Unions Spieler jubeln nach einem Sieg über Hertha (imago images/Jan Hübner)
Bild: imago images/Jan Hübner

Vor dem Rückspiel - Fünf Gründe, warum Union das Stadtderby gewinnt

Hertha spielt daheim, die Mannschaft hat einen ungefähr fünf Mal so hohen Marktwert wie die von Union, und auch die Wettanbieter sehen Bruno Labbadias Team als Favorit. Dennoch gibt es für Ilja Behnisch mindestens fünf Gründe, warum die Köpenicker das Derby gewinnen.

Die bisherigen Duelle

Die vermeintlich bessere Mannschaft mit den größeren Stars hatte Hertha bereits in der Vergangenheit. Und trotzdem spricht die Bilanz der bisherigen Duelle für die Köpenicker. Von den fünf direkten Duellen in erster und zweiter Bundesliga konnte Union zwei, Hertha nur eines für sich entscheiden, die anderen beiden Partien endeten jeweils unentschieden. Von den beiden Spielen im Olympiastadion endete eines Remis, eines gewann Union.

Die Spielanlage

Unions Spielanlage ist wie gemacht für ein Hauptstadtderby. Ein Offensivfeuerwerk ist von Christopher Trimmel und Co. erstmal nicht zu erwarten. Stattdessen lautet das Mantra unter Urs Fischer seit eh und je: Kompakt stehen, im besten Sinne defensiv und eklig sein und dann mit schnellen, direkten Bällen das Glück suchen, dabei aber ja nicht die Grundordnung verlieren. In Konter läuft diese Union-Mannschaft daher kaum.

Also muss Hertha das Spiel machen - und wie schwer das gegen disziplinierte Köpenicker ist, davon können sie sogar beim FC Bayern München ein Lied singen. Selbst der deutsche Rekordmeister benötigte zum Neustart der Bundesliga am vergangenen Sonntag zwei Standardsituationen (Elfmeter und Eckball), um in der Alten Försterei drei Punkte zu holen.

Dass Union vermutlich auch mit einem Unentschieden gut leben könnte, spielt dem Aufsteiger und seiner Spielanlage zusätzlich in die Karten.

Die Atmosphäre

Eine weitere Lehre aus dem Auftaktspiel Unions gegen die Bayern: Wer dachte, gerade die Köpenicker bräuchten für ihre Art, Fußball zu spielen, die emotionale Aufladung auch von den Rängen, sah sich getäuscht.

Unions Spielweise hat inzwischen vielmehr maschinelle Züge angenommen. Ein voll besetztes Olympiastadion würde da nur anfällig für Fehler machen. Überhaupt scheint der statistisch erwiesene Heimvorteil dank der Geisterspiele weniger zu gelten. Beim Neustart konnte einzig und allein Borussia Dortmund (4:0 gegen Schalke 04) einen Heimsieg einfahren.

Robert Andrich

Fußball mag ein Mannschaftssport sein, am Ende entscheiden dennoch häufig die sogenannten Unterschiedspieler. Bei Hertha BSC heißt der seit der Rückrunde zumeist Matheus Cunha. Der 20-jährige Brasilianer ist so etwas wie ein freies Radikal im Spiel der Mannschaft von Bruno Labbadia. Einer, der Dinge macht, von denen er kurz zuvor selbst noch nicht zu wissen schien, dass er sie machen würde.

Da trifft es sich gut, dass auf Union-Seite einer spielt, der wie kaum ein zweiter im Team für den Union-Fußball steht: Robert Andrich. Stolze 291 Kilometer hat der gebürtige Potsdamer in seinen bisher 25 Saison-Einsätzen bereits abgespult. Nur drei Bundesligaspieler liegen in dieser Statistik vor ihm.

An Robert Andrich vorbei zu kommen ist ungefähr so einfach und unterhaltsam, wie es für Asterix und Obelix war, den berühmten Passierschein A38 zu ergattern [YouTube]. Und als wäre das nicht schon genug, um Mathes Cunha und Co. gewarnt sein zu lassen, spielt bei Robert Andrich auch noch eine persönliche Note hinein.

Zwischen 2010 und 2015 lief der ehemalige U20-Nationalspieler für Hertha auf, durchlief die Jugendmannschaften und musste doch den Umweg Dresden, Wiesbaden und Heidenheim nehmen, um in Berlin Bundesligafußball zu spielen. Wenn einer bis in die kurz geraspelten Haarspitzen motiviert ist im Hauptstadtderby, dann Robert Andrich. Der etwas andere Unterschiedspieler.

Die Zahlen

Derbys sind häufig mehr Kampf als Finesse. Weshalb sich Hertha beim Blick in die Statistiken auf einiges gefasst machen kann. Kein Team in der Bundesliga hat seine Gegner häufiger gefoult als Union (391 Mal), keines mehr Kopfballduelle gewonnen. Zudem liegt Union in der Auswärtstabelle zwar nur auf Platz 14 in der Bundesliga, damit aber immer noch zwei Plätze vor Hertha in der Heimtabelle (16.).

Überraschenderweise liegt Union auch in Sachen Torschüsse vor dem Stadtrivalen und mit 326 Versuchen auf Platz 12 in der Liga. Hier ist Hertha mit 280 Versuchen sogar Schlusslicht.

Sendung: rbb24, 21.05.2020, 21:45 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Eine Punkteteilung wäre für Union gar nicht so schlecht. Ziel muß es sein den Abstieg zu vermeiden und da zählt jeder Punkt.

  2. 2.

    Ich warte jetzt noch auf den Beitrag "Fünf Gründe warum das Stadtderby unentscheiden ausgeht."

  3. 1.

    Klasse Artikel rrb24 Union Berlin.

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