Die Alba-Spieler Luke Sikma und Landry Nnoko jubeln über den Titel (Quelle: imago images/BBL-Foto)
Bild: imago images/BBL-Foto

Saisonrückblick | Alba Berlin - Endlich vollendet

Nach fünf verlorenen Finals hat Alba Berlin sich in dieser Saison endlich belohnt. Mit dem Pokalsieg und der Meisterschaft wandern gleich zwei neue Trophäen in die Vitrine - und daran hat vor allem Trainer Aito Garcia Reneses großen Anteil. Von Lisa Surkamp

Das Highlight der Saison

Zwei Mal gab es Konfettiregen, zwei Mal blaue T-Shirts: Nach fünf verlorenen Finals holte Alba in dieser Saison gleich das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft. Balsam für die Alba-Seele. "Wir haben so viele Finals verloren, das hat an uns genagt", sagte Johannes Thiemann nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft am Sonntag. Denn unter Trainer Aito Garcia Reneses war die Mannschaft immer erfolgreich - verlor aber alle fünf erreichten Finals.

Nun sind sie vollendet - und erlebten den Moment des Triumphs auf zwei Weisen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Im Winter lieferten sich die Berliner eine Halbzeit lang einen engen Fight mit Oldenburg, bevor sie alles klar machten und in einem gelben Meer aus über 14.500 Zuschauern zu Hause den ersten Titel seit 2016 feierten.

Beim Finalturnier marschierte Alba ungeschlagen und souverän zum Titelgewinn. Mit Abstand die Besten. Eine Devise, die dann auch beim Feiern galt. Denn das Corona-Turnier erlaubte keine Fans. Ein paar empfingen den Double-Sieger am Abend dann doch noch am Bahnhof in Berlin, mit Masken und Abstand natürlich. "Ich glaube, die Leute wissen gar nicht, wie viel es uns wirklich bedeutet hat, dass sie jetzt hier waren", freute sich Jonas Mattisseck. "Die ganze Situation war total außergewöhnlich."

Aito Garcia Reneses, Trainer von Alba Berlin (links) mit dem Meisterschaftspokal nach dem Sieg am 28.06.20 in München (Quelle: imago images / BBL-Foto).
Coach Aito führte Alba zum ersten Meistertitel seit 2008. | Bild: imago images / BBL-Foto

Typ der Saison

Ein Attribut, dass ohne Zweifel auch auf Aito Garcia Reneses zutrifft. Er rennt nicht wild gestikulierend an der Seitenlinie herum. Hält sich fast immer im Hintergrund. Und spielt sich schon gar nicht auf, wenn es um seine Erfolge geht. Dabei hätte er allen Grund dazu. Unzählige Erfolge schmücken seine Vita. Und der Spanier hat Alba in seinen drei Jahren in Berlin besser gemacht. Indem er das getan hat, was er am liebsten macht: Aus jedem Spieler immer noch ein Quäntchen mehr rausholen.

Es ist seine Philosophie, die den 73-Jährigen in der Basketball-Welt so besonders macht. Dass junge Spieler in entscheidenden Situationen aufs Parkett geschickt werden, weil es sie besser werden lässt - auch wenn am Ende vielleicht die anderen jubeln. Nun darf es auch der Alba-Coach mit seinen Schützlingen. "Aito ist genau der passende, optimale Lehrer, der das alles veredelt und auch zu Titeln geführt hat", resümiert Manager Marco Baldi stolz.

Stefan Peno schneidet das Netz vom Ring ab (Quelle: dpa/Christof Stache)
Erinnerungen zum Mitnehmen: Stefan Peno schneidet nach dem Titelgewinn das Netz vom Ring. | Bild: dpa/Christof Stache

Comeback der Saison

Eben jenes Gefühl dürfte auch Stefan Peno gehabt haben, als er am späten Sonntagnachmittag auf den Schultern von Johannes Thiemann das Netz vom Ring abschnitt. Der 22-Jährige saugte die Momente des Glücks auf - denn in den Monaten zuvor waren sie ihm verwehrt geblieben.

Es war der 2. Februar 2019, als der Point Guard sich bei einer unglücklichen Landung schwer am Knie verletzte. Auf die OP folgte eine lange Reha und er brauchte vor allem eines: Geduld. 491 Tage später war es aber soweit. Im Spiel gegen Frankfurt beim Finalturnier feierte Peno sein Comeback. Ein Moment, auf den er lange hingearbeitet hatte.

Der Ausblick

Eben jene Arbeit liegt nun auch vor den Verantwortlichen der Berliner. Denn mit dem Ende der Saison rückt der Fokus wieder auf die vielen offenen Fragen. Welches Loch hat die Corona-Krise in Albas Kassen gerissen? Wann geht die neue Saison los? Können die Zuschauer wieder in die Hallen? All das wird bei der Planung der kommenden Spielzeit und des Kaders eine wesentliche Rolle spielen.

Und dann bleibt da ja noch die Frage nach Aito. "Ich glaube, die Chancen sind sehr gut, dass er bleibt", sagt Kapitän Niels Giffey. "Bei Aito weiß man aber auch, dass er immer nur das macht, worauf er gerade Lust hat und was er wirklich mit 100 Prozent machen kann." Es bleibt also abzuwarten, ob Alba auch in der kommenden Saison wieder mit dem spanischen Lehrmeister um Titel kämpft - und ob sie am Ende wieder gemeinsam im Konfettiregen stehen.

Sendung: rbb UM6, 29.06.2020, 18 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren