Bruno Labbadia
Bild: imago images / Metodi Popow

Hertha BSC vor dem Hauptstadt-Derby - Zwischen Kuschelkurs und kleiner Schlacht

Die blamable Hinspiel-Pleite gegen den Stadtrivalen Union hat Spuren bei Hertha BSC hinterlassen. Trainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz wollen beim zweiten Derby am Freitag den "rabenschwarzen Tag" wiedergutmachen. Von Astrid Kretschmer

Herthas neuer Trainer Bruno Labbadia erlebt in Berlin schräge Wochen. Irritieren lässt er sich dadurch nicht. Ruhig, fast abgeklärt blickt er auf Corona-Quarantäne, seinen Geisterspiel-Einstand und nun steht gleich mal das Derby auf dem Programm. "Das ist natürlich nicht das Derby, wie man es sich vorstellt", sagt Labbadia vor dem Spiel gegen den 1.FC Union (Freitag 20:30, Olympiastadion), "jetzt gilt es einfach den Fokus wieder auf das zu richten, was wir beeinflussen können, und es anzunehmen, wie es ist."

Preetz erwartet Duell auf Augenhöhe

Für die Fans ist es das Spiel der Spiele schlechthin. "Nur nach Hause gehen wir nicht", singen die Hertha-Fans vor jedem Heimspiel. Seit Wochen müssen sie genau dort bleiben. Das Derby-Kribbeln sei dennoch spürbar, berichtete Hertha–Profi Per Skjelbred über die Stimmung in der Mannschaft.

Die weiß, dass sie nach der peinlichen 0:1 Pleite aus dem Hinspiel einiges wiedergutzumachen hat. Der Schlaffi-Auftritt in Köpenick verdirbt noch heute jedem Herthaner die Laune, Hertha-Manager Michael Preetz inklusive. "Wir erinnern uns alle an unseren Auftritt in der Alten Försterei – das war ein rabenschwarzer Tag", so Preetz, "mit einem Sieg können wir das ein Stück weit vergessen machen."

Preetz erwartet am Freitagabend ein Duell auf Augenhöhe. Es sei zwar ein Spiel unter besonderen Bedingungen, aber "es bleibt ein Derby und insofern wird es eine hohe Brisanz haben." Zudem "ist es auch das Wesen von Derbys, dass keiner als Favorit in ein Derby geht". Er erwarte "ein komplett offenes Spiel."

Hertha brennt auf eine Revanche

Zudem habe der "dürftige Auftritt", so Preetz, "Nachwehen" in der Saison gehabt. Soll heißen: Die Derby-Blamage läutete den Anfang vom Ende des damaligen Trainers Ante Covic ein und die Turbulenzen in den folgenden Monaten mit der Überschrift "Vier Trainer und viele Peinlichkeiten". Der Kredit bei Spielern und Fans war verspielt, kein Chefcoach konnte die Mannschaft stabilisieren.

Das sieht bei Bruno Labbadia anders aus. Der erfahrene Trainer scheint Hertha trotz kurzer gemeinsamer Trainingszeit wieder in die Spur zu bringen. Das 3:0 bei seinem Einstand gegen Hoffenheim zeigte, dass der neue Trainer wieder Stabilität und Aggressivität ins Hertha-Spiel zurückbringen konnte. "Die Mannschaft strahlt aus, dass ihr das Spiel gut getan hat."

Erst Kuscheln – dann eine kleine Schlacht

Zweikämpfe und Laufbereitschaft werden Labbadia zufolge entscheidende Faktoren gegen defensiv und kämpferisch starke Unioner sein. Den Bundesliga-Aufsteiger aus Köpenick lobt er ausdrücklich: "Union macht das sehr geschlossen, sie sind sehr gut organisiert und da muss ich auch mal dem Trainerkollegen ein Kompliment machen" , sagt Labbadia, "Urs Fischer hat tolle Arbeit geleistet und ja es ist zu spüren, dass Union es jeder Mannschaft sehr schwer macht."

Der Respekt ist groß, aber auf dem Platz soll denn auch Schluss sein mit dem Kuschelkurs. Labbadia, der gute Derby-Erfahrungen hat – schließlich konnte er als HSV-Trainer drei von vier Nord-Duellen gegen Bremen gewinnen – weiß um die Berliner Derby-Situation. "Das ist das Salz in der Suppe", sagt er, "die ganze Stadt fiebert darauf hin." Nun erwartet er "ein sehr, sehr intensives Spiel", will auch "kämpferisch ein Topspiel sehen", sportlich fair und ausschließlich auf dem Spielfeld. Aber in dem Spiel gibt es nicht nur mit der feinen Klinge eine Stadtmeisterschaft zu gewinnen. "Ja, ich freu mich drauf", sagt der Neu-Berliner, "weil das so Dinge sind, die ich einfach schön finde, wenn es so eine kleine Schlacht wird."

Die zuletzt angeschlagenen Profis Karim Rekik und Marius Wolf stehen nicht zur Verfügung. Vladimir Darida ist nach abgesessener Gelbsperre eine Option, allerdings wohl nicht für die Startelf.

Herthas Spieler dürfen jubeln wie sie wollen

Emotionen im Spiel ja, aber nicht beim Jubeln. In Sinsheim hatten die Hertha-Profis durch allzu große Nähe beim Torjubel angeeckt und die Abstandsempfehlungen der DFL missachtet. "Wir haben den Spielern gesagt, dass sie ein Stück vorsichtiger sein müssen," berichtet Labbadia. Ein Freund der Jubel-Empfehlungen sei der frühere Profi jedoch nicht. "Ob sie sich etwas einfallen lassen, haben wir ihnen selbst überlassen." Im Zweikampf hart, im Jubeln weich - wenn es denn am Ende etwas zu feiern gibt.

Sendung: rbb UM6, 20.05.2020, 18 Uhr

Beitrag von Astrid Kretschmer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich finde diese App ist sehr aktuell und immer auf dem neuesten Stand! Weiter so!

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