Union-Trainer Urs Fischer (Quelle: imago images/Matthias Koch)
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Union Berlin vor dem Hauptstadt-Derby - "Für mich gilt der Ligaerhalt und nicht die Stadtmeisterschaft"

Stadtmeisterschaft? Davon will Unions Trainer Urs Fischer vor dem zweiten Berlin-Duell in dieser Saison nichts wissen. Was zählt, sei der Klassenerhalt.

Am Freitagabend um 20:30 Uhr bleibt das Olympiastadion leer. Ein Hauptstadtderby ohne Zuschauer. Keine 70.000 Menschen, die sich die Kehlen aus dem Leib schreien und lärmend ihre Teams anpeitschen. Und das, obwohl der große Stadtrivale Union Berlin zum zweiten Stadtduell der Saison nach Charlottenburg kommt.

"Das muss man nicht immer wiederholen", konstatiert Unions Trainer Urs Fischer auf der Pressekonferenz am Mittwochmittag mit Blick auf die Geisterspiel-Regelung der DFL. Darüber habe man schon genug gehört. Ja, Fußball ohne Zuschauer sei nicht das Gleiche. Aber irgendwann reichts ja auch.

Oberstes Ziel - Klassenerhalt: "Es gilt, den Sack zu zumachen"

Was zählt, ist das übergeordnete Ziel - der Klassenerhalt. Trotz leerer Ränge, trotz der wichtigen Bedeutung des Derbys und der inoffiziellen Stadtmeisterschaft, trotz strenger Hygieneregeln im Stadion und auf dem Feld. "Nach dieser langen Unterbrechung gilt es, den Sack zuzumachen - das ist das schwierigste aus meiner Sicht." Wenn der Ligaerhalt und die Derby-Stadtmeisterschaft dabei Hand in Hand gingen, sei es aber natürlich um so schöner.

Mit 30 Punkten auf dem Konto haben die Köpenicker derzeit sieben Zähler Vorsprung auf Relegationsrang 16. "Die werden für den Ligaverbleib nicht reichen", mahnt der Schweizer. Gegen den großen Stadtrivalen und direkten Tabellennachbarn auf dem 11. Tabellenplatz sollte es Union nun gelingen, die Sackschlaufe ein wenig fester zu zurren, um weiter an Boden zur Abstiegszone zu gewinnen.  

Die körperliche Verfassung stimmt, das eigene Spiel mit Ball noch nicht

Erste Schlüsse, wie das gegen Hertha BSC gelingen kann, zog der Schweizer beim Bundesliga-Neustart am letzten Spieltag gegen die Bayern. "Von der Organisation war das schon sehr ansehnlich, wir hatten viele Sprints, die körperliche Form passt." Gegen den Rekordmeister legte sein Team fast 127 Kilometer auf dem Platz zurück. Was bei der 0:2-Heimniederlage fehlte, war neben der fehlenden Zuordnung bei Standardsituationen auch die Präzision im Spiel mit dem Ball nach vorne." Gegen Hertha gelte es nun, weiter an den aufgezeigten Schwächen, die wohl auch der wochenlangen Zwangspause geschuldet waren, zu arbeiten.

Verzichten muss Fischer dabei allerdings auf Akaki Gogia, Maurice Opfermann, Laurenz Dehl und Geraldo Becker, die verletzungsbedingt nicht für einen Einsatz im Stadtduell in Frage kommen. Keven Schlotterbeck fehlt zudem gelbgesperrt.

Urs Fischer lobt sein Gegenüber

Gerade gegen die Hertha sollte es Union gelingen, das eigene Spiel mit dem Ball auf die nächste Stufe zu bringen. Denn die Alte Dame um ihren neuen, mittlerweile vierten Trainer der Saison, Bruno Labbadia hinterließ schon beim 3:0-Sieg in Hoffenheim einen kompakten und gut organisierten Eindruck: "Die Mannschaften von Bruno arbeiten sehr gut gegen den Ball, versuchen aber auch selbst Fußball zu spielen. "Da sieht man die Handschrift des Trainers", lobte Fischer sein Gegenüber.   

"Leidenschaft kann Berge versetzen"

Der Weg zum Erfolg verläuft, besonders in einem Derby, aber auch immer über den kämpferischen Willen. "Leidenschaft kann Berge versetzen, mit diesen Attributen kannst du Spiele gewinnen. Diese Eigenschaft verkörpert unsere Mannschaft - das hat uns schon den ein oder anderen Punkt geholt."

Diese Leidenschaft könnte auch am Freitagabend um 22:30 Uhr den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Derby-Sieg oder Derby-Niederlage ausgemacht haben. Oder, ob die Öffnung des Sacks mit der Aufschrift "Klassenerhalt" kleiner oder wieder größer wird.

Sendung: rbbum6, 20.05.2020, 18 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Optimistisch für den Klassenerhalt stimmt, dass der FCU noch Mainz, Düsseldorf und Paderborn z. H. empfängt - alles Mannschaften, die man bei voller Kulisse 100pro schlagen würde, aber auch so eine sehr gute Punkteausbeute zu erwarten ist. Und auch die Schalker werden es sehr schwer haben an der AF zu bestehen, wenn man es noch ein bisschen besser als gegen die Bayern macht - was ich Urs' Truppe absolut zutraue.

    Das Derby ist natürlich ein absolutes Highlight - wobei ich, zugegebenermaßen, leichte Vorteile für dir Hertha sehe. Der Auftritt in Hoffenheim war schon ziemlich überzeugend. Schaun mer mal.

  2. 2.

    Da muss ein Schweizer kommen um hier mal ein bisschen Gelassenheit in das Thema zu bringen, danke Urs.

  3. 1.

    Gute Ansage. Der sog. Stadtmeister ist unwichtig. Ein Derby hat immer einen Reiz, jedoch ist es für die Gesamtlage auch nur ein Spiel. Ich bin da völlig emotionslos.

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