(Archiv) Spieler des FV Luckenwalde jubeln über ein Tor gegen Energie Cottbus. Quelle: imago images/Jan Huebner
Bild: imago images/Jan Huebner

Interview | Luckenwalde-Vorstand Thomas Mill - "Für uns ist das die Champions League der Amateure"

Der FSV Luckenwalde steht nach dem Abbruch der Oberliga-Saison als Aufsteiger in die Regionalliga Nordost fest. Dort spielte der Klub bereits von 2015 bis 2018. Vorstandsmitglied Thomas Mill erzählt, warum man jetzt besser aufgestellt ist als damals.

rbb|24: Herr Mill, erst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Regionalliga.

Thomas Mill: Danke, mittlerweile ist es ja offiziell. Wir sind sehr glücklich, dass wir wieder zurück in unserer alten neuen Liga sind. Und wir hoffen, dass wir dieses Mal anders abschneiden, als bei unserem ersten Versuch von 2015 bis 2018.

Wie haben Sie denn von Ihrem Aufstieg erfahren?

Es gab ja etliche Videokonferenzen mit dem Nordostdeutschen Fußball-Verband, in die auch alle anderen Vereine der Oberliga Süd involviert waren. Wir hatten eigentlich schon nach dem Ende der Bewerbungsfrist für die Regionalliga die Information, dass sich nur der FC Internationale Leipzig und wir für die Regionalliga beworben haben. Rein rechnerisch hätte natürlich auch Carl Zeiss Jena II aufsteigen können. Denen haben aber die Statuten einen Strich durch die Rechnung gemacht - sie durften nicht aufsteigen. Und wir hatten zum Zeitpunkt des Abbruchs zwölf Punkte Vorsprung auf Inter Leipzig und waren damit der heißestete Kandidat, in die Regionalliga aufzusteigen. Deshalb sind wir ganz entspannt in die Corona-Pause gegangen. Mit den Videokonferenzen zwischen Verein und Verband wurde unser Ziel, der Regionalliga-Aufstieg, dann immer konkreter. Hinter vorgehaltener Hand wurde uns schon vor Wochen gratuliert. Wir haben uns dann in unseren WhatsApp-Gruppen gefreut, aber feiern konnten wir natürlich nicht so richtig. Das wird aber nachgeholt. Anfang Juli geht es mit einem Großteil der Mannschaft nach Griechenland.

Der Aufstieg ist mit viel Aufwand verbunden. Es müssen diverse Bedingungen eingehalten werden, um die Lizenz für die Regionalliga zu bekommen. Was kommt in den nächsten Wochen auf den Verein zu?

Tatsächlich ist es so, dass wir bereits 2015 alle Auflagen erfüllt haben. Seitdem hat sich nichts an dem Lizenzierungsverfahren geändert. Wir haben eine Flutlichtanlage, die tauglich für Fernsehübertragungen ist und einen seperaten Gästeblock. Wir haben also alle Voraussetzungen bereits im Vorfeld erfüllt. Unser Weg ist nicht, uns erst sportlich und dann infrastrukturell zu qualifizieren, sondern genau umgekehrt.

Was nehmen Sie sich für die kommende Saison in der Regionalliga vor?

Als Aufsteiger ist natürlich der Klassenerhalt das oberste Ziel. Wir liebäugeln aber schon auch mit einem einstelligen Tabellenplatz. In der sportlichen Führung haben wir das Gefühl, dass wir mittlerweile besser aufgestellt sind als in den vergangenen Jahren in der Regionalliga.

All das passiert in der Corona-Krise. Wie steht es um Ihren Verein? Wurde die Situation für den Klub zu irgendeinem Zeitpunkt wirtschaftlich gefährlich?

Wir sind dafür bekannt, ein solide wirtschaftender Verein zu sein. Wir verpflichten keine Spieler und bezahlen dabei Summen, die über unseren Verhältnissen liegen. Wir sind immer auf dem Boden geblieben - das ist nicht unbedingt die übliche Praxis in der Regionalliga. Wir haben die Krise deshalb aber relativ gut überstanden. Dabei haben uns Aktionen wie das virtuelle Benefizspiel gegen Union Berlin natürlich geholfen. Da ist ein nicht unerheblicher Betrag an Spenden zusammengekommen. Außerdem haben wir davon profitiert, dass wir unsere Sponsoren sehr breit aufgestellt haben. Natürlich sind uns trotzdem ein paar Geldgeber weggebrochen. Wir standen aber nie vor der Frage, unsere Meldung für die Regionalliga wieder zurückzuziehen.

Wie sieht in dieser undurchsichtigen Phase der Zeitplan für die nächsten Wochen aus?

Die Planung ist wegen der derzeitigen Lage schon sehr ungewiss. Wenn ich in die Glaskugel schauen würde, wäre ich schlauer. Im Zuständigkeitsbereich des Nordostdeutschen Fußball-Verbands gibt es ab Juli wahrscheinlich fünf Bundesländer, in denen Training mit Körperkontakt erlaubt ist. In Brandenburg gilt mit der neuen Verordnung allerdings weiter ein Verbot von Trainingseinheiten mit Kontakt bis zum 16. August. Das stellt uns natürlich vor schier unlösbare Aufgaben. Wir können keine anständige Vorbereitung durchführen. Auch die Verbände können schlecht planen. Die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung steht natürlich im Raum, wenn Vereine aus anderen Bundesländern regulär trainieren können. Wir hoffen, dass das vor der politischen Sommerpause in Brandenburg eventuell noch angepasst wird.

Blicken wir zum Abschluss ein bisschen weiter in die Zukunft. Wo sehen Sie den FSV Luckenwalde in den nächsten Jahren?

Zuallererst wollen wir uns als Team und Verein in der Regionalliga etablieren. Dass wird dort nicht um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielen können, ist uns vollkommen klar. Diese Liga ist für uns die Champions League der Amateure. Es ist das Höchste, was wir als Verein erreichen können. Diesen Status Quo möchten wir in den nächsten Jahren halten. Dazu möchten wir im Brandenburger Landespokal auch in Zukunft immer so weit wie möglich kommen. Der größte Wurf wäre, diesen Pokal auch mal nach Luckenwalde zu holen und in der ersten Runde des DFB-Pokals antreten zu dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Uri Zahavi, rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte Fassung.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren