Archivbild: Polizisten bereiten sich am 26.03.2018 auf ein Fußballspiel im Olympiastadion in Berlin vor. (Bild: imago)
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Vor dem Hauptstadtderby - Das Problem mit den Geister-Fans

74.667 Tickets hatte Hertha BSC für das Hauptstadtderby gegen den 1. FC Union verkauft. Nun muss das emotional aufgeladene Spiel ohne Zuschauer stattfinden. Das bringt eine völlig neue Sicherheitslage. Von Jakob Rüger

Wenn Hertha BSC auf den 1. FC Union trifft, dann geht es mittlerweile um mehr als nur drei Punkte. Im Hinspiel wurde das im Stadion an der Alten Försterei beim ersten Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga seit 42 Jahren spürbar. Schon wenige Minuten nach dem Anpfiff zündeten Hertha-Anhänger Leuchtraketen. Sie beschossen im Verlauf der Partie das Spielfeld, die Bank der Union-Spieler, die gegnerische Tribüne. Union-Anhänger präsentierten gestohlene Fanutensilien und versuchten nach dem Spiel, den Rasen zu stürmen. Es gab drei Verletzte. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und hatte jede Menge zu tun.

"Es hat keinen Sinn, da hinzufahren"

Leuchtraketen, brennende Schals, vermummte Anhänger auf dem Rasen - diese Bilder wird es am Freitag beim Rückspiel nicht geben. Nur 300 Personen dürfen sich laut Sicherheits- und Hygienekonzept der DFL im Stadion aufhalten. "Es wird keinen Sinn haben, sich in die Nähe des Olympiastadions zu bewegen", sagt Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation des 1. FC Union.

Der Verein steht nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit der aktiven Union-Fanszene. "Wir sind in Kontakt und haben bislang keine Signale vernommen, dass sich Gruppen darüber hinwegsetzen wollen." Doch es dürfte verlockend sein, Präsenz gegenüber dem Stadtrivalen zu zeigen, so wie das auch schon vor dem Hinspiel der Fall war.

Was passiert außerhalb des Stadions?

Nach Informationen des rbb gab es damals vereinzelt Überfälle auf gegnerische Fans, großflächige Graffiti-Aktionen und verabredete Schlägereien. Die Stimmung in beiden Fanszenen war sehr angespannt vor dem Duell im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei.

Die Harlekins Berlin sind die führende Ultra-Gruppierung bei Hertha BSC und haben eine Stellungnahme zum Thema Geisterspiele herausgegeben. "Wir rufen alle Herthaner auf, es uns gleichzutun und die Geisterspiele nicht mittels Zaunfahnen, Spruchbändern oder anderen Stilmitteln von Fankultur aufzuwerten. Wir Stadiongänger werden diese falsche Entwicklung nicht durch eine Aufwertung der Geisterspiele unterstützen." Doch gilt das auch außerhalb des Stadions?

Berliner Polizei bereitet sich auf alles vor

Auch Hertha BSC steht in intensivem Austausch mit der eigenen Fanszene. Ingo Schiller, Finanzgeschäftsführer bei Hertha BSC, rechnet nicht mit Fanansammlungen vor dem Stadion. "Ich erwarte einen absolut identischen Spieltagsverlauf, wie schon am vergangenen Wochenende. Auch wenn das bei uns eine besondere Brisanz und Situation darstellt."

Das Derby erhitzt die Gemüter. Die Berliner Polizei bereitet sich mit mehreren hundert Beamten auf das Freitagsspiel vor. "Da ja derzeit keine Zuschauer dabei sein dürfen, ist es für uns auch etwas Neues", sagt Polizeihauptkommissarin Valeska Jakubowski. "In erster Linie geht es darum die Abstandsregelungen an diversen szenekundigen Fantreffpunkten zu überwachen." Die Polizei hat dafür wie vor jedem Bundesligaspiel mit Vereinsvertretern und Fanbeauftragten an einem Tisch gesessen.

Rekordstrafen im Hinspiel

Da das Olympiastadion weiträumig abgesperrt ist, lassen sich Aufeinandertreffen von Hertha- und Unionfans in der Stadt nicht gänzlich ausschließen. "Wir sind in Gesamtberlin unterwegs und werden überwachen, ob es zu Zusammentreffen von Fangruppen kommt, darauf sind wir auch vorbereitet", kündigt Valeska Jakubowski an.

Zumal Restaurants und Imbisse laut der derzeit gültigen Verordnungen eigentlich bereits um 22 Uhr schließen müssen, mithin 15 Minuten vor Abpfiff. Das allerdings dürfe an diesem Abend lockerer gehandhabt werden. Die Kontrolleure würden mit Augenmaß vorgehen, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport am Freitag. Der Hauptgeschäftsführer des Berliner Gastroverbandes Dehoga, Thomas Lengfelder, war sich sogar sicher: "Es wird heute Abend keine Kontrollen geben." Allerdings empfahl er, die persönliche Analyse unmittelbar nach Spielende auf den Heimweg zu verschieben.

Das Hauptstadtderby ohne Fans im Stadion - wenn man dem etwas Gutes abgewinnen will, dann dass es wohl keine Geldstrafen geben wird. Der 1. FC Union musste nach dem Hinspiel wegen "unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger" sowie "nicht ausreichenden Ordnungsdienst" 158.000 Euro zahlen. Hertha BSC bekam für Verfehlungen seiner Anhänger sogar die Rekordstrafe von 190.000 Euro vom Deutschen Fußball Bund aufgebrummt.

Sendung: Inforadio, 21.05.2020, 8:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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Antwort auf [Freudlich] vom 21.05.2020 um 17:57
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10 Kommentare

  1. 10.

    Das habe ich auf irgendeiner Videotext Seite gelesen, scheint aber nicht zu stimmen. Trotzdem haben viele Millionen Menschen die Buli Spieltage verfolgt, also ist Markus Heskes Aussage falsch.

  2. 9.

    Abgehalfterte Schlagersänger treffen sich im Fernsehgarten und niemanden interessiert's. Was ich damit fragen will: Was wollen Sie uns mit ihrem Kommentar eigentlich sagen?

  3. 8.

    Heute Abend kann „mit Augenmaß“, bzw. gar nicht kontrolliert werden? Das Bohei um den Profifußball ist schon übertrieben und unnötig genug und ja, einzelne Personengruppen sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Aber: mutmaßlich gut angetrunkene Fans in Gaststätten dürfen sein, Ausnahme für den Fußball? Aber die Kitas dürfen nicht, bzw. nur mit ausgeklügeltem Sicherheitskonzept für einzelne Kinder langsam und vorsichtig aufmachen? Ich finde es unmöglich, wie in unserer Stadt die Prioritäten gesetzt werden.

  4. 7.

    Wo haben Sie nur den Marktanteil gefunden?
    Jedenfalls nicht bei der ARD und dem ZDF. Kneipenfernsehen intessiert hier nicht.

  5. 6.

    Das ist grundsätzlich falsch, Markus Heske. Davon abgesehen, dass die Buli Konferenz am letzten WE einen TV Marktanteil von fast 50% hatte, interessiert die gesamte Fussballwelt, was dbgl. gerade in Deutschland abgeht.

  6. 5.

    2 Bonzenklubs treffen sich auf ner grünen Wiese und keinen interessierts.

  7. 4.

    So,wie sich die sog. Fans beim Hinspiel verhalten haben, wäre jetzt auch ohne Corona ein Geisterspiel angesagt gewesen. Wer solche Fans hat,braucht keine Feinde.
    Und ansonsten,hat dieses ganze Theater um den Profifußball nichts mehr mit Sport zu tun.
    Vorbilder sind die meisten Profis für den Nachwuchs auch nicht mehr. Die jungen Kerle verdienen dermaßen viel,dass etliche früh die Bodenhaftung und den Bezug zur Realität verlieren.Ich glaube,Uwe Seeler wurde mir zustimmen. Zwischen dem Fußball zu seinen Zeiten und heute liegen Lichtjahre und da ist das sportliche irgendwann auf der Strecke geblieben. Er geht nur noch um Geld und nichts weiter.

  8. 3.

    Schließe mich an. Das ist wirklich ein Theater und nicht mitanzusehen.

  9. 2.

    Stimme dir da zu! Gut, habe nur indirekt etwas mit Fußball zu tun, aber auch mir geht dieses Gemache so richtig gegen den Strich. Die Bundesliga und deren Obrigen heulen ständig rum, rennen nur dem Geld hinterher und merken nicht, wie sehr sie damit dem Sport selber schaden. Ich kann nur hoffen, dass es Corona schafft (zumindest in Deutschland) diese Machenschaften ein Ende zu bereiten, sodass es nach einem Reset komplett von vorne los oder weiter gehen kann. Nur eben ohne dem Geld... Einfach nur der Sport im Vordergrund, die Leistungen der Mannschaft und nicht die einzelner Personen. Fußball geht sicher auch ohne große Werbeunterstützung. Union ist dafür das beste Beispiel. Wer hat denn damals die Alte Försterei mit Liebe und Herzblut aufgebaut, so wie sie jetzt ist. Die Fans. Genauso bei den Eisbären. Wer hilft aktuell den Fanbogen wieder aufzubauen? Genau die Fans! Und genau die wuppen schon den Verein und sind da, wenn man sie braucht.

  10. 1.

    Emotional aufgeladen ?
    Ich bin ein Eiserner und die ganze Bundesliga kann mich mal.
    Selbst wenn wir absteigen würden-also diese Saison sowat von Wurscht.
    Was für ein Affentheater.

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