Collage: Spieler Lukas Piszczek (BVB), Borussia Trainer Lucien Favre (BVB), Spieler Nico Schulz (BVB). (Quelle: imago images/R. Ibing/Witters/foto press)
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Ex-Herthaner beim BVB - Aus Berlin ins Ruhrgebiet

Wiedersehen im Ruhrpott: Wenn Borussia Dortmund am Samstag Hertha empfängt, treffen gleich drei BVB-Profis auf ihren Ex-Verein. Zwar ist bei allen die Zeit in Berlin schon etwas her, wichtige Karriereschritte gingen sie bei Hertha trotzdem. Von Jonas Bürgener

Wenn Hertha BSC am Samstag bei Borussia Dortmund antritt (18:30 Uhr), kommt es für die Berliner zu einem Wiedersehen mit gleich drei alten Bekannten: Ein Trio in Dortmunds aktuellem Kader spielte einst bei Hertha und wechselte im Anschluss - teils über Umwege - ins Ruhrgebiet. Einer von ihnen steht erst seit dieser Saison bei den Schwarz-Gelben unter Vertrag, ein anderer bereits seit einem Jahrzehnt. Alle sind sie unterschiedlich erfolgreich bei der Borussia.

Lucien Favre - der akribische Fußballlehrer

Mit Lucien Favre sitzt bei Borussia Dortmund ein Trainer auf der Bank, der bei Hertha BSC seine ersten Schritte in der Bundesliga machte. 2007 kam der Schweizer vom FC Zürich nach Berlin. Der akribische Fußballlehrer, wohl einer der detailverliebtesten seiner Art, erlebte mit Hertha in seiner nur etwas länger als zwei Jahre währenden Ära die erfolgreichste Periode der jüngeren Klubgeschichte.

Bereits in seinem ersten Jahr als Coach qualifizierte sich die von Favre stark umgebaute Mannschaft nach einer Achterbahn-Saison für den UEFA-Cup. Zugegebenermaßen resultierte das nicht aus dem durchschnittlichen zehnten Rang in der Bundesliga-Tabelle, sondern aus der guten Fairplay-Wertung des Teams in der Saison 2007/08. Trotzdem: Hertha war unter Favre mal wieder international vertreten.

Im Folgejahr gelang Favre bei Hertha dann endgültig der Durchbruch: In seiner zweiten Spielzeit als Coach führte er den Verein nach der erfolgreichsten Hinrunde der Vereinsgeschichte auf Rang vier in der Bundesliga und somit direkt und ohne den Weg durch die Hintertür ins internationale Geschäft.

Hertha schien Favres Fußball-Idee verstanden zu haben. Und doch folgte nur wenigen Monaten nach dem Beginn von Favres dritter Spielzeit bei Hertha das große Missverständnis: Der heute 62-Jährige verkrachte sich mit der Führungsetage um Neu-Manager Michael Preetz und sorgte durch deutliche Unmutsbekundungen in der Öffentlichkeit für einen schmutzigen Abgang aus Berlin.

Nach Stationen bei Borussia Mönchengladbach und OGC Nizza wechselte er 2018 schließlich ins Ruhrgebiet zu Borussia Dortmund. Auch beim BVB ist Favre nicht unerfolgreich. Der ganz große Coup in Form eines Titels, nach dem ein Großteil der BVB-Fans sehnsüchtig lechzt, ist ihm trotz teils vielversprechender Möglichkeiten bislang aber nicht gelungen. Nicht zum ersten Mal wittern Experten daher das Ende der Zusammenarbeit zwischen Favre und dem BVB in diesem Sommer. Zwar bekräftigte Sportdirektor Michael Zorc zuletzt, keine Trainerdiskussion führen zu wollen, trotzdem wird der Verein nach der Saison, vor der der BVB die Meisterschaft als Ziel ausgegeben hatte, über die Zukunft nachdenken. Ob Favre in diesen Überlegungen dann immer noch eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten.

Nico Schulz - Nationalspieler in Reservistenrolle

Ähnliche Überlegungen werden für Nico Schulz, den zweiten Ex-Herthaner im aktuellen Dortmunder Ensemble, gelten. Zwar wechselte Schulz, der große Teile der Jugendabteilung von Hertha BSC durchlief und sowohl sein Debüt in der 1. als auch in der 2. Bundesliga bei den Charlottenburgern feierte, erst vor dieser Saison von Hoffenheim zum BVB. Doch über eine Reservistenrolle kommt der gebürtige Berliner bislang nicht hinaus.

Die Hoffnung bei den BVB-Fans mit Schulz nach dem Abdanken der beiden Publikumslieblinge Leonardo Dede und Marcel Schmelzer wieder eine Konstante auf der Linksverteidiger-Position zu sehen, war groß. Schließlich war der Nationalspieler für stattliche 25 Millionen Euro zur Borussia gekommen. Nach einigen Einsätzen (wettbewerbsübergreifend bislang nur 15) und oft enttäuschenden Leistungen rutschte Schulz aber aus der Startelf und hat seitdem unter Favre einen schweren Stand. Gut vorstellbar also, dass Schulz nach nur einem Jahr in Schwarz-Gelb im Sommer bereits weiterzieht.

Lukasz Piszczek - Treue Seele im Weltklasse-Format

Weiterziehen scheint für Lukasz Piszczek keine Option zu sein. Erst kürzlich verlängerte der 34-Jährige seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. 2021, wenn der Rechtsverteidiger dann wirklich seine Karriere beim BVB beenden sollte, wird er elf Jahre lang das Trikot von Borussia Dortmund getragen haben. Vor dem Spiel gegen Hertha BSC stand Piszczek in 358 Spielen für den BVB auf dem Rasen. In der Klopp-Ära gewann er 2011 die Meisterschaft und ein Jahr später das Double mit den Borussen. 2013 stand er im Champions League-Finale gegen den FC Bayern in Dortmunds Startelf, 2017 gewann er unter Thomas Tuchel mit Dortmund erneut den DFB-Pokal.

Piszczeks Zeit beim BVB ist äußerst erfolgreich. Selbst im fortgeschrittenen Fußballer-Alter ist er auch in dieser Saison ein fester Bestandteil der ersten Elf und führt die Mannschaft in der häufigen Abwesenheit von Marco Reus regelmäßig als Kapitän auf den Platz.

Mit seinem heutigen Trainer beim BVB arbeitete Piszczek bereits bei Hertha BSC zusammen. Der Pole hat Favre einiges zu verdanken: Der Schweizer schulte Piszczek in seiner Zeit bei den Charlottenburgern einst vom Stürmer zum Rechtsverteidiger um. Beim BVB entwickelte sich der 34-Jährige auf dieser Position zum zwischenzeitlichen Weltklasse-Spieler und zur schwarz-gelben Vereins-Ikone.

Wolf verpasst Treffen mit alten Teamkollegen

Verpassen wird ein Wiedersehen mit den alten Teamkameraden hingegen Herthas Leihspieler Marius Wolf. Den Mittelfeldspieler plagt schon längere Zeit eine Zerrung, auch gegen den BVB wird Wolf fehlen. Der Rechtsaußen wechselte 2018 von Eintracht Frankfurt zum BVB. Vollständig glücklich wurde Wolf, nachdem er bei der Eintracht unter Trainer Niko Kovac mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, in Dortmund nicht. Im letzten Sommer lotste Hertha den 25-Jährigen zunächst für eine Saison nach Berlin. Für die kommende Spielzeit soll Wolf dann fest verpflichtet werden.

Sendung: rbbUM6, 04.06.20, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

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