Union-Manager Oliver Ruhnert vor einem Spiel der Eisernen. Quelle: imago images/Jan Huebner
Audio: Inforadio | 02.06.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Jan Huebner

Oliver Ruhnert über den Jubel von Thuram gegen Union - "Hier geht es um ein globales Thema: Das Nein zu Rassismus"

Union-Manager Oliver Ruhnert glaubt trotz des schwindenden Vorsprungs auf die Abstiegsränge weiterhin an den Klassenerhalt. Die entscheidende Phase komme erst noch für Union. Auch zum Jubel über das zwischenzeitliche 0:2 in Gladbach bezog er Stellung.

Bei Borussia Mönchengladbach musste der 1. FC Union erneut eine deutliche Niederlage (1:4) hinnehmen. Am Tag nach dem Spiel stellte sich Unions Manager Oliver Ruhnert in einer Medienrunde den Fragen der Journalisten. Unter anderem äußerte er sich über...

…das Formtief von Union Berlin nach dem Re-Start.

Eine Erklärung dafür ist tatsächlich recht einfach zu finden, wenn man sich die Spiele und unsere Gegner anschaut und sieht, wie unsere Mannschaft gespielt hat. Wir haben gegen Teams gespielt, die sich - im Gegenteil zu uns - in einer sehr guten Phase befinden. Das Spiel gegen Mainz 05 lasse ich dabei außen vor. Dort sind wir auf einen Gegner getroffen, der sich in einer ähnlichen Situation wie wir befindet. In dem Spiel hat die Mannschaft, nachdem sie 25 Minuten nicht gut war, aber einen wirklich engagierten Auftritt gezeigt. Auch in Unterzahl haben wir gut gespielt. 

Gegen den FC Bayern haben wir sicherlich im Rahmen der Möglichkeiten abgeschnitten, bei Hertha haben wir eine ganz schwache zweite Halbzeit gespielt. Am Wochenende in Gladbach haben wir hingegen eine ganz schlechte erste Halbzeit gezeigt. Es gilt also zu erforschen, warum es uns nicht gelingt, über 90 Minuten einen vernünftigen Auftritt hinzulegen. Das ist für uns elementar, daran müssen wir arbeiten.

Wir haben immer gesagt, dass wirklich alles passen muss, damit wir am Ende erfolgreich sein können. Jetzt haben wir eine Situation, in der wegen verschiedenster Umstände nicht mehr alles passen kann. Wir hatten nur wenig Vorbereitungszeit und uns fehlen die Automatismen.

…die Niederlage gegen Gladbach.

Wir haben es dem Gegner zu leicht gemacht, Tore zu erzielen. Wir müssen die individuellen Fehler abstellen. Derartige Fehler haben wir in der Vergangenheit bislang nicht gemacht . Daran müssen wir arbeiten, um wieder zu einer gewissen Stabilität zurückzukehren. Es war Schade, dass wir nach dem Anschlusstreffer so schnell das 1:3 bekommen haben. Das war für uns eigentlich eine Phase, in der wir zurück ins Spiel gefunden hatten. Es bleibt aber dabei, dass wir selbst ein Topspiel und der Gegner eine nicht so gute Partie erwischen muss, um gegen die Mannschaften in der Bundesliga überhaupt bestehen zu können. Dieses Topspiel haben wir nach der Corona-Pause noch nicht wieder gemacht.

…die Stimmung innerhalb der Mannschaft.

Wenn man 1:4 in Gladbach verliert und davor bereits 0:4 bei Hertha BSC tut das der Stimmung natürlich nicht gut. Trotzdem ist die Mannschaft selbstkritisch und will es besser machen. Ich habe schon den Eindruck, dass das Team sehr fokussiert an die kommenden Aufgaben herangeht. Natürlich ist es so, dass auch die Spieler merken, dass die anderen Teams näher kommen. Wir wussten aber und haben das auch immer gesagt, dass der Klassenerhalt das einzige Ziel ist. Die Mannschaft hat sich selbst zur Aufgabe gemacht, noch so viele Punkte wie möglich zu holen. Es sind noch 15 Zähler zu vergeben. Wir dürfen den Mut nicht verlieren. Wir brauchen keine Angst zu haben, wir können nur gewinnen am Ende.

…das kommende Spiel gegen Schalke 04.

Wir sind nicht dafür zuständig, wie es im Moment bei Schalke läuft. Wir müssen auf uns schauen. Vom Grundsatz hat Schalke natürlich die besseren Spieler mit einem riesigen Wert. Im Winter wurde der Verein als Champions-League-Kandidat eingestuft. Trotzdem sind wir in den nächsten fünf Spielen und auch gegen Schalke in einer anderen Situation als in den ersten Partien nach der Pause.

die feste Verpflichtung von Marius Bülter.

Eigentlich muss das nicht mehr thematisiert werden. Wir haben bereits im Winter-Trainingslager in Spanien betont, dass es für uns überhaupt keine Überlegung ist, Marius Bülter nicht zu verpflichten. Wir sind uns also schon lange im Klaren über die Verpflichtung. Wann man diese dann final abschließt, hängt mit internen Prozessen zwischen Union Berlin, Marius Bülter und in diesem Fall dem 1. FC Magdeburg zusammen.

…den Kniefall von Gladbachs Marcus Thuram nach dem zwischenzeitlichen 0:2 als Zeichen der Solidarität mit dem bei einem Polizei-Einsatz in den USA gestorbenen George Floyd.

Wenn ein Kontrollausschuss dagegen ermitteln will, dann muss ich mich fragen, ob wir alle noch die gleichen Werte haben. Hier geht es um ein globales Thema: Das Nein zu Rassismus. Das ist ein Standpunkt, den eigentlich alle Verbände unterstützen und das mit verschiedenen Aktionen auch schon gezeigt haben. Nicht nur ich persönlich, sondern auch wir als Klub hätten derartige rassistische Taten im 21. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten.

Mönchengladbachs Marcus Thuram kniet nach seinem Tor zum 2:0 gegen Union Berlin auf dem Rasen. (Quelle: dpa/Martin Meissner)Mönchengladbachs Marcus Thuram kniet nach seinem Tor zum 2:0 gegen Union Berlin auf dem Rasen.

Sendung: Inforadio, 01.06.20, 16:14 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    In erste Line geht es um Fußball. Da muss man dann aufpassen, dass der „Antirassismus“ nicht als Geschäftsmodell zur Selbstvermarktung von hochbezahlten Profi-Kickern wird.

  2. 1.

    Wenn das Wörtchen wenn nicht wär.......Wenn wir in der nächsten Saison keine Fehler mehr machen und alle Torchancen nutzen, werden wir ungeschlagen deutscher Meister.

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