Marathonläufer Mustapha El Ouartassy. Quelle: rbb
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Video: rbbUM6 | 04.06.20 | 18:00 Uhr | Torsten Michels | Bild: rbb

Mustapha El Ouartassy - Berlins schnellster Marathonläufer in Marzahn bedroht und rassistisch beleidigt

Berlins schnellster Marathonläufer Mustapha El Ouartassy berichtet, dass er auf seinem Heimweg in Berlin-Marzahn von einem unbekannten Angreifer überfallen und beschimpft wurde. Sein Verein Fortuna Marzahn versucht, ihm die Angst vor Gewalt zu nehmen. 

Der derzeit schnellste Marathonläufer Berlins, Mustapha El Ouartassy, ist auf seinem Heimweg vom Training in Marzahn überfallen, bedroht und rassistisch beleidigt worden. Seit dem Vorfall im April ermittelt die Polizei, wie der Verein Fortuna Marzahn und der 30-jährige Sportler gegenüber rbb|24 berichten. 

Angst auf die Straße zu gehen

Der Angriff ereignete sich nach Angaben des Sportlers nachts in Marzahn, als El Ouartassi auf dem Weg zu seiner Wohnung war. Ein unbekannter Angreifer habe ihn auf übelste Weise rassistisch beleidigt, wie der Marathonläufer berichtet. "Er hat gesagt: Ich bringe dich um. Was machst du hier, du Kanacke?", sagt El Ouartassy. Seitdem lebt der 30-Jährige in Sorge. Besonders in den Tagen nach dem Vorfall trifft ihn der Angriff psychisch besonders schlimm. "Ich lebe in Angst und traue mich nicht, nachts auf die Straße zu gehen", sagt El Ouartassy.

Sein Verein, der VfL Fortuna Marzahn, versucht zu helfen und Angst zu nehmen. "Es hat mich sehr betroffen gemacht. Ich weiß, was Mustapha für ein toller junger Mann ist. Er ist der Sportler des Jahres in Marzahn-Hellersdorf", sagt Fortunas 1. Vorsitzende Doris Nabrowsky. Sie weiß, dass El Ouartassy im Bezirk und im Verein eigentlich gut integriert ist. "Dass jemand so etwas macht, verstehe ich nicht. Mustapha hätte sich dabei sehr schwer verletzen können, dann wäre seine Karriere möglicherweise beendet gewesen", sagt Nabrowsky mit einem Kopfschütteln. Der Täter ist immer noch nicht ermittelt und El Ouartassy lebt in Sorge, einen weiteren Angriff erleben zu müssen.

Einbürgerungsprozess zieht sich lange hin

Dabei möchte er sich eigentlich vollständig auf seinen Sport konzentrieren. Einst wurde er bei einem Volkslauf in Marokko entdeckt und intensivierte anschließend das Lauftraining. Mittlerweile ist es einer der größten Wünsche von Mustapha El Ouartassy, möglichst bald schon für sein neues Heimatland an den Start zu gehen. Er träumt von Rennen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen im deutschen Trikot. "Es ist ein Traum von mir, für Deutschland zu starten und das Land bei Olympia, einer Weltmeisterschaft, oder wo auch immer zu vertreten", sagt El Ouartassy mit einem breiten Lächeln. Er möchte dem Verein und dem Land, in dem er sich zum Leistungssportler entwickelte, etwas zurückgeben.

Doch noch - fast vier Jahre nachdem El Ouartassy nach Deutschland kam - stockt der Einbürgerungsprozess und El Ouartassy muss sich weiter gedulden. Er hofft auf eine baldige Entscheidung der Senatsverwaltung, der sein Antrag mittlerweile vorliegt. "Ich bin ein positiver Mensch und hoffe, dass es klappen wird."

Der Traum von Olympia im deutschen Trikot

Sein Trainer Hans-Jürgen Stephan glaubt, dass El Ouartassy seine ambitionierten Ziele und die Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden durchaus erreichen kann. "Er ist sehr ehrgeizig. Bei jedem Lauf, den er absolviert, muss es eine Bestzeit sein. Wenn nicht, ist er sehr geknickt und hat ganz schön damit zu kämpfen", beschreibt Stephan das akribische Training seines Läufers. Wie alle Athleten muss auch El Ouartassy wegen der Corona-Pandemie derzeit auf Rennen verzichten. Wenigstens die Sportanlagen sind mittlerweile wieder geöffnet, sodass er zumindest mit dem Training wieder beginnen kann. Mit Fokus auf die nächsten Marathonläufe und hoffentlich bald auch auf Weltmeisterschaften und Olympische Spiele im deutschen Dress.

El Ouartassi stammt gebürtig aus Marokko, mittlerweile lebt er in Marzahn-Hellersdorf. 2016 kam er nach Deutschland, um Leistungssportler zu werden. Seitdem läuft er für den 1. VfL Fortuna Marzahn. Beim Berlin-Marathon im letzten Jahr kam er nach 2:14:02 Stunden als 26. in der Gesamtwertung ins Ziel. Es war 2019 die beste Zeit eines Berliners beim schnellsten Marathon der Welt. 

Sendung: rbbUM6, 04.06.20, 18:00 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Das passt ja genau ins Zeitgeschehen.

  2. 5.

    Ich hoffe, der Täter liest dies: Für Individuen wie dich schäme ich mich zutiefst.
    Aber eigentlich kannst du einem nur leid tun.
    Mein Mitgefühl aufgrund deiner sozialen Kälte und Inkompetenz.
    Ich wünsche dir, dass du deine Engstirnigkeit in diesem Leben noch überwinden wirst.

    Alles Gute.

  3. 4.

    Jawohl Herr Oberlehrer, ich habe verstanden. Es tut mir auch unendlich leid, dass ich es wagte einen Kommentar mit Hintergrundinformationen zu schreiben!

  4. 3.

    Die etymologische Herkunft von Schimpfwörtern hat herzlich wenig mit deren psychologischer Wirkung zu tun.

  5. 2.

    Wie dumm und ungebildet müssen doch Rassisten sein, wenn sie ihn mit dem Wort "Mensch" beleidigen wollen, denn das Wort „Kanake“ stammt vom hawaiianischen-polynesischen Ausdruck „kanak“ bzw. „kanaka“ ab, was auf deutsch „Mensch“ heißt.

  6. 1.

    Man wird das Gefühl nicht los der Rassismus breitet sich wie ein Geschwür aus.
    Sind nur noch Irre unterwegs? Wer die Würde anderer Menschen nicht achtet gehört weg gesperrt, anders lernen es diese braun verseuchten Volltrottel nie.

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