Herthas Matheus Cunha liegt mit ausgebreiteten Armen auf dem Rasen (Foto. imago images / Contrast)
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2:0 gegen Leverkusen - Sorgloser Umgang mit Cunha trübt Freude über Hertha-Sieg

Gegen Leverkusen liefert Hertha defensiv eine der besten Saisonleistungen ab. Der 2:0 Sieg gegen den Favoriten ist hochverdient. Sorgen bereitet Torschütze Matheus Cunha. Nach drei Gehirnerschütterungen stand er wieder in der Startelf. Zu früh, findet Till Oppermann

Eigentlich ist es nur ein normaler Zusammenprall im Mittelfeld. Doch Matheus Cunha bleibt bei seiner Rückkehr in die Startelf nach zwei Kurzeinsätzen gegen Freiburg und Frankfurt in der 10. Minute des Spiels von Hertha BSC gegen Bayer Leverkusen benommen liegen, nachdem er und Leon Bailey ineinander gelaufen sind.

Zuvor fehlte der brasilianische Ausnahmekönner seiner Mannschaft wochenlang – wegen der dritten Gehirnerschütterung binnen eines Jahres. Aus Rücksicht auf Cunhas langfristige Gesundheit hätte Bruno Labbadia in diesen für die Berliner unwichtigen letzten Saisonspielen wohl lieber auf ihn verzichtet.

Cunhas Tor wird nicht zu mehr Verantwortungsbewusstsein beitragen

"Wir wussten, dass er eigentlich noch nicht für 90 Minuten bereit ist", sagt Labbadia nach dem Spiel. Mittlerweile ist die Verletztenliste auf zwölf Spieler angewachsen. Man habe schon mehrfach Spieler eingesetzt, die nicht hundertprozentig fit waren. Wie Cunha gegen Leverkusen. Nur mit dem Unterschied, dass die Folgeschäden einer Gehirnerschütterung langfristig deutlich gefährlicher sind, als bei anderen Blessuren.

Die Sensibilität im Fußball muss sich dahingehend in Zukunft erhöhen. Der Umgang mit den Gefahren von Kopfverletzungen ist in der Bundesliga zu sorglos. Spätestens nach dem Zweikampf mit Bailey hätte Cunha zu seinem eigenen Schutz engültig vom Feld genommen werden müssen. Aber Labbadia weiß: "Cunha kann den Unterschied ausmachen." Dass er das zwölf Minuten später mit einem Traumtor zum 1:0 beweist, wird leider nicht zur Sensibilisierung beitragen. Zumal sein Führungstreffer entscheidend für den weiteren Verlauf des Spiels ist.

Die Anfangsphase gehört Leverkusen

Denn vorher spielen vor allem die Gäste. Leverkusens Kapitän Julian Baumgartlinger ist überzeugt: "Wenn wir in den ersten 15 Minuten in Führung gehen, läuft das Spiel anders." In dieser Phase überspielen die Gäste Herthas Pressing mit Leichtigkeit. Immer wieder stoßen die schnellen Diaby und Bailey in die entstehenden Lücken.

Bayer-Coach Peter Bosz: "Der Anfang war richtig gut." Man habe sich große Chancen herausgespielt, aber leider nicht getroffen. Anders die Hauptstädter, das Tor des Brasilianers in der 22. Minute ist Herthas erster Torabschluss. Danach ziehen sich die Herthaner zurück, Leverkusen gelingt es nicht mehr, den wieder einmal wackligen Torwart Rune Jarstein in die Bredouille zu bringen. "Nach dem Tor haben sie sehr gut, sehr kompakt, sehr aggressiv verteidigt", gibt Baumgartlinger zähneknirschend zu.

Eine Umstellung von Labbadia beraubt dem Gast seiner Stärken

Begünstigt von einer Umstellung ihres Trainers Labbadia. Der habe am Anfang gesehen, welche Qualität Leverkusen hat, wenn man ihnen zu viel Platz lässt. Deswegen sei es nicht gelungen den Gegner so unter Druck zu setzen, wie er sich das eigentlich vorstelle. Ab da verzichtet Hertha darauf Leverkusen aggressiv zu pressen, bildet zwei enge Ketten und zieht sich zurück. Quasi von Labbadia verordneter Dardai-Fußball.

Aber erfolgreich, denn: "Wir hatten dann immer wieder Ballgewinne und da war der Schlüssel." Tatsächlich wirkt Leverkusen über weite Strecken einfallslos. Aber nicht, weil die Rheinländer keine Lust gehabt hätten – immerhin spielt Bayer 04 noch um die Champions League-Teilnahme – sondern weil Herthas Resterampe die Ausnahmekönner um Nationalspieler Kai Havertz ihrer Stärken beraubt. "Wir haben es geschafft ihr gutes Positionsspiel und ihre Pässe durch die Lücken aus dem Spiel zu nehmen ", erklärt Labbadia. Defensivtaktisch sei das die beste Leistung seit seiner Ankunft gewesen. Diese Einschätzung könnte man gut und gerne auf die gesamte Saison ausweiten.

Niklas Stark erweist sich als Glücksgriff

Ironischerweise hilft dabei eine Personalentscheidung, die dem Trainerteam durch die angespannte Verletztenlage aufgezwungen wurde. Innenverteidiger Niklas Stark wird heute zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren im defensiven Mittelfeld aufgeboten und zeigt besonders gegen den Ball eine sehr ansprechende Leistung. Nach dem Spiel lobt er die Aufteilung in der Defensive.

Die Mannschaft habe im Verbund sehr gut gearbeitet. Im Herzen des Verbundes spielt am Samstag Stark, der seinen Mitspielern mit klugen Kommandos das Verschieben erleichtert. "Wir haben Leverkusen vor der Viererkette keine Zeit gegeben, sich zu drehen", sagt Stark. Deshalb hätten die Leverkusener immer wieder nach hinten spielen müssen. "Wir haben die immer wieder nach außen gedrängt." Möglicherweise könnte Stark jetzt häufiger im Mittelfeld spielen: "Ich habe ihn schon immer auf beiden Positionen gesehen", sagt zumindest sein Trainer.

Die Mannschaft beweist Charakter

Nicht unwahrscheinlich, dass Stark auch beim letzten Saisonspiel in Gladbach als Sechser spielt. Dann will Hertha an die tolle Teamleistung anknüpfen. Ein Team mit Charakter, den die Mannschaft seit seiner Ankunft in jedem Spiel gezeigt habe, so Labbadia. Ganz besonders am Samstag gegen Leverkusen: "Wir haben heute mit dem kleinen Kader nach der englischen Woche 123 Kilometer rausgehauen."

Diesen Spirit nimmt die Mannschaft mit ins Rheinland. Dort wolle die Mannschaft nochmal alles raushauen, sagt Stark. "Schauen wir mal, was unsere letzten Reserven noch hergeben." Danach gehe es in den wolverdienten Urlaub. Den kann ganz besonders Cunha gebrauchen. Seiner Gesundheit können ein paar Wochen ohne Fußball nur zuträglich sein.

Beitrag von Till Oppermann

8 Kommentare

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  1. 8.

    Dann sollte der Verband reagieren und bei solchen Fällen eine Schutzsperre verhängen! Schon zum Schutz wegen eventuellen Spätfolgen des Sportlers! Ich glaube zum Beispiel im Eishockey gibt es seit einiger Zeit sowas!

  2. 7.

    Hat Herr Oppermann auch Beweise für seine „Ferndiagnose“? Wenigstens jemand von Herthas medizinischem Team hätte Herr Oppermann vor dem Vorwurf „anhören“ müssen. Dem Verein die Verletzung der Sorgfaltspflicht vorzuwerfen ist ziemlich dreist.

  3. 5.

    Finde das tatsächlich sehr anmaßend seitens des Herrn Oppermann. Die Gehirnerschütterung ist jetzt über 3 Wochen her. Cunha hat bereits über zwei Wochen nicht am Spielbetrieb teilgenommen und wurde auch in der letzten Woche nur kurzzeitig eingewechselt. Das ist mehr Pause als man für gewöhnlich bei derartigen Verletzung in der Bundesliga veranschlagt (laut fußballverletzungen.com liegt der Durchschnitt bei 5,9 Tagen Ausfalldauer). Dem Verein hier ohne irgendwelche medizinischen Hintergrundkennnisse Fahrlässigkeit zu unterstellen finde ich frech.

  4. 4.

    Kleiner Tipp: Hertha hat nicht nur einen Arzt. Und alle haben das studiert. Im Gegensatz zu Herrn Oppermann und wahrscheinlich Ihnen. Und @rbb: wieder mal Hertha-Bashing? Wird langsam offensichtlich. Bei den Feierlichkeiten des FCU hab ich nicht so einen Aufschrei gelesen.

  5. 3.

    Macht natürlich Sinn solch Überschrift. Herr Oppermann impliziert hier Hertha unterschwellig Verantungslosiegkeit. Was soll solch Aussage!? Hat er mit dem Spieler gesprochen oder mit dem Ärzteteam? Vielleicht sollte er sich auf einen Kommentar über das Fußballspiel beschränken. Natürlich ist alles Pressefreiheit und seine persönliche Meinung und schon in Überschrift, na ja!

  6. 2.

    Wo bleibt hier die Fürsorgepflicht des Vereins? Die Gesundheit eines Spielers sollte immer an erster Stelle stehen!

  7. 1.

    Eine Frage Herr Oppermann. Welche medizinische Ausbildung haben Sie und weshalb gehen Sie offenbar davon aus, dass seitens des Mannschaftsarztes eine fehlerhafte Spielfreigabe erfolgt ist? Sagen Sie zwar nicht direkt, aber Ihr Vorwurf impliziert es.

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