Union-Trainer Urs Fischer. / imago images/Poolfoto
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Union gegen Paderborn - Rechenmeister Fischer und die Sensation

Das große Ziel des 1. FC Union war vom ersten Bundesliga-Spieltag an der Klassenerhalt. Mit einem Sieg gegen den SC Paderborn könnten die Eisernen rechnerisch nicht mehr absteigen - und gleichzeitig die Ostwestfalen in die zweite Liga befördern. Von Stephanie Baczyk

Der Fußball und die Emotionen sind echte Buddies. Der eine kann nicht ohne die anderen. Manchmal passiert etwas Wildes auf dem Platz - ein Tackling, ein Tor - so schön, dass die Menschen drum herum durchdrehen, geflutet von Glücksgefühlen. Urs Fischer kann auch emotional sein, schweizerisch-entspannt-emotional. Zumindest in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel, wenn es um den fast erreichten Klassenerhalt seines 1. FC Union geht.

"Ich glaube schon auch, dass uns nicht viele zugetraut haben, das zu schaffen", sagt der Trainer der Eisernen mit Blick auf das bislang Erreichte, nicht ohne Stolz in der Stimme. "Ein sehr ambitioniertes Ziel, das wir uns vor Beginn dieser Meisterschaft gesetzt haben - wenn wir es dann schaffen, käme das für mich schon einer Sensation in etwa gleich." Nur braucht es für diese Sensation noch einen Sieg, am liebsten gleich am Dienstagabend gegen den SC Paderborn.

Paderborner Feuerwerk im Gepäck

Das Team von Ex-Union-Profi Steffen Baumgart hat nur noch minimale Chancen, Relegationsrang 16 zu erreichen, ist Tabellenletzter. "Es gibt eine rechnerische Situation, die sagt, dass wir acht Punkte Rückstand haben", fasst der an der Seitenlinie immer leidenschaftlich mitleidende und laute Coach der Ostwestfalen die Lage nüchtern zusammen. "Das würde bedeuten, wir müssen drei Spiele gewinnen und alle über uns müssen alle Spiele verlieren. Ich glaube, das ist fast unmöglich."

Was nicht heißt, dass Paderborn eine Kaffeefahrt nach Köpenick plant. Baumgart hat ein "Feuerwerk" angekündigt für die restlichen drei Partien der 57. Bundesligasaison. Seine Truppe hat begeistert, verzückt. Sie war zwar defensiv einmal zu viel zu anfällig, aber immer frech und fresh nach vorne unterwegs - offensiver Spektakel-Spielstil halt. "Ich wünsche mir einfach, dass die Jungs befreit aufspielen, dass sie das zeigen, was sie über weite Strecken gemacht haben", so der Trainer des SCP. "Und da erwarte ich dann auch einiges von der Mannschaft."

Steffen Baumgart und der 1. FC Union

Der 48-Jährige und der 1. FC Union haben eine besondere Verbindung. Baumgart hat von 2002 bis 2004 für die Köpenicker gekickt und ist seitdem mit dem Herzen dabei. Seine Familie lebt in Berlin, Ehefrau Katja hat lange Zeit im Verein gearbeitet, er selbst kommt bei den Heimspielen An der Alten Försterei vorbei, wenn es die Zeit zulässt. Ausgerechnet hier könnte am Dienstagabend der Abstieg seines Teams aus der Fußball-Bundesliga besiegelt werden.

"Steffen wird alles daran setzen, uns das Leben schwer zu machen", weiß Urs Fischer. Er und Baumgart kennen und verstehen sich, deshalb hat der Schweizer eine leise Vorahnung, was die Eisernen erwartet. "Ein Offensiv-Feuerwerk - das ist die Spielweise von Paderborn. Mit einem Speed, gerade in Umschaltmomenten, mit wirklich sehr schnellen Spielern, die sich in Eins-gegen-Eins-Situationen trauen."

Erst mal in Ruhe rechnen

Union hält, wie so oft in dieser Saison, erst mal mit Ruhe dagegen, hat sich im brandenburgischen Bad Saarow auf die Partie vorbereitet - ein schon vor dem Köln-Spiel geplanter Kurztrip zum Einschwören und Eingrooven auf die letzten Meter. Denn noch ist ja nichts entschieden, auch nicht für Rechenmeister Urs Fischer. "Was soll ich sagen: Wahrscheinlich ist noch gar nichts, rechnerisch ist noch nichts entschieden", so der 54-Jährige trocken. "Wichtig ist: Wir können das Ganze mit einem Sieg entscheiden, das haben wir im Kopf. Dann wären auch diese Diskussionen à la 'wenn, wäre, hätte' ausgeräumt."

Dem verdienten 2:1-Erfolg beim 1. FC Köln, dem ersten Sieg der Eisernen seit dem Re-Start der Bundesliga, soll der nächste folgen. Personell muss Unions Coach auf Linksverteidiger Christopher Lenz verzichten und im defensiven Mittelfeld könnte Robert Andrich nach seiner Sperre wieder in die Startelf zurückkehren - darüber hinaus dürfte sich Fischer genau überlegen, ob er nach einer starken Teamleistung der Akteure gegen den Effzeh allzu viel verändert.

Paderborn gleich Sensation?

"Die Mannschaft hat das sehr gut umgesetzt", lobt der Schweizer. "Und jetzt gilt es wirklich noch, diesen letzten Schritt zu machen. Mit drei Punkten mehr auf dem Konto ist es dann auch rechnerisch nicht mehr möglich uns einzuholen." Und wer weiß, vielleicht kommen sie dann auch bei Urs Fischer hoch, die Emotionen. Ein Tor, ein Tackling oder eben eine Sensation kann ja bekanntlich einiges auslösen.

Sendung: rbb Inforadio, 16.06.2020, 8.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ähem, wenn der FCU in seiner ersten Saison in der Bundesliga den Klassenerhalt, trotz des zweitgeringsten Etats mit großem Abstand zum Nächstfolgenden schafft, darf man nicht z. B. von einer "kleinen Sensation" sprechen, GG?

    Und gehe auch nicht "jeden an", der etwas Negatives über Union Berlin schreibt. Es sollte aber wenn dann schon einen gewissen Gehalt haben, was ich leider allzu oft bei hiesigen Kritikern vermisse.

  2. 13.

    Noch 1Pkt.dann ist es erreicht.Danke das ihr mit euren Tugenden vielen ein Bein gestellt habt.
    Auf geht's .Schade PB.Aber Tore entscheiden.
    Manche haben viele Millionen und etliche Trainer gebraucht um das zu erreichen.

  3. 12.

    Dann kann es aber nicht als Sensation verkauft werden oder als Meisterstück. Na ja, Sie sind eh fantastisch und gehen jeden an, der nur etwas kritisches zum Fanclub Union sagt, Gerd.

  4. 11.

    Schade für PB, dass mutiger und attraktiver Offensivfußball nicht belohnt wird. Stattdessen retten sich andere rumpelnt und foulend zum Klassenerhalt.

  5. 8.

    Wie kommen Sie denn darauf, dass der Klassenerhalt als Minimalziel ausgegeben wurde, Meister? Was wäre dann das Hauptziel - ein einstelliger Tabellenplatz oder gar "Europa"? Nein, es handelt sich um das Hauptziel des FCU die Klasse zu halten.

  6. 6.

    So etwas dachte ich auch. Klassenerhalt war doch wohl das Minimalziel. Das Symbolbild finde ich Klasse, als ob Fischer zwei Bier bestellt ;-)))))

  7. 5.

    Auf geht’s ihr Eisernen! Nur noch einmal gewinnen, das wird gut !!!!

  8. 3.

    So sehr es mir für Baume und seine mutig aufspielenden Mannen auch leidtut - und diese uns morgen wohl einen harten Fight liefern werden -, aber die drei Punkte für den sicheren Klassenerhalt müssen gegen den SCP her. In Hoffenheim wird man kaum etwas holen können und die noch bangenden D'dorfer werden am letzten Spieltag alles reinwerfen, da sollte der FCU schon gesichert sein. Auf gehts Unioner!

  9. 2.

    Ich drücke Union UND Hertha die Daumen.

  10. 1.

    Aua Herr Fischer,
    Klassenerhalt als Wunder.
    Eigentlich sollte es Vorraussetzung sein.
    Viel Vertrauen zu Ihrer Mannschaft

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