Stefan Ustorf (Quelle: imago images/Eibner)
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Interview | Ex-Eisbär Stefan Ustorf - "Es ist nicht so, dass ich meine Eisbären-Klamotten verbrenne"

Im letzten Jahr endete die Zusammenarbeit zwischen Stefan Ustorf und den Eisbären. Seitdem sucht er einen neuen Job. Im Interview spricht er über die Trennung von den Eisbären, Zukunftspläne und eine mögliche Rückkehr nach Berlin.

rbb|24: Herr Ustorf, zunächst einmal die wichtigste Frage in diesen Zeiten: Wie geht es Ihnen?

Stefan Ustorf: Mir persönlich geht es gut. Ich bin zu Hause in Ohio, schon seit Mitte Januar. Ich wollte dann eigentlich wieder zurückkommen nach Deutschland, aber dann wurde die Saison abgesagt. Es gab bis jetzt also keinen Grund, wieder zurückzukommen und auch keine wirkliche Möglichkeit. Ich trainiere ein bisschen und versuche, mich in Sachen Eishockey weiterzubilden und erledige ein paar Dinge im Haus.

Im letzten Dezember wurde die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Eisbären beendet. Was hat dazu geführt, dass nach über 15 Jahren Schluss in Berlin war?

Was dazu geführt hat, kann ich nicht wirklich sagen. Mir wurde mitgeteilt, dass der Vertrag, der am 31. Juli ausläuft, nicht verlängert wird. Dann hat es für beide Seiten mehr Sinn gemacht, sofort aufzuhören. Wir haben uns einfach nicht oft genug darüber unterhalten, was erwartet wird, was ich mir vorgestellt habe und was sich auch die Eisbären und die LA Kings [Eishockeyteam aus der National Hockey League, das wie die Eisbären der Anschutz Entertainment Group gehört, Anm. d. Red.] vorgestellt haben. Wir haben keinen wirklichen Plan ausgearbeitet, wie die Zusammenarbeit aussehen soll. Es war dann mit Sicherheit auch meine Schuld, weil wir nicht genug darüber gesprochen haben.

Sie waren für die Spielerentwicklung und das Scouting verantwortlich. Trifft diese Beschreibung auch wirklich das, was Sie letztendlich gemacht haben?

Wir haben am Anfang über diese Position gesprochen, aber dazu kam es in der Form nie. Den Teil der Spielerentwicklung gab es eigentlich nicht wirklich. Ich war eigentlich nur noch für das Scouting zuständig und da auch fast ausschließlich nur noch für die LA Kings in Europa unterwegs. Mit den Eisbären hatte ich nicht mehr wirklich was zu tun. Aber die Spielerentwicklung war mir wichtig. Ich wollte in enger Zusammenarbeit mit den Trainern und vor allem mit den jungen Spielern arbeiten. Dazu ist es halt nie gekommen.

In welcher Rolle sehen Sie sich denn zukünftig im Eishockey?

Da bin ich eigentlich offen für alles. Was ich über die letzten Jahre festgestellt habe ist, dass ich wieder enger mit einer Mannschaft zusammenarbeiten will. Ob das jetzt in einer Funktionärsrolle ist oder direkt als Trainer ist mir eigentlich egal. Das kommt dann auf die Situation an und mit wem man zusammenarbeitet. Was mir gefehlt hat ist, Teil einer Gruppe zu sein, die wirklich Einfluss hat auf das, was auf dem Eis passiert und auch auf die Resultate. Es geht mir beim Eishockey auch immer darum, zusammen zu gewinnen und auch zusammen zu verlieren.

Stefan Ustorf mit dem Meisterpokal (Quelle: imago images/Laci Perenyi)Stefan Ustorf gewann mit den Eisbären sechs Meisterschaften.

Viele Eisbären-Fans waren traurig nach der Trennung, einige kritisierten den Verein auch für diesen Schritt. Haben Sie das mitbekommen und hat das vielleicht auch ein Stück weit geholfen, die Sympathie und Unterstützung der Fans weiterhin zu spüren?

Ja, natürlich habe ich das mitbekommen. Es gab viele Fans, die sich auch persönlich bei mir gemeldet haben und das ist sehr, sehr schön. Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man die Unterstützung von den Leuten bekommt in so einer Situation. Das hilft einem natürlich auch, über die erste Enttäuschung hinwegzukommen. Die Eisbärenfans waren immer gut zu mir. Meine Zeit in Berlin als Spieler und Funktionär war wunderschön. Ich habe auch in den Jahren als Funktionär Sachen machen können, auf die ich stolz bin - ob das jetzt Entwicklungen von Spielern wie Kai Wissmann oder Jonas Müller sind oder Marcel Noebels zurückzuholen. Das sind alles Sachen, auf die ich auch stolz bin. Die Mannschaft hat sich in den drei Jahren jedes Jahr verbessert und sich weiterentwickelt. Aber ich habe in der Zeit auch absolut Fehler gemacht, aus denen ich hoffentlich gelernt habe.

Könnten Sie sich irgendwann eine Rückkehr zu den Eisbären vorstellen?

Man soll ja niemals nie sagen, aber im Augenblick sehe ich es eher nicht. Ich möchte aber nochmal betonen: Es gibt kein böses Blut zwischen mir und den Eisbären. Im professionellen Sport gehen Sachen einfach zu Ende, das gehört dazu. Wenn du dich dazu entscheidest, als Funktionär oder Trainer im Eishockey zu arbeiten, musst du davon ausgehen, dass du irgendwann auch mal gefeuert wirst. Es ist nicht so, dass ich zu Hause sitze und meine Eisbären-Klamotten verbrenne. Ich habe 15 wunderschöne Jahre in Berlin verbracht und wünsche den Eisbären nur das Beste für die Zukunft.

Derzeit sind Sie auf der Suche nach einem neuen Job. Wie schwierig ist es, in diesen Zeiten einen neuen Verein zu finden. Gibt es Gespräche mit Klubs?

Sehr wenig. Es ist sehr schwierig, im Moment Gespräche zu führen oder jemanden ans Telefon zu bekommen, denn es weiß ja keiner, wie es weitergeht. Die meisten Vereine haben ihre Rollen besetzt und sind im Augenblick auch nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. Viele müssen erstmal schauen, wie sie über die Runden kommen bis es weitergeht. Das ist ja auch verständlich.

Ihr Sohn Jake steht beim EHC Freiburg unter Vertrag. Streben Sie wegen der Nähe zu ihm wieder einen Job in Deutschland an oder wollen Sie in den USA bleiben?

Ich bin im Augenblick wirklich offen für alles. Ich glaube, meine Möglichkeiten in Deutschland oder in Europa einen Job zu finden, den ich machen möchte und der mir Spaß macht, sind sehr viel größer als in den USA. Aber wenn sich hier eine Situation entwickelt, bin ich auch offen. Meine Tochter ist jetzt mit der High School fertig. Die Kinder sind aus dem Haus und meine Frau und ich können hingehen, wo wir wollen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Version.

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