Christopher Trimmel vor dem Spiel bei der TSG Hoffenheim. Quelle: dpa/Markus Gilliar
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Interview | Union-Kapitän Christopher Trimmel - "Für mich ist es der größte Erfolg meiner Karriere"

Union Berlin und Christopher Trimmel haben mit dem Klassenerhalt das große Saisonziel erreicht. Die Party im Anschluss hat dem Kapitän viel Ärger beschert. Mittlerweile bereut er die Feier mit den Fans. Trotzdem ist diese Saison für ihn ein Meilenstein in seiner Karriere.

rbb|24: Herr Trimmel, mittlerweile ist seit dem Spiel gegen Paderborn und dem dadurch erreichten Klassenerhalt ein bisschen Zeit vergangen, Sie konnten das Erlebte sacken lassen. Wie groß war die Last, die von der Mannschaft abgefallen ist?

Christopher Trimmel: Natürlich sehr groß. Wir waren in den Wochen vor dem Spiel gegen Köln schon ein bisschen unter Druck. Wir wussten zwar, dass wir auch weiterhin alles in der eigenen Hand hatten, haben aber einfach nicht die richtigen Resultate geholt. Gleichzeitig hat die Konkurrenz ständig gepunktet und gewonnen - es wurde alles immer enger. Das Spiel beim 1. FC Köln war deswegen ganz, ganz wichtig. Da waren wir dann schon sehr froh, dass wir gewonnen haben. Dadurch konnten wir mit einem positiven Gefühl nach Hause fahren. Nach dem Sieg gegen Paderborn ist dann schon einiges abgefallen. Wir haben innerhalb der Mannschaft gespürt, was wir erreicht haben. Mit dem Klassenerhalt in dieser Form hat vor der Saison niemand gerechnet. Das ist schon unglaublich und ein sehr gutes Gefühl.

Sie haben in Ihrer Karriere schon einiges erlebt. Wie würden Sie den Klassenerhalt mit Union in dieser Saison einordnen?

Für mich ist es der größte Erfolg in meiner Karriere. Das muss ich so einfach betonen. Man muss einfach bedenken, wie anstrengend diese Saison war. Es war sehr hart, wir mussten wirklich in jedem Spiel und in jeder Sekunde an unsere Leistungsgrenze gehen. Wir haben ungelogen immer alles rausgehauen (schmunzelt). Natürlich gab es auch Spiele, in denen wir mal eine Klatsche bekommen haben - dass das so kommen würde, wussten wir aber bereits vor der Saison. Die Qualität in der Bundesliga ist eben eine andere als in der zweiten Liga. Von daher ist es für mich schon der bislang größte Erfolg. Vor der Saison arbeitet man sowohl für sich persönlich als auch für die Mannschaft ein Ziel heraus. Das war natürlich der Klassenerhalt. Dass uns das aber auf diese Art und Weise gelingt, damit war wirklich nicht zu rechnen.

Die Feier nach dem Klassenerhalt hat Ihnen viel Ärger eingebracht. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat Sie mit einer Geldstrafe sanktioniert, jetzt befasst sich auch das Ordnungsamt Treptow-Köpenick mit der Geschichte. Was haben Sie noch zu befürchten und wie schätzen Sie die ganze Thematik ein?

Ich glaube, wir haben das Thema jetzt schon ausgearbeitet und es wurde genügend darüber geschrieben. Der Verein und ich wurden bestraft. Das Wichtigste war im Anschluss die Gesundheitsfrage. Ich wurde mehrfach getestet und war zum Glück immer negativ. Deswegen war ich dann auch spielberechtigt für die Partie bei der TSG Hoffenheim. Wir haben sehr gut mit der DFL kommuniziert. Hinzu kommt, dass ich eine saftige Geldstrafe bekommen habe. Damit ist die Sache für mich erledigt.

Bereuen Sie die Feier mittlerweile?

Da kam viel zusammen, auch die Emotionen haben eine große Rolle gespielt. Es war eine Fehlerkette und ich war nicht der alleinige Schuldige - auch das wurde kommuniziert. Aber natürlich bereut man so etwas. Zum Glück hat es ein glimpfliches Ende genommen. Aus solchen Situationen muss man lernen. Rückblickend hätte ich es natürlich nicht so gemacht, hätte abgewartet bis der Ordnungsdienst da und der Abstand zu den Fans sichergestellt ist.

Für Sie ist die Saison zumindest tabellarisch gelaufen. Trotzdem könen Sie noch großen Einfluss auf den Abstiegskampf nehmen. Haben sich schon Spieler aus Bremen bei Ihnen gemeldet?

(Schmunzelt) Nein, weder Spieler aus Bremen noch aus Düsseldorf. Das macht man auch nicht. Wir sind alle Profis genug und jeder weiß, dass man unseren Verein nicht beeinflussen kann oder zusätzlich motivieren muss. Jeder, der uns kennt, weiß, dass wir immer alles geben. Das war auch in Hoffenheim so, da hatten wir aber leider einen schlechten Tag. Wir wollen jetzt definitiv gewinnen und werden unsere bestmögliche Leistung zeigen. Das beweisen wir aber nicht einer anderen Mannschaft, sondern uns selbst.

Trotzdem hatte man den Eindruck, dass in Sinsheim bereits ein bisschen die Spannung gefehlt hat. Was spricht dafür, dass man am Wochenende Union noch einmal mit all dem erlebt, was die Mannschaft in dieser Saison ausgezeichnet hat?

Man muss schon sagen, dass wir letzte Woche, unabhängig vom Klassenerhalt, eine englische Woche hatten. Es war schon sehr anstrengend. Hinzu kommt, dass wir mit Hoffenheim noch gegen eine der Topmannschaften in der Liga gespielt haben. Die sind einfach sehr gut. Außerdem war bei uns auch nicht alles schlecht. Gerade in der ersten Hälfte hatten wir zwei gute Chancen. Der Unterschied war, dass Hoffenheim seine Möglichkeiten effektiv genutzt hat. Deshalb lagen wir auf einmal bereits zur Halbzeit mit 0:3 hinten. Diese Woche war ruhiger, wir konnten uns wieder besser auf die Begegnung vorbereiten und spielen zuhause. Vor dem Spiel gegen Düsseldorf sind also schon mehr Dinge dabei, die für uns sprechen.

Im Anschluss steht nach einer langen Saison die Sommerpause an. Auch die Urlaubsplanung ist in diesem Jahr nicht einfach. Was haben Sie geplant?

Für mich geht es wahrscheinlich mit dem Auto zur Familie nach Österreich. In Europa werden die Maßnahmen ja doch immer mehr gelockert. Da ist mittlerweile schon einiges möglich. Trotzdem werde ich das alles spontan angehen und nicht groß etwas planen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jonas Bürgener, rbb Sport.

Sendung: rbbUM6, 23.06.2020, 18:00 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Soso, die Feier ist also glimpflich ausgegangen. Woher weiß er das? Ob alle virenfrei blieben kann man erst in 14 Tagen wissen, außer bei den Spielern, Die werden ja getestet. Aber egal, war ja nur Spaß und Freude. Da hält sich Corona zurück

  2. 1.

    Was an solchen Antworten extrem auf den Keks geht: aus jeder Silbe eines sonst selbstbewussten Spielers stinkt die exakte Vorgabe des pressesprechers rsp. Der Vereinsführung. Ekelhaft.

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