Energies Präsident Matthias Auth und Sportdirektor Sebastian König im Gespräch. Bild: imago-images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 10.06.2020 | Andreas Friebel | Bild: imago-images/Matthias Koch

Energie Cottbus nach Saisonende - Abhaken und Neustart

Bis zuletzt hatte Energie Cottbus für ein Meisterschafts-Turnier in der Regionalliga gekämpft. Vergebens. Seit Freitag ist klar: Lok Leipzig ist Meister und Energie muss für ein weiteres Jahr in der vierten Liga planen. Und es wird kein leichtes. Von Andreas Friebel

Zurückblicken wollen sie in Cottbus nicht mehr. Wohl auch deshalb, weil dieser Blick schmerzt. Zur Winterpause stand Energie auf Rang eins. Doch dann kam der große Knall. Erst schmiss Trainer Claus-Dieter Wollitz hin. Und wenig später auch Präsident Werner Fahle. Ob diese Unruhe im Verein dazu führte, dass die Lausitzer nach der Winterpause nur ein Spiel von fünf gewannen, ist pure Spekulation.

Fakt ist aber: Cottbus rutschte so auf den dritten Platz ab. Und brachte sich um die Möglichkeit schnell wieder aufzusteigen. "Was wäre, wenn, bringt uns nicht weiter. Corona stellt eine absolute Ausnahmesituation dar, mit der keiner rechnen konnte", sagt Sportdirektor Sebastian König.

Kaderplanung ist viel weiter als vor einem Jahr

Nun darf dank der Quotientenregel Lok Leipzig um den Aufstieg in die dritte Liga spielen. Und der FC Energie bereitet sich auf eine weitere Saison in der Regionalliga vor. "Wir wollen eine Mannschaft haben, die mit hoher Intensität spielen kann und die viel Druck auf den Gegner macht", wünscht sich König, für den aber auch wichtig ist: "Dass wir das Team früher, als in der vergangenen Saison zusammen haben und eine Jetzt-erst-recht-Mentalität schaffen."

Immerhin steht das Gerüst des Teams bereits. Mit Toni Stahl hat man einen sehr talentierten Torwart halten können. Jan Koch gehört zu den besten Innenverteidigern der Liga. Dazu kommen mit Axel Borgmann und Florian Brügmann zwei weitere Routiniers. Im Mittelfeld ist Niclas Erlbeck gesetzt. Und im Sturm bleibt auch Torjäger Felix Brügmann. Offen ist zum Beispiel noch die Zukunft von Dimitar Rangelov. Ende der Woche soll diese geklärt sein, kündigt der Sportdirektor an.

Cottbus will "gehöriges Wörtchen beim Aufstieg mitreden"

Sebastian König macht aber auch klar, dass Energie einige Stellen im Kader streichen wird. Statt wie zuletzt 28 Profis, sollen es in der neuen Saison nur noch 22 sein. Das ist ein relativ kleiner Kader, zumal es eine lange Saison werden könnte. Wenn 22 oder 23 Teams in der nächsten Spielzeit in der Nordoststaffel zu finden sind, dann bedeutet dies über 40 (!) Ligaspiele. "Unsere Möglichkeiten sind aktuell begrenzt, weil keiner weiß, wann wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Und die sind für uns eine wichtige Einnahme", so König. Es besteht aber die Option, den Kader aufzustocken, sobald klar ist, wie viele Heimspiele es gibt und wie viele Zuschauer dabei sein können.

Präsident Matthias Auth macht jedenfalls schon mal klar, dass "wir ein gehöriges Wörtchen beim Aufstieg mitreden wollen". In der Saison 2020/21 darf der Nordost-Meister übrigens wieder direkt in die dritte Liga. Aufstiegsspiele, wie in dieser Spielzeit, gibt es nicht.

Energie braucht Zuschauereinnahmen

Um optimal vorbereitet den Kampf um die Meisterschaft anzunehmen, wird Energie Cottbus schon relativ früh in das Training einsteigen. "Wir beginnen in jedem Fall am 11. Juli", kündigt Sebastian König an. "Und je nachdem, wann die Saison startet, ziehen wir unser Programm bis August durch. Sollte es erst im September losgehen, werden wir zwischendurch den Spielern noch ein paar Tage frei geben." Mit dem 11. Juli endet dann auch die beantragte und gewährte Kurzarbeit für das Team.

Mit dieser Maßnahme konnten die Verluste aus den ausgefallenen Heimspielen deutlich minimiert werden. Zu den aktuellen Zahlen wollte Präsident Auth aber noch keine Angaben machen. Für die jetzt abgebrochene Spielzeit macht er sich auch keine Sorgen. Gefährlicher ist der Ausblick: "Die Zuschauer sind für uns sehr wichtig. Wenn die Saison im August mit einem Heimspiel starten würde, fehlen uns schon erhebliche Einnahmen." Die liegen bei etwa 70.000 Euro pro Partie. Cottbus will deshalb unbedingt auswärts beginnen und steht deshalb in enger Abstimmung mit dem Nordostdeutschen Fußballverband.

Dimitar Rangelov bejubelt einen Treffer im Trikot von Energie Cottbus. Bild: imago-images/Steffen BeyerHängt der Kapitän noch ein Jahr dran? Die Verhandlungen mit dem 37-jährigen Dimitar Rangelov laufen.

Kein Umdenken in der Branche

Für Sportdirektor König geht derweil die Suche nach neuen Spielern weiter. Nach Möglichkeit soll zum Trainingsstart der Kader fast komplett sein. Nur laufen die Gespräche mit möglichen Verstärkungen sehr zäh. Dass die Coronakrise zu sinkenden Gehaltsvorstellungen geführt hätte, konnte König noch nicht feststellen. "Es hat mich überrascht und enttäuscht, dass die neue Realität noch nicht in den Köpfen von Beratern und Spielern angekommen ist. Aktuell ist kein Spieler bereit mit den Preisen runterzugehen." Das könnte sich ändern, wenn erste, zweite und dritte Liga Ende Juni/Anfang Juli ihre Saisons beendet haben. "Da kommt sicher noch mal richtig Bewegung in den Markt", sagt Sebastian König.

König bastelt außerdem auch schon an einem Vorbereitungsprogramm für die Mannschaft um Sebastian Abt. "Wir sind da schon mit einigen Klubs in Gesprächen. Aktuell gibt es aber noch keine Erlaubnis in Brandenburg Wettkämpfe durchzuführen. Wenn der Startschuss kommt, wird es mit den Testspielen aber relativ schnell gehen."

Energie will Unterstützung beim Stadion

Schnell gehen soll es übrigens auch beim Thema: Wie weiter mit dem Stadion der Freundschaft. Das befindet sich in Vereinsbesitz. Die jährlichen Unterhaltskosten von etwa 1,5 Millionen Euro kann sich der Viertligist aber kaum noch leisten. Deshalb laufen aktuell Gespräche mit der Stadt. Sie haben das Ziel, dass Energie spätestens zum 1.1.2021 bei der Betreibung der Anlage unterstützt wird.  

Beitrag von Andreas Friebel

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