Herthas Per Skjelbred lächelt auf dem Trainingsplatz (Quelle:imago/M. Popow)
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Skjelbred verlässt Hertha - "Hoch, runter, Bankspieler, Stammplatz - da war alles dabei"

Sieben Jahre in Blau-Weiß: Kaum ein Profi ist länger bei Hertha BSC als Per Ciljan Skjelbred - Kämpfer, Leitwolf, Strahlemann. Gebraucht wurde er immer im Mittelfeld. Doch jetzt ruft die Heimat. Von Dennis Wiese

Per Skjelbred ist in den letzten Wochen viel Auto gefahren, allein durch Berlin. Letzte Eindrücke aufsaugen von diesem besonderen Ort, den er nun verlassen wird: "Meine Kinder sind hier groß geworden. Und jetzt? In ein paar Tagen einfach Tschüss sagen? Das fühlt sich komisch an", sagt Skjelbred in einer Skype-Runde am Dienstagmittag. Die blonden Haare hat er zum Irokesen gegelt. Dazu trägt er Dreitagebart und Hertha-blaues Tanktop. Gleich geht es zum Lauftraining auf den Platz.

Skjelbred ist einer, dem ich in all den Jahren immer gerne zugehört habe. Weil er schon immer über den Profi-Tellerrand geschaut hat. Fußball sei das Unwichtigste für ihn. Und doch hat er sich immer verausgabt, in erfolgreichen Zeiten wie 2016, als Hertha lange auf Champions-League-Kurs war und in Krisen, wie zu Beginn dieser Saison. Gerade jetzt, unter Bruno Labbadia war Skjelbred für Hertha enorm wichtig.

"Du musst jedes Scheiß-Training genießen"

Sieben Jahre Hertha BSC. Sein erstes Spiel in Blau-Weiß machte Skjelbred als rechter Mittelfeldspieler. Trainer Jos Luhukay wechselte ihn in der Schlussphase aus, brachte den 20-jährigen Nico Schulz. Lang ist es her. Skjelbred war immer da. Mit Übersicht, Stellungsspiel, schnellem Umschalten.

Gerade in seiner letzten Herthasaison habe er alles mitgemacht: "Hoch, runter, Bankspieler, Stammplatz, da war alles dabei. Ich habe mir immer gesagt: Das ist dein letztes Jahr. Du musst jedes Scheiß-Training genießen."

Herthas Per Skjelbred gegen Stuttgarts Antonio Rüdiger (Quelle:imago/Sven Simon)
Erstes Spiel für Hertha: Skjelbred 2013 gegen Stuttgarts Antonio Rüdiger | Bild: imago/Sven Simon

Zehn Tage Quarantäne, dann geht es für Rosenborg Trondheim weiter

Die letzten beiden Spiele verpasste Skjelbred mit Wadenproblemen. Im Saisonfinale gegen Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr) könnte er aber möglicherweise auflaufen. Es wäre sein 197. Einsatz für Hertha. Am Sonntag dann ist Schluss in Berlin.

Skjelbred zieht zurück in seine Heimatstadt Trondheim. Seine Frau, seine Tochter und sein Sohn sind schon seit einem Jahr wieder in Norwegen. Dort erwartet den Mittelfeldkämpfer jetzt Familienalltag: "Meine Kinder sind sehr aktiv. Sie spielen Fußball, Handball, sie turnen. Da wird viel Programm sein. Und meine Frau hat neun Jahre lang alles für mich getan, da muss ich auch eine größere Rolle spielen."

Eine große Rolle wartet auf den 33-jährigen auch bei seinem Jugendverein Rosenborg Trondheim. Dort wo er als 16-Jähriger sein Profidebut gab, wird Skjelbred seine Karriere auch beenden. In Trondheim hat er einen Vertrag für die kommenden drei Jahre unterschrieben. Coronabedingt wurde die norwegische Fußball-Saison verschoben, begann nicht im April, sondern erst in der vergangenen Woche. Mit vielen Englischen Wochen soll die verlorene Zeit nachgeholt werden. Skjelbred muss erst einmal für zehn Tage in Quarantäne, soll danach aber sofort helfen.

Balletttänzer, TV-Star. Und bald Feuerwehrmann?

Vielseitig war Skjelbred schon immer: In seiner Kindheit tanzte er sieben Jahre lang Ballett, aber auch Hiphop, er spielte Handball und eben auch Fußball. Dass es zur großen Karriere reichte, hat der Mittelfeldspieler auch einer norwegischen Fernsehsendung zu verdanken. "Proffdrommen“ (Profiträume) hieß das Format, das jugendliche Kicker im Fernsehen vorspielen ließ. Der 14-jährige Per gewann ein Probetraining beim FC Liverpool. Er überzeugte. An der legendären Anfield Road hätte Skjelbred einen Nachwuchsvertrag unterschreiben können, entschied sich aber dagegen – zu früh. Bei Rosenborg Trondheim gelang ihm der Durchbruch wenige Jahre später.

Wenn er seine aktive Karriere bei Rosenborg beendet hat, wird Skjelbred die dortige Nachwuchsakademie leiten. Er wolle dem norwegischen Fußball helfen, tagsüber als Trainer auf dem Platz stehen. "Und dann am Wochenende als Feuerwehrmann arbeiten, das wäre perfekt.“ Von seinem Traum, auch abseits des Platzes den Kämpfer und Retter zu geben, hat Skjelbred schon öfter erzählt.

Irgendwann, wenn Corona es zulässt, wolle Skjelbred auch nach Berlin zurückkommen, um sich von den Fans zu verabschieden, sagt er. Den ersten Abschied gibt es am kommenden Wochenende. Vielleicht sogar mit einem letzten Einsatz im Hertha-Trikot.

Sendung: rbbUM6, 23.06.2020, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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3 Kommentare

  1. 3.

    Schade, ein sympathischer Kämpfer.

  2. 2.

    Alles gute Per !

  3. 1.

    Du wirst uns fehlen,bleib gesund u.hoffentlich können wir Dir in der Österreichischen noch Tschüß sagen,Du hast es verdient. Hast Dein letztes auf dem Platz gegeben. Blau weiße Grüße sendet Dir mit einen weinenden Auge,Dein Fan Jacqueline

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