

Florian Hübner: Die Niederlage beeinflusst relativ wenig. Ich finde, dass wir viel aus dem Spiel mitnehmen können. Wir haben defensiv sehr, sehr gut gearbeitet, gut gegen den Ball verschoben, die Räume eng gemacht und wenig zugelassen. Das war unser Ziel. Was man auf jeden Fall verbessern muss, ist das Spiel mit dem Ball. Dass wir länger im Ballbesitz bleiben, mehr Torchancen kreieren, Standardsituationen provozieren können. Das ist das, was wir auf jeden Fall mitnehmen müssen - und dann können wir am Freitagabend einen guten Auftritt hinlegen.

Ihr Trainer, Urs Fischer, ist nach achttägiger Abwesenheit auf Grund eines Trauerfalls in der Familie wieder zurück. Was haben Sie gerade für einen Eindruck von ihm und wie war es ohne ihn?

Er ist so, wie er immer ist: heiß auf das Spiel. Er freut sich darauf und will natürlich auch den maximalen Erfolg, wie alle Spieler auch. Er hat von der ersten Sekunde an Gas gegeben und auch schon den ein oder anderen Kommentar gelassen. Man merkt, dass er am Freitag unbedingt gewinnen will. Ohne ihn war es schon komisch. Wenn der Cheftrainer nicht da ist, kommt vielleicht mal der Schlendrian rein, aber das hat man in den vergangenen acht Tagen gar nicht gespürt. Unsere zwei Co-Trainer sind sehr hoch angesehen in der Mannschaft. Wir haben uns sehr gut auf die Woche eingestellt, die Trainingseinheiten waren super und man hat es auch im Bayern-Spiel gesehen: Es hat einfach funktioniert, auch wenn du keinen Punkt geholt hast. Aber gegen Bayern ist es echt schwer. Mit den acht Tagen können wir auch ohne Trainer sehr zufrieden sein.

Am Freitag treffen im Hauptstadtderby zwei Mannschaften aufeinander, die zumindest in der Tabelle auf dem gleichen Niveau sind. Gibt es da noch so etwas wie einen Außenseiter und einen Favoriten in diesem Spiel?

Als Aufsteiger ist man immer ein bisschen Außenseiter. Du spielst zum ersten Mal in der Bundesliga – da ist für mich klar, dass du sagst, dass du Außenseiter bist. Hertha BSC spielt schon sehr viel länger in der Bundesliga und hat auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Wir sind eng in der Tabelle zusammen, wir wissen, um was es am Freitag geht. Für die Fans, für die Leute um uns herum, ist es ein genau so wichtiges Spiel wie für uns. Das müssen wir uns am Freitag vor Augen halten und schön Gas geben.

Was braucht es am Freitag, um das Derby zu gewinnen?

Es braucht ganz, ganz viel Mentalität. Vor allem, weil kein Fan im Stadion ist. Du brauchst alle an Bord, die Stimmung machen - vom Zeugwart bis hin zum Stürmer. Wir müssen unbedingten Siegeswillen und Kampfgeist auf dem Platz zeigen. Spielerisch wollen wir versuchen, längere Ballbesitzphasen zu bekommen als noch gegen Bayen. Wir wollen den Gegner laufen lassen, damit wir die Bälle dann auf unseren Stoßstürmer spielen können, die er dann vielleicht nach außen prallen lässt. Es wird auch wichtig sein, Standardsituationen herauszuholen und natürlich, dass wir auch im letzten Drittel kaltschnäuzig sind und dann die Tore machen.

Nach dem 1:0-Sieg in der Hinrunde war Union Berlin der Derby-Sieger. Was war das für ein Gefühl, in diesem besonderen Moment ein Teil der Union-Familie zu sein?

Man hat ja schon die Wochen vor dem Derby gehört, wie wichtig dieses Spiel für die Fans war. Dass es dabei um mehr geht, als nur ums Fußballspielen. Nach dem Sieg sind alle Gefühle frei geworden – die Atmosphäre im Stadion und in der Kabine war unglaublich. Die Tage danach waren top. Wenn du einkaufen gegangen bist oder du irgendwo in der Stadt präsent warst, haben sie dir gefühlt noch zugejubelt.

Nun gibt’s natürlich keine Fans mehr und keine Atmosphäre im Stadion - freut man sich als Spieler trotzdem auf das Spiel?

Ja, natürlich freut man sich. Das ist das, warum wir letzte Saison 36 Spieltage geackert und gemacht und getan haben - da willst du unbedingt diese Spiele spielen. Das ist natürlich brutal bitter für beide Seiten, dass die Fans nicht im Stadion sein können, aber du freust dich als Spieler natürlich zu 100 Prozent auf das Spiel an sich.

Jetzt hat Union beim Neustart kein Tor geschossen, aber das könnte natürlich kommen. Bei Hertha gab es viele Diskussionen über  den Torjubel, der gegen die Hygiene-Regeln verstoßen hat. Ist das bei Ihnen in der Mannschaft ein Thema - macht sich ein Team darüber Gedanken?

Ich glaube, das sollte man wirklich nicht so hoch ansehen. Wenn ich ein Tor gegen Hertha schießen würde, wüsste ich jetzt nicht, wie ich reagieren würde. Man stellt sich nicht darauf ein und sagt 'Ok, ich schieß jetzt am Freitag ein Tor und dann jubel ich so und so'. Das passiert aus den Emotionen heraus und da sollte man auch ein bisschen den Ball flachhalten. Dass die Herthaner sich so beglückwünscht haben - ich glaube, das kann man nicht steuern.

Sendung: Inforadio, 19.05.2020, 18:15 Uhr

Das Interview führte rbb-Sportreporter Jakob Rüger. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die Berichterstattung des RBB ist seit dem Aufstieg von Union recht einseitig. Diese ist Pro- Union, nicht so direkt gegen Hertha, aber man hat das Gefühl, das direkt nach Verfehlungen gesucht wird. Und dann bleiben sie dran. Bestes Beispiel, das Spiel gegen Hoffenheim. Innerhalb kurzer Zeit werden zwei Berichte mit jeweils unterschiedlichen Jubelszenen gezeigt. Ein Schelm der Böses denkt.
    Schon die jubelszenen von Wiesbaden, Elfmeter in der Nachspielzeit, da lagen die sich auch in den Armen. Reden keiner von. Ja , ist auch klar, man soll nicht mit dem Finger auf andere zeigen

  2. 2.

    Hallo @Heike: Ja, du hast ja recht - es ist nur einen Empfehlung, aber deshalb muss man sich doch nicht so sehr über den RBB aufregen, bei dem doch Hertha immer an Nummer 1 der Sport-Berichterstattung stand und immer noch steht! Von einem "Gegen-Hertha-Rahmen" (um bei der deutschen Sprache zu bleiben ;-) ) zu sprechen ist da doch etwas weit hergeholt.

  3. 1.

    Die Herthaner haben nicht gegen Regeln verstoßen, das waren nur Empfehlungen !
    Warum hier der lokale RBB beim Anti Hertha Framing mitmacht, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
    Übrigens sind sich am Montag die Leverkusener Spieler ständig und fast mehr als Hertha um den Hals gefallen, aber liest man irgendwas davon, nein, im Gegenteil die Kamera ist immer schnell weg gedreht.

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