Hertha-Trainer Bruno Labbadia. / imago images/Metodi Popow
Audio: Inforadio | 16.05.2020 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Metodi Popow

Hertha vor dem Re-Start - "Das wird ein Blindflug!"

Zwei Monate Pause, ein neuer Trainer und nur eine Handvoll Trainingseinheiten als gesamte Mannschaft sind absolviert. Was auf Hertha und Bruno Labbadia in Hoffenheim zukommt? - Das weiß keiner. Genau darin aber könnte die Chance liegen. Von Dennis Wiese

Bruno Labbadia kam mit blau-weißer Hertha-Maske. Und genau so erschienen auch Manager Michael Preetz und Pressesprecher Max Jung zu dieser besonderen Pressekonferenz in Herthas Medienraum. Drei Maskenträger - das war neu an diesem Donnerstagnachmittag, ebenso wie die reduzierte Technik: Es gab nur die Kamera, die die Antworten einfing, um sie dann über die sozialen Medien zu verbreiten. Zuvor hatten die Journalisten ihre Fragen via Kurznachricht an den Verein verschickt - Bundesliga-Alltag in Corona-Zeiten.

Vor seiner Hertha-Premiere im leeren Stadion der TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr) gab dann der neue Trainer Bruno Labbadia ganz ohne Maske im leeren Presseraum ausführlich Auskunft.

"Auf dem großen Feld hat bei den Spielern die Koordination gefehlt."

Die Trainingseinheit am Donnerstagnachmittag mit eingerechnet kommt Labbadia auf fünf Durchgänge mit der gesamten Mannschaft. Erstmals ein Bild von seiner Hertha
konnte sich der Neue am vergangenen Freitag an der Seitenlinie machen. Und dies geschah mit Startschwierigkeiten auf beiden Seiten: "In den ersten Einheiten auf dem großen Feld hat bei den Spielern die Koordination gefehlt. Da sind sie oft zusammengeprallt. Das ist witzig, das mal mitanzusehen, aber natürlich auch wieder nicht witzig."

Und auch der erfahrene Bundesligatrainer Labbadia verlor schon einmal den Überblick: "Wenn du wochenlang immer nur acht Spieler auf dem Platz hast und auf einmal sind es 22 und du musst überall hingucken, war das auch für mich am Anfang verwirrend." Labbadia aber hat wieder den Durchblick. Dabei hat er auch festgestellt, dass sich keiner seiner Spieler - wie durch die plötzliche Belastung befürchtet - an den Muskeln verletzt hat. Einzig Innenverteidiger Karim Rekik, der im Rasen hängengeblieben ist, wird mit einer Innenbandverletzung ausfallen.

Hertha-Premiere für "Corona-Trainer" Labbadia

Bruno Labbadia wird am Samstag erstmals seine Hertha-Mannschaft auf den Platz schicken. Neben dem FC Augsburg, der den Neustart mit Trainer Heiko Herrlich angeht, ist Hertha der zweite Bundesligist, der die Corona-Pause für einen Trainerwechsel genutzt hat.

Auf den ruhigen, sachlichen Übergangscoach Alexander Nouri, der als Klinsmann-Mitbringsel nie wirklich ankam bei der Mannschaft, folgt nun Bruno Labbadia, und damit ein "Kind der Bundesliga", wie Manager Preetz bei der Vorstellung sagte. 328 Mal lief der Stürmer Labbadia im deutschen Fußball-Oberhaus auf und in 245 Bundesligaspielen war "der schöne Bruno" als Trainer verantwortlich - für Leverkusen, Hamburg, Stuttgart und Wolfsburg.

Der offensive Stil passt

Labbadia ist emotional und "nah am Wasser gebaut", wie er selbst sagt. Einer, der seine Spieler auf dem Trainingsplatz zu gerne in den Arm nehmen würde, wenn es die Corona-Beschränkungen nur zulassen würden. Die Kicker sind sehr angetan vom akribischen Arbeiter Labbadia. Niklas Stark und Vladimir Darida loben den Plan, den Labbadia hat. Seine Ansagen seien klar, verständlich.

Herthas Spieler, die in dieser Saison lange orientierungslos über den Platz irrten, verstehen die Idee des Neuen und schätzen seine direkte Art, diese Idee zu vermitteln. Labbadias offensiver Spielstil passt außerdem zu Herthas Spielertypen. "Wenn wir das gut umsetzen, könnte das sehr gut klappen", sagte Mittelfeldspieler Vladimir Darida. Der Trainer selbst will seiner Mannschaft den Druck nehmen und erklärt, dass nicht alles, was er ihr bislang vermittelt habe, er auch nun sofort von ihr erwarte. Zumal das mit Hertha und den Erwartungen in dieser Saison ohnehin so eine Sache ist.

Jarstein wieder die Nummer eins

Vielleicht sind die zwei Monate ungeplante Spielpause für die Blau-Weißen nicht einmal ein Nachteil, denn vor Beginn der Unterbrechung Mitte März war Hertha von guten Leistungen weit entfernt: Die vergangenen fünf Spiele waren allesamt gegen Mannchaften, die in der Tabelle hinter Hertha standen. Zu einem enttäuschenden 1:3 gegen Mainz gesellte sich die Demontage beim 0:5 gegen Köln. Punkte holte die - von Alexander Nouri zumindest auf dem Papier geführte - Mannschaft in Paderborn (2:1) und bei den Unentschieden gegen Düsseldorf (3:3) und Bremen (2:2).

Gegen Düsseldorf und Bremen hatte Thomas Kraft im Tor gestanden. Dem früheren Bayern-Keeper traute man mehr zu als Rune Jarstein, der sich zuvor mit verheerenden Aussetzern um den Stammplatz gebracht hatte. Labbadia hat sich nun festgelegt: Er wird Jarstein wieder zur Nummer eins machen.

Abklatschen beim Torjubel? Nur mit Schuhen oder Ellenbogen

Hertha will zeigen, dass noch etwas geht in diesen verbleibenden neun Saisonspielen. In der Corona-Bundesliga, in der so vieles anders ist. Na klar, der größte Unterschied in den 18 Bundesligastadien wird sicht- und hörbar sein. Alle ausstehenden Spiele finden ohne Zuschauer statt.

Mit Mannschaften, Schiedsrichtern, Betreuern, medizinischem Personal, Medienvertretern und Ballkindern dürfen maximal 300 Personen zeitgleich auf dem gesamten Stadiongelände anwesend sein. Die Mannschaften werden vor dem Spiel nicht mehr gemeinsam einlaufen. Einen Handshake nach der Platzwahl darf es ebenso wenig geben wie die Rudelbildung. Genau wie für die zu erwartende Leistung gilt auch in puncto Spaß am Spiel: Es wird ein Blindflug, zu dem Hertha und die Bundesliga am Sonnabend abheben.

Sendung: rbb UM6, 14.05.2020, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

Kommentar

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Antwort auf [Heike] vom 15.05.2020 um 07:49
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3 Kommentare

  1. 3.

    Wie bekloppt ist das denn. Überall Maske,Abstandsregeln,ob in Schulen ,der Gastronomie,beim Einkauf etc. und ausgerechnet der Kontaktsport Fußball geht wieder los.
    Geld regiert die Welt.

  2. 1.

    Ich freue mich schon darauf, endlich wieder Fußball und ein bisschen Ablenkung von dem ständigen Corona Gequatsche der Angstbürger.
    Drücke beiden Berliner Mannschaften die Daumen.

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