Stürmer Sebastian Polter bejubelt sein Siegtor im Derby-Hinspiel gegen Hertha BSC (Quelle: imago images/Bernd König)
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Interview | Union-Stürmer Sebastian Polter vor dem Derby - "Ich habe in meinem Kopf definitiv die Fans dabei"

Sebastian Polter wurde mit seinem Elfmetertor im Hinspiel des Statdtduells zum Derby-Helden. Vor dem Rückspiel spricht der Union-Stürmer im Interview über das Fehlen der Fans, die Favoritenrolle und seine Gefühle vor seinem vorerst letzten Derby.

rbb24: Herr Polter, das Derby am Freitag findet unter besonderen Umständen statt. Keine Fans, keine Atmosphäre: Freut man sich als Spieler trotzdem auf das Spiel?

Sebastian Polter: Derbys spielt man nicht alle Tage. Das sind besondere Gegebenheiten und wir als Mannschaft und als Verein freuen uns natürlich sehr darauf. Ich habe in meinem Kopf definitiv die Fans dabei. Alle 30.000 oder 35.000, die sicherlich im Stadion gewesen wären, sind bei mir im Hinterkopf. Genau dafür spielt man die Derbys: für unsere Fans, für den Verein, aber auch für uns selber. Für Fußballer sind das einfach die größten Spiele, dem Stadtrivalen auf dem Platz zu begegnen.

Inwiefern werden denn gerade solche Spiele durch Kampf und Leidenschaft entschieden?

Ich glaube nicht, dass gerade solche Spiele rein durch Qualität entschieden werden. Diese Spiele gehen in erster Linie immer über den Kampf, die Leidenschaft und den Einsatzwillen - und dann muss hinten raus sicherlich auch die Qualität auf den Platz gebracht werden. In erster Linie muss wirklich um jeden Zentimeter gekämpft werden. Davon leben die Derbys.

Inwiefern macht Ihnen als Spieler genau dieser Einsatz und die Leidenschaft besonders viel Spaß?

Es macht besonders viel Spaß, weil ich mich einfach nicht verstellen muss. Das sind genau die Eigenschaften, die ich selbst verkörpere. Ich bringe genau das jeden Tag auf den Trainingsplatz und auch in die Spiele. Von daher möchte ich das auch am Freitagabend auf den Platz bringen.

Jetzt haben Sie schon gesagt, dass spielerische Qualität trotzdem wichtig ist. Was wird denn wichtig gegen Hertha BSC?

Ich glaube, dass man in erster Linie wirklich den Kampf und die Leidenschaft auf den Platz bringen muss. Genau so, wie wir das im ersten Spiel in der Hinrunde auch gemacht haben. Dann ist es wichtig, dass wir den Plan des Trainer-Teams auch genau so umsetzen. Wie der Schlüssel dafür ist, möchten wir für uns behalten. Ich glaube, das hat uns auch in der kompletten Saison ausgezeichnet, dass wir für jedes Spiel sehr gut vorbereitet waren.

Gibt es trotzdem einen Außenseiter oder einen Favoriten in dem Spiel?

Favorit bist du nur, wenn du dir selbst diese Rolle zuschiebst. Wir müssen mit dem Spiel so leben, wie es ist. Jeder muss versuchen, alles für sich rauszuholen. Wenn jeder das macht und alles für die Mannschaft tut, dann werden wir das Spiel auch mit einem positiven Ergebnis für uns gestalten können.

Sie kennen den Verein und die Fans sehr gut. Wie wichtig ist dieses Spiel für den gesamten Verein?

Es ist sehr, sehr wichtig. Ich sehe mich selbst in dieser Rolle auch als Fan. Ich bin nicht umsonst Mitglied des Vereins. Deshalb spielt dieses Spiel für mich eine sehr bedeutende Rolle. Es wird für mich persönlich auch noch das letzte Stadtderby für den Verein sein. Deshalb wird das etwas sehr Besonderes, auch wenn die Zuschauer nicht da sind. Aber wie schon gesagt: Alle 30.000 oder 35.000 Mitglieder oder Fans des 1. FC Union Berlin werden in meinem Hinterkopf sein in diesem Spiel. Ich glaube, dass ich dann versuchen werde, das auch in jeder Minute, in der ich auf dem Platz stehen werde, zu zeigen. Damit jeder einzelne Fan, der aufgrund der Situation nicht im Stadion sein kann, diese Leidenschaft von uns spürt - und das bis nach Hause auf die Couch oder in die Gartenlaube, egal wo geguckt wird.

Sie haben gerade schon gesagt, dass es Ihr letztes Stadtduell wird. Mit welchem Gefühl geht man in dieses Spiel?

Ich freue mich einfach auf dieses Spiel. Ich freue mich darauf, dass ich das Stadtderby am Freitag überhaupt spielen kann. Das sind die ersten beiden Bundesliga-Stadtderbys, die es überhaupt in der Historie gibt. Das erste ist vorüber, das haben wir 1:0 gewonnen. Und jetzt freue ich mich auf das Rückspiel. Was genau am Freitagabend passiert, sei erstmal dahingestellt. Erstmal ist die Vorfreude sehr groß. Wir arbeiten sehr hart für dieses Spiel, damit wir ein positives Ergebnis haben können.

Wenn wir einmal zurückblicken auf das Hinspiel: Was haben Sie in den Tagen und Wochen nach dem Derbysieg gehört - vor allem auch als Siegtorschütze?

In erster Linie habe ich in sehr viele freudige Gesichter geguckt. Wenn man in Köpenick, wo ich auch wohne, auf die Straße gegangen ist, hatte jeder einzelne jeden Tag ein strahlendes Gesicht und war voller Tatendrang, auf die Arbeit zu gehen. Wenn man spazieren gegangen ist und sich mit den Fans, die diesen Verein einfach lieben, unterhalten hat, hat man den Leuten einfach ein Strahlen ins Gesicht gezaubert. Dass ich mit meinem Elfmetertor dazu beitragen konnte, ist natürlich umso schöner auch für mich persönlich. Natürlich wollen wir in erster Linie dieses Erlebnis wieder bekommen. Aber dafür muss man sehr hart arbeiten. Rückblickend ist es natürlich ein sehr schönes Gefühl, Stadtmeister zu sein und das bis heute. Nichtsdestotrotz müssen wir am Freitag die Geschichte Geschichte sein lassen und das neue Spiel so annehmen, wie es ist.

Was wünschen Sie sich für Ihr vorerst letztes Hauptstadtderby?

Natürlich, dass wir als Verein dieses Hauptstadtderby gewinnen. Aber da gehört sehr viel Arbeit dazu. Wir müssen als Einheit auftreten, um am Ende ein positives Erlebnis für den Verein daraus zu ziehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jakob Rüger, rbb Sport.

Sendung: rbb UM6, 20.05.2020, 18 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich hoffe für Seb, dass er sich wie im Hinspiel mit dem Siegtor in die Geschichtsbücher des FCU eintragen kann.

  2. 1.

    Hertha war ja nun am 1. Spieltag nach der Coronapause die Mannschaft die sich komplett daneben benommen hat. Andere Mannschaften haben auch Tore geschossen aber der Jubel ging auch anders. Das wollen wir nicht mehr sehen. Also Union der Hertha keine Chance zum Jubeln geben. Ihr macht das sicher besser.

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