Hertha-Trainer Bruno Labbadia (Quelle: dpa/Alexander Hassenstein)
Audio: Inforadio | 30.05.2020 | Dennis Wiese | Bild: dpa/Alexander Hassenstein

Hertha empfängt Augsburg - "Ohne die sieben Punkte hätten wir den Arsch an der Wand"

Hertha BSC überrascht - mit starker Punkteausbeute und gutem Fußball. Selbst der neue Trainer Bruno Labbadia hat das nicht erwartet. Mit dem FC Augsburg kommt nun der wohl leichteste Gegner der restlichen Saisonspiele. Von Dennis Wiese

Bruno Labbadia bringt die Sachen gerne auf den Punkt. So auch am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15:30 Uhr). Ohne die sieben Punkte aus seinen ersten drei Hertha-Spielen hätte der Verein den "Arsch jetzt an der Wand".

Richtig. Wäre die Ausbeute ähnlich schwach wie vor der Corona-Pause und wären die Auftritte ähnlich ernüchternd, würde man bei Hertha jetzt die Flatter kriegen. Denn die Konkurrenz beginnt zu punkten und die Berliner bekommen es in den nächsten Wochen noch mit Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Mönchengladbach zu tun.

Und eben mit dem FC Augsburg. Ein Spiel, in dem Labbadias Hertha die starken Eindrücke der letzten Partien bestätigen möchte.

"Die Spieler haben auf unsere Fußball-DNA gewartet"

Manager Michael Preetz hatte zuletzt wieder Spaß an der Seitenlinie. Seine Hertha gefiel ihm: "Wir verteidigen zusammen, wir greifen zusammen an. Wir tun die Dinge auf dem Platz als Mannschaft", so Preetz. Auch Trainer Labbadia sieht den Schlüssel der erfolgreichen ersten Spiele darin, dass die Mannschaft bereit ist, "kompakt und zusammen zu arbeiten". Jeder sei für den anderen da.

Die Spieler, so beschreibt Labbadia seine ersten Wochen, seien bedingungslos der Linie des Trainerteams gefolgt, hätten auf die Labbadiasche Fußball-DNA gewartet. Sieben Punkte und 9:2 Tore aus den ersten drei Spielen sind die beeindruckenden Zahlen.

Labbadia hat keine Angst vor der Bubi-Abwehr

Vor allen Dingen der Punktgewinn in Leipzig war hart erkämpft. Linksverteidiger Marvin Plattenhardt musste mit den Anzeichen einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Auch sein Ersatzmann Maximilian Mittelstädt hat einen Schlag abbekommen und geht angeschlagen in die Tage vor dem Augsburg-Spiel. Die möglichen Alternativen, die Labbadia ins Spiel brachte, sind jung: Luca Netz aus Herthas A-Jugend ist am 15. Mai süße 17 Jahre alt geworden. Der Trainer habe kein Problem damit, ihn reinzuschmeißen, sagt er. "Dafür haben wir die Jungs dabei."

Der zweite Junge ist Marton Dardai (18). Seinem Vater Pal, dem ehemaligen Hertha-Trainer, wie aus dem Gesicht geschnitten und DFB-Juniorennationalspieler. Eigentlich ist Dardai junior Innenverteidiger. Aber als Linksfuß eine Option, sollte Labbadia gegen Augsburg einen Linksverteidiger brauchen.

Labbadia und Herrlich - die Corona-Pausen-Trainer

Genau wie Hertha nutzte auch der FC Augsburg die Corona-Pause für einen Trainerwechsel. Wie Labbadia war auch Heiko Herrlich einst Top-Stürmer, holte mit Borussia Dortmund die Champions League. Als Trainer hat sich Labbadia deutlich früher etabliert. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist "der schöne Bruno" Bundesliga-Coach, Herrlich war lange im Nachwuchs aktiv, trainierte die Junioren bei Borussia Dortmund, Bayern München und dem DFB.

In der Bundesliga war Herrlich für den VfL Bochum (2009/10) und zuletzt für Bayer Leverkusen (bis Dezember 2018) verantwortlich. Mit dem FC Augsburg holte Herrlich bislang vier Punkte, Bruno Labbadia kommt nach seinem starken Start auf die schon beschriebenen sieben Zähler.

Hertha und der FC Augsburg - bloß weg vom "Graue-Maus-Image"

Hertha gegen Augsburg - das ist nicht unbedingt die Begegnung, bei der der neutrale Fußballliebhaber laut "Hurra" schreit und ins Stadion oder, dieser Tage, vor den Fernseher rennt. Beide haben sich in den vergangenen Jahren zu den klassischen grauen Mäusen der Liga entwickelt: mit Platzierungen meist in der unteren Tabellenhälfte und eher biederem Fußball.

Augsburg galt Hertha dabei sogar als Vorbild, war mit den beiden Ausreißerjahren früher dran: 2013/14 (Tabellenachter) und 2014/15 (Tabellenfünfter). Hertha zog 2015/16 (Tabellensiebter) und 2016/17 (Tabellensechster) nach.

Den finanziell bodenständigen Augsburgern gelang es auch schon vor vier Jahren, einen Batzen Geld für einen Spieler einzunehmen: Abdul Rahman Baba ging für 20 Millionen Euro zu Chelsea - ein Jahr nachdem er für zwei Millionen Euro aus Fürth gekommen war. Augsburg und Hertha sind Aus- und Weiterbildungsvereine, die sportlich noch immer auf Augenhöhe sind.

Durch den Einstieg von Investor Lars Windhorst begegnet Hertha diesem Graue-Maus-Image mit der ganzen Farbpalette der finanziellen Möglichkeiten. Unter Bruno Labbadia scheint spielerischer Glanz endlich möglich. Nächste Möglichkeit, das unter Beweis zu stellen: Samstag gegen den FC Augsburg.

Sendung: rbb UM6, 28.05.2020, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es macht soviel Spaß Hertha zuzuschauen, am liebsten würde ich die jetzt nur noch ohne Zuschauer spielen sehen.
    Scheint wirklich besser zu funktionieren, allerdings sollte man sich vor Augsburg in acht nehmen.
    Mit Respekt, aber ähnlichen spielerischen Feingeist sollte allerdings ein schöner Sieg drin sein.

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