Der Berliner Beachvolleyballer Eric Stadie. / imago images/Conny Kurth
Video: rbb UM6 | 11.06.2020 | Birgit Hofmann | Bild: imago images/Conny Kurth

Spieler organisieren eigeninitiativ neue Beach-Liga - Schmettern aus dem Corona-Loch

Im Beachvolleyball waren alle Wettbewerbe ausgesetzt oder abgesagt. Eigentlich. Doch dann organisierten Spieler - eigeninitiativ ohne den Verband - die Beach-Liga. Diese startet nun auch mit Profis aus der Region. Und soll dem Sport einen Push geben. Von Johannes Mohren

Eric Stadie hat Lust. Große sogar. "Das Gute ist, dass es wieder losgeht", sagt der 24-jährige Berliner. Endlich wieder in den Sand, endlich wieder nach Bällen hechten. Bislang trainiert der Beachvolleyballer mit seiner Freundin auf den Plätzen des Sportkomplexes an der Paul-Heyse-Straße in Prenzlauer Berg. Doch schon bald wird er sich auch wieder im Wettkampf messen können. "Ich bin einfach mega heiß auf die Beach-Liga", sagt er rbb|24.

Alles lag brach

Genau die sorgt momentan für Aufsehen. Die Beach-Liga ist ein neuer Wettbewerb. Er beginnt am Samstag in Düsseldorf und endet am 12. Juli. Zunächst legen die Frauen los, eine Woche später steigen die Männer um Eric Stadie ein. Für Athleten wie ihn kommt das neue Format fast einer Erlösung gleich. Denn durch die Corona-Krise lag eigentlich alles brach. Die deutsche Tour? Abgesagt. Die Welttour? Ausgesetzt. Es drohte bereits ein Sommer gänzlich ohne Spiele.

Es ist eine Idee des deutschen Top-Spielers Alexander Walkenhorst. Lange schon geisterte sie durch seinen Kopf. Es fehlte jedoch der richtige Moment, sie auch in die Tat umzusetzen. "Der Deutsche Volleyball-Verband ist - wenn er selbst das Premium-Produkt haben möchte, auch gut darin, keine Konkurrenz zuzulassen", sagt der 31-Jährige rbb|24. Und diese Platzhirsch-Stellung hat der DVV in Nicht-Corona-Zeiten mit seiner Beach Tour, die sich - gesponsort von einer großen Krankenkasse - über den Sommer zieht. 

"Die sind alle sehr starr und unflexibel"

Nun wurde diese frühzeitig abgesagt. Die Lücke war also plötzlich da - und Walkenhorst sah die Chance, seine eigene Idee zu platzieren. "Man kennt den Verband. Das ist ein Verwaltungsorgan. Die sind alle sehr starr und unflexibel - und man weiß auch, dass die so schnell nichts ins Leben rufen können", sagt der Essener. Es ist recht unverhohlene Kritik, für die der Bruder von Rio-Olympiasiegerin Kira bekannt ist. Meinungsstark nennen ihn die einen. Enfant terrible des deutschen Beachvolleyballs die anderen. 

Fakt ist: Er bringt das neue Format mit seinen Mitstreitern - Athletensprecher Daniel Wernitz und Manager Constantin Adam - binnen sechs Wochen an den Start. "Nennen wir es mal eine Bewusstseinserweiterung, die aber auch ganz schön an die Substanz geht", sagt Walkenhorst - und lacht. Es ist ein Projekt von Aktiven für Aktive. Der Verband? Außen vor. "Viele Leute stecken da unentgeltlich viel Arbeit rein, um die Sportart nach vorne zu bringen", sagt der 31-Jährige. Denn genau das sei sein Ziel: Ein Push für den Beachvolleyball. "Wir kommen ja neben den beiden Big Playern Fußball und Basketball als mehr oder weniger die Dritten, die etwas Größeres aufstellen. Es war schon unser Ansinnen, schnellstmöglich an den Start zu kommen", sagt Walkenhorst, der auch selbst an der Beach-Liga teilnehmen wird.

"Dann hat man irgendetwas falsch gemacht"

Zu oft habe der Beachvolleyball in der Vergangenheit Chancen liegen gelassen, findet Walkenhorst. Das soll nun in der Corona-Krise nicht nochmal passieren. "Wir reden seit 2012, seit Brink/Reckermann die Goldmedaille gewonnen haben, von einem Beachvolleyball-Boom", sagt der 2,06-Meter-Mann. Was er stattdessen sieht, ist Stillstand - dann etwa, "wenn man sich die Preisgelder und andere Dinge auf der nationalen und internationalen Tour anschaut". 

Mit der Beach-Liga will er die Augen öffnen - und zeigen, dass es andere Formate braucht. "Wenn man in den aktuellen Zeiten der Digitalisierung acht Jahre einen Boom nicht ausnutzt, dann hat man irgendetwas falsch gemacht. Und wenn man das nicht erkennt, muss es vielleicht mal jemand Anderes zeigen", sagt Walkenhorst. Das Credo? Weniger Mief, mehr cooler Lifestyle. Zu sehen sein werden alle Spiele auf der Streamingplattform Twitch - dort, wo sonst vor allem Videospiele übertragen werden. "Ich glaube, das wird komplett am Zahn der Zeit sein und zumindest die junge Zielgruppe ansprechen", sagt er.

Nähe und Interaktivität

Jung. Modern. Voll im Trend. Das sind die Attribute, die dem Besucher auf der Webseite der Beach-Liga [https://diebeachliga.de/] gleich entgegenspringen - und genau diese Selbstbeschreibung soll tatsächlich Programm sein. "Es wird sehr interaktiv und ganz sicher keine stocksteife Analyse-Veranstaltung. Wir wollen jeden Zuschauer nah ran lassen, sodass er vielleicht am Ende sogar mehr mitkriegt als live im Stadion", sagt Walkenhorst. Denn dort dürfen sie natürlich nicht sein. Die insgesamt 16 Duos werden in Schatten der Düsseldorfer Fußball-Arena ohne Publikum an den Start gehen - und mit einem strengen Hygienekonzept.

Wochenweise im Wechsel spielen Frauen und Männer. Direkt nach der Anreise wird es Tests geben - fällt dieser negativ aus, geht es ins Turnier und für diese Sieben-Tage-Periode in die Isolation. Eine Einschränkung, die die Sportler gerne in Kauf nehmen. "Es war eine große Euphorie, die uns für die Idee der Beach-Liga entgegengeschlagen ist", sagt Walkenhorst. Doppelt so viele Startplätze hätte man vergeben können, "dass das nicht geht, ist den aktuellen Bedingungen geschuldet." Dass Top-Teams wie Ludwig/Kozuch oder Thole/Wickler fehlen, will er nicht als Kritik gelten lassen. "Es ist ja nicht so, als hätten wir eine Art B-Produkt."

"Ergebnis fast zweitrangig"

Er beginnt die Liste der Titel aufzuzählen, die die Teilnehmer schon gewonnen haben. Und sie ist lang. Mit diesem Feld wird sich - neben weiteren Sportlern aus der Region (siehe Kasten) - auch der Berliner Eric Stadie messen. An seiner Seite? Das bayrische Talent Benedikt Sagstetter. "Ich glaube, für jeden ist erst einmal fast zweitrangig, was bei, Turnier rauskommt", sagt der 24-Jährige - und: "Es geht darum, dass man einfach spielen kann." Dann hechtet er wieder nach einem Ball seiner Freundin. Die Motivation ist endgültig zurück. Raus aus dem Corona-Loch.

Sendung: rbb UM6, 11.06.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

2 Kommentare

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  1. 2.

    Finde ich richtig so, man sollte sich endlich von diesen Corona Fesseln lösen und wieder selbständig Nachdenken.
    Vielleicht ist es sogar besser so wenn man das alles in die eigene Hand nimmt.
    Nur noch lächerlich diese Maßnahmen siehe Übersterblichkeit.

  2. 1.

    Warum wird alles mit Corona betitelt??!!

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