Oliver Ruhnert
Bild: imago-images / Jan Hübner

Union-Geschäftsführer Ruhnert - "Gegen den FC Bayern ohne Zuschauer ist für uns ein Nachteil"

Union Berlin hat gleich zum Restart der Bundesliga einen echten Kracher vor der Brust: Am Sonntag kommt der FC Bayern in die Alte Försterei. Vor dem Geister-Heimspiel sprach Geschäftsführer Ruhnert über die schwere Aufgabe in außergewöhnlichen Zeiten.

Statt eines langersehnten Fußballfestes beginnt die Bundesliga am Sonntag für Union Berlin mit einem Geister-Heimspiel gegen Rekordmeister Bayern. In einer Presserunde via Skype aus dem Quarantäne-Trainingslager im niedersächsischen Barsinghausen spricht Geschäftsführer Oliver Ruhnert über den Zustand des Teams, aber auch über das Gefühl, endlich wieder elf gegen elf zu spielen.  

Oliver Ruhnert über...

...die Abreise von Trainer Urs Fischer aus dem Trainingslager.

"Der Trainer musste Barsinghausen kurzfristig aus privaten Gründen verlassen und wird bis auf Weiteres aus privaten Gründen fehlen. Die beiden Co-Trainer Sebastian Bönig und Marcus Hoffmann sind augenblicklich verantwortlich. Sie stehen in engem Austausch mit dem Trainer. Urs Fischer hat am Dienstag auch an dem bei allen negativen Covid-19-Abstrich teilgenommen. Das heißt, wenn er am Samstag an dem nächsten Abstrich teilnehmen kann, könnte er am Sonntag beim Spiel wieder anwesend sein.

...zur Personalie Rafael Gikiewicz und dessen Äußerung, der Verein hätte sich nicht genug um ihn bemüht.

Das muss ein Spieler aus seiner Wahrnehmung schildern. Es ist ja bekannt: Gikiewicz hatte ein Angebot vorliegen, welches er jederzeit hätte unterschreiben können. Das weiß er auch. Von daher war das Bemühen des Vereins mehr als gegeben. Wenn einem Spieler ein unterschriftsreifes Angebot vorliegt und er es nicht unterschreibt, dann ist das nicht die Entscheidung des Klubs, sondern die des Spielers. Über Wertschätzung wird so oft diskutiert. Jeder empfindet die anders. Wenn Rafa das so für sich empfindet, dann muss man das akzeptieren. Ich glaube, dass wir trotzdem zuletzt mehrere Versuche unternommen haben, uns zu einigen. Das hat nicht geklappt. Dann finde ich es auch einen normalen Prozess, dass auch ein Verein sagt, wir wollen jetzt keine weiteren Runden drehen. Es muss nicht immer andersherum der Fall sein.

...über den Zustand der Mannschaft und das interne Testspiel in Barsinghausen.

Man hat gemerkt, dass wir sehr lange nicht mehr gespielt haben. Es war auf jeden Fall wieder ein schönes Gefühl, im Trikot aufzulaufen und das Ganze zu simulieren. Es war schon etwas ungewohnt, elf gegen elf zu spielen. Das letzte Mal gab es das tatsächlich in Freiburg (7. März, Anm. d. Red.). Ich glaube, seriös ist die Frage nach dem Zustand der Mannschaft einfach schwierig zu beantworten. Was aber zurückkommt, sind die Abläufe. Deswegen hilft es, hier vor Ort in Barsinghausen kurze Wege zu haben. Wir können immer mal wieder eine Einheit einstreuen. Du kannst hier einfach mal rausgehen und ein paar Standards spielen lassen.  

...über den Vor- oder Nachteil, jetzt gegen die Bayern zu spielen.

Normalerweise sagst du nach einer normalen Vorbereitung, es ist gut relativ früh, auf so eine Mannschaft zu treffen, einfach weil die nicht eingespielt sind. Hier kann man wirklich betonen: Falls die Bayern ihre Abläufe noch nicht wiederhaben, wir haben Sie auch auf keinen Fall. Wenn du damals ein Heimspiel gegen Bayern vor Zuschauern und ohne einen Lewandowski gehabt hättest: Das wäre sicherlich nicht unbedingt ein Nachteil gewesen. Am Ende ist ein Heimspiel gegen Bayern München ohne Zuschauer für uns auf jeden Fall ein Nachteil.

... die Kritik an der Sonderstellung des Fußballs.

Kritik ist immer in Ordnung und Kritik ist immer zulässig. Was ich nicht mag ist, wenn man versucht, Gruppen gegeneinander auszuspielen und aufzustacheln. Wir haben genau wie jede andere Berufsgruppen den Wunsch, wieder arbeiten zu können. Der Fußball hat sich nicht damit verglichen, ob Unternehmen X,Y oder Z wieder arbeiten darf, sondern er hat seinen Weg gemacht. Er hat sein Hygienekonzept vorgestellt und seine Möglichkeiten, wie man wieder spielen kann. Ich finde, was vorgestellt wurde, war sehr seriös. 

Man hat überhaupt keinen Druck ausgeübt, man ist nicht mit Forderungen nach außen gegangen. Deshalb ärgert es mich ein bisschen, dass der Fußball auf die Seite der Millionäre geschoben wird. Oder gesagt wird: Warum sollen die und warum dürfen die anderen nicht? Wichtig ist: Jede Berufsgruppe, die nicht arbeitet, ist selbstverständlich daran interessiert, dass sie wieder arbeiten darf. Und das ist für mich vollkommen legitim.

...Chancen auf den Klassenerhalt.

Wir starten mit 30 Punkten. Wichtig ist, dass die Mannschaft direkt in diesen Flow kommt. Wir müssen erkennen: Es geht jetzt wieder um Punkte. Ich unterschreibe die Aussage: Die Mannschaft, die die Situation am besten annimmt, wird auch am meisten Punkte holen. Ob uns die Situation am Ende positiv oder negativ betrifft, muss man schauen.

...über Yunus Malli, der seit Mitte März nicht mehr trainierte.

Malli steht seit heute wieder auf dem Platz. Das ist eine gute Nachricht. Er ist tatsächlich zweimal in dieser Woche negativ abgestrichen worden. Er hat heute ebenfalls richtig gute Wert vorgewiesen.

Sendung: rbb um6, 13.05.2020, 18 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich möchte Herrn Ruhnert für seine sachliche objektive Beschreibung herzlich danken und feststellen das er dem1. FC Union nur gut ist. Bleibe er gesund und ewig Unioner. In diesem Sinne U. N. V. E. U.

  2. 1.

    Really, hätte man jetzt nicht erwarten können

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