Sportdirektor Arne Friedrich und Geschäftsführer Michael Preetz sitzen auf der Hertha-Bank (Quelle: imago images/Contrast)
Audio: Inforadio | 29.06.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Contrast

Neuer Hertha-Sportdirektor - Friedrich sieht "keine Entmachtung" von Preetz

Arne Friedrich ist bei Hertha BSC vom Performance Manager zum Sportdirektor aufgestiegen. Im Gespräch erzählt er von den Aufgaben seiner neuen Position und der Rollenverteilung mit Micheal Preetz - und schwärmt von Trainer Labbadia.

Acht Jahre lang trug Arne Friedrich das Trikot von Hertha BSC. In Berlin reifte der Abwehrspieler zum Nationalspieler. Ende November 2019 holte ihn Jürgen Klinsmann zu den Berlinern zurück - und installierte ihn als Performance Manager. Der Trainer ging - Friedrich blieb und wurde nun zum Sportdirektor befördert. In einer Medienrunde am Montag sprach Arne Friedrich über...

...den Unterschied seiner Arbeit als Performance Manager im Vergleich zum Sportdirektor:

Es wurde natürlich oft über den Begriff Performance Manager diskutiert. Im Grunde genommen ging es darum, unter Jürgen Klinsmann zu schauen, wo allgemein Potenziale sind, die man ausschöpfen kann. Ich habe zwischendurch auch mal auf dem Platz mitgearbeitet, mit den Innenverteidigern trainiert. Das sind natürlich Aufgaben, die ich jetzt nicht mehr mache. Als Sportdirektor bin ich in erster Linie eine Schnittstelle zwischen der Geschäftsführung, dem Trainerteam und auch der Mannschaft. In Absprache mit dem Geschäftsführer bin ich natürlich auch mit verantwortlich für die sportliche Planung, die Kaderplanung und natürlich auch das Personalmanagement. Es ist schon eine tolle Aufgabe. Ich freue mich total darauf und habe auch richtig Lust. Vor allem in der Zusammenarbeit mit dem neuen Trainerteam. Ich glaube, es hat sich in den letzten Wochen und Monaten schon abgezeichnet, dass es gut harmoniert. Ich freue mich schon auf die neue Saison.

...die Zusammenarbeit mit Jürgen Klinsmann im Vergleich zu Bruno Labbadia:

Das sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Trainertypen. Jürgen Klinsmann hat zwei Co-Trainer mitgebracht, die - so wie bei der WM 2006 - am Ende die Arbeit auf dem Platz verrichtet haben. Jürgen Klinsmann war derjenige, der das große Ganze im Blick hatte und versucht hat, den Horizont zu erweitern.

Bruno Labbadia kannte ich schon aus meiner Zeit als Bielefeld-Profi. Ich mochte ihn menschlich total gern und wir sind gut miteinander ausgekommen. Es war damals schon beachtlich zu sehen, wie erfolgsbesessen er ist. Er ist wirklich ein Arbeitstier. Er fängt morgens sehr früh an und geht abends spät nach Hause. Er ist total strukturiert und hat einen klaren Plan. Er ist die treibende Kraft und hat ein tolles Co-Trainerteam. Sie haben schon in den letzten Monaten gezeigt, dass eine klare Handschrift zu sehen ist - auf dem Feld, aber auch in der Kabine. Ich bin total begeistert von dem Trainerteam. Ich habe natürlich auch schon eine Menge gelernt.

...über die Rollen- und Aufgabenverteilung mit Geschäftsführer Michael Preetz:

Die Rollenverteilung ist ganz klar. Es gibt eine erste Ebene mit Michael Preetz, der ist mein Vorgesetzter, das ist absolut klar. Michael Preetz hat für sich festgestellt, dass weitere sportliche Kompetenz hier im Verein gut wäre. Ich finde, das ist ein toller Schritt, dass er diese Stelle besetzt hat. Ich bin in der Kabine und habe kein Büro in der Geschäftsstelle. Ich bin sehr nah dran an der Mannschaft und das ist etwas, was Michael Preetz aufgrund dieser großen Anforderungen überhaupt nicht leisten kann. Deswegen ist es überhaupt keine Entmachtung. Die Zusammenarbeit mit Michael war wirklich richtig gut. Wir hatten auch immer mal unterschiedliche Meinungen, aber davon lebt es ja auch. Es geht nicht darum, dass ich immer Ja sage, sondern dass wir eine gute Kultur aufbauen, in der man auch unterschiedlicher Meinung sein kann.

...seine Rolle bei Transferentscheidungen:

Das ist natürlich auch ein Themenfeld, in das ich in Absprache mit dem Geschäftsführer, den Scouts und den Trainern involviert bin. Wir sondieren auch schon seit einiger Zeit. Natürlich ist es eine sehr spezielle Phase, in der wir uns befinden. Niemand weiß, wie die Preise sein werden und wer überhaupt Spieler abgeben will. Die Transferperiode wird länger dauern. Das heißt, wir werden mit Sicherheit auch den Fall erleben, dass wir den einen oder anderen erst zu späterer Zeit zu uns holen können. Es gibt viele Herausforderungen, die wir bewältigen müssen.

...die Veränderungen im Kader:

Es wird nicht so sein, dass wir acht oder neun Spieler zu uns holen. Uns werden einige, eher erfahrene, Spieler verlassen. Wir haben insgesamt einen sehr jungen Kader. Uns geht es eigentlich darum, dass die Leute, die wir dazuholen, uns qualitativ weiterbringen. Bruno Labbadia sagt auch immer wieder: "Jeder Kauf ist eine Investition für die nächsten Jahre." Da wollen wir natürlich keine Fehler machen.

Arne Friedrich gibt AnweisungenArne Friedrich trug acht Jahre lang das Trikot von Hertha BSC, sechs Jahre war er Kapitän der Mannschaft.

...über die Rückkehr zu seinem langjährigen Arbeitgeber:

Ich bin sehr lange in Amerika gewesen, aber der Kontakt zu Hertha ist nie abgebrochen. Jürgen Klinsmann hat mich dann irgendwann kontaktiert und gefragt, ob ich in seinem Trainerteam mitwirken will. Ich habe das in erster Linie für den Verein gemacht. Auch beim Kontakt, den ich mit Werner Gegenbauer, Michael Preetz und Paul Keuter gehalten habe, kamen immer Signale, dass irgendwann vielleicht die Zeit reif ist, dass ich zu Hertha zurückkehre. Ich bin in die Aufgabe dann ein Stück weit reingerutscht. Das war zu der Zeit nicht unbedingt mein Ziel.

In erster Linie möchte ich natürlich die Erfahrung, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, hier in den Verein zurückbringen. Hertha hat natürlich einen großen Stellenwert in meinem Leben. Hertha hat mich zum Nationalspieler gemacht. Ich habe hier tolle, lange Jahre gehabt. Am Ende schließt sich schon ein bisschen der Kreis. Es hat mich natürlich auch gefreut zu sehen, wie sich der Verein bemüht hat.

...die kommende Saison:

Wir kommen aus einer unglaublich schweren Situation. Im nächsten Jahr wollen wir in ruhigere Fahrwasser und uns qualitativ verbessern. Wir wollen natürlich wieder nach oben zurück. Das ist klar. Wofür es reicht, werden wir sehen. Eines kann ich versprechen: Wir werden sehr hart arbeiten, um qualitativ hochwertigen Fußball zu sehen. Ich bin mir sicher, dass wir eine wesentlich bessere Saison spielen werden und vor allem für die Zuschauer attraktiver spielen werden. Bruno Labbadia steht dafür, zu agieren und nicht zu reagieren.

Sendung: rbb UM6, 29.06.2020, 18 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    ...und mit ihm ständige Mittelklasse. Doch selbst da kriegt man noch 'ne Krise - weil es oft bis in den Keller reicht... Und das bei einem Spielerbudget von - ich trau es mir nicht, das zu äußern. Es ist einfach zu gruselig.

  2. 5.

    Preetz ist und bleibt der Beste.
    Ohne ihn wäre nur 2. Liga.

  3. 3.

    Blödsinn.
    Jeder macht seinen Weg, auch im Fußball. Den Weg den er für sich entschieden hatte, war in Ordnung, so wie es auch andere bei anderen Clubs machen und bereits taten. Ihn als Verräter abzustempeln lässt den sportlichen Geist vermissen, den ich bei vielen sogenannten Fans, egal welcher Clubs, kaum finden kann.
    Arne Friedrich in seiner jetzigen Position ist eine sehr gute Entscheidung, wie ICH finde. Mit Herrn Labadia sind die beiden ein empathisches Team, das Hr. Preetz entlasten und den Kontakt zur Mannschaft wieder herstellen werden kann.
    Ich wünsche ihm viel Erfolg und allzeit ein gutes Händchen für seine Arbeit und auch Erfolg für die kommende Saison für den Club.
    Sportliche Grüße eines Eintracht-Fans aus Berlin - der die Hertha nie ganz abgeschrieben hat(te).

  4. 2.

    Arne war damals absoluter Topverdiener. Hertha hätte sich sein Gehalt damals in der Zweiten Liga nicht leisten können.
    Klar könnte man behaupten, dass er dann auf sein Gehalt verzichten solle. Aber realistisch und glaubwürdig war das nicht. Als Profi hat, man halt nur einen begrenzten Zeitraum, in der man sehr gutes Geld verdienen kann.

  5. 1.

    Arne Friedrich hatte 2010 als Kapitän nichts Besseres zu tun, als Minuten nach dem Schlusspfiff und Abstieg live am Mikro mitzuteilen, dass er den Verein verlassen wird. Seine Mannschaftskollegen standen zum gleichen Zeitpunkt konsterniert und fassungslos (ein Lukasz Piszczek weinte damals) auf dem Rasen. Mag sein, dass man in der Vorstandsetage ein schlechtes Gedächtnis hat, wie auch einige Fans. Aber es gibt einige, die diesen Verrat nie vergessen haben. Friedrich ist und bleibt ein Verräter, der nur da war, wenn es lief oder gute Zukunftschancen da waren.

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