Rolf Kutzmutz 2015 bei einem Spiel von Turbine Potsdam. (Quelle: imago images/foto2press)
Video: rbb UM6 | 11.06.2020 | Dennis Wiese | Bild: imago images/foto2press

Interview | Turbine-Präsident Rolf Kutzmutz - "Guardiola und Klopp haben wir schon ausgeschlossen"

Turbine Potsdam wird den Vertrag von Cheftrainer Matthias Rudolph nicht verlängern. Präsident Rolf Kutzmutz spricht im Interview über die Hintergründe, die Anforderungen an die Nachfolger - und warum Guardiola und Klopp kein Thema sind.

rbb|24: Herr Kutzmutz, die Trennung von Trainer Matthias Rudolph zum Ende der Saison kam durchaus überraschend. Warum gehen Sie diesen Schritt?

Rolf Kutzmutz: Im Frühjahr haben wir im Vorstand darüber geredet, was wir besser machen können. Eine wichtige Lösung war für uns: Wir wollen mit einem hauptamtlichen Trainer in die nächste Saison gehen. Davon ausgehend war unser erster Ansprechpartner der amtierende Trainer. Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Also habe zuerst ich im Auftrag des Vorstandes mit ihm gesprochen. Doch Matthias Rudolph hat mich nahezu überzeugt, dass er in der Schule (Rudolph ist Lehrer, Anm. d. Red.) unverzichtbar sei. Wir haben trotzdem immer wieder mit Matthias Rudolph gesprochen und versucht, ihn für uns zu gewinnen und doch eine Lösung mit der Schule zu finden. Im letzten Gespräch hat er uns dann mitgeteilt, dass er für eine Position als hauptamtlicher Trainer erst ab 1. Juli 2021 zur Verfügung stehen würde. Das wäre aus unserer Sicht ein verlorenes Jahr - unabhängig von den Ergebnissen. Wir hätten durch Hilfspositionen die Zeit überbrücken müssen. Deshalb haben wir dann beschlossen, dass wir den Vertrag nicht verlängern.

Das heißt, dass die negativen Ergebnisse nach dem Re-Start keine Rolle spielten?

Nein, das ist auch der Unterschied zu vielen anderen Vereinen. Wir haben immer gesagt, dass es auch mal negative Entwicklungen geben kann. Das war für uns nicht der Ausgangspunkt. Wir wollen das wieder aufnehmen, was uns efolgreich gemacht hat. Die Zusammenhänge zwischen Nachwuchs- und erster Mannschaft. Viele Fans verstehen das oft nicht: Der Cheftrainer von Turbine ist nicht nur der Trainer der ersten Mannschaft. Er muss auch die Verbindung zu den Nachwuchstrainern herstellen. Er muss immer den Überblick haben. Und da entsteht der Konflikt: Matthias Rudolph will auch als Lehrer an der Schule seine Arbeit weiter machen.

Umbrüche sind bei Turbine nicht ungewöhnlich. Aber jetzt gehen mit Trainer Rudolph und Kapitänin Zadrazil zwei wichtige Stützen. Wo steht Turbine im Moment?

Als wir vor Jahren mal im Meisterkampf waren, wurde getitelt: "Quo Vadis, Turbine?" Die Frage steht jetzt auch. Wir werden im Wettbewerb mit den Lizenzvereinen nie ähnliche Budgets erreichen. Also müssen wir prüfen, was uns im Vergleich zu den Lizenzvereinen auszeichnet. Und das ist unser Verbundsystem mit der Eliteschule des Sports in Potsdam, mit dem Landesfußballverband und mit der Stadt. Dieses Verbundsystem ist ein großes Plus für uns. Damit müssen wir werben. Trotz Meisterschaften haben wir immer Spielerinnen verloren. Es gibt kaum eine Mannschaft, die geschlossen in eine neue Saison geht. Was uns weh tut ist, dass es oft Leistungsträgerinnen sind. Wir stehen vor einem Umbruch. Und wir hoffen, dass wir diesen mit einer hauptamtlichen Trainerin oder einem hauptamtlichen Trainer schaffen. Es gibt keine Gewähr dafür. Mir wird oft die Frage gestellt: "Bist du dir sicher?" Die Antwortet lautet immer: "Nein, das ist wie beim Lotto spielen." Ich werde alles dafür tun, dass wer auch immer zu uns kommt, gute Arbeitsbedingungen vorfindet. Wir wollen mindestens um den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, mitspielen. Wir wollen mindestens ins Halbfinale des Pokals kommen. Es gab in der Vergangenheit Dissonanzen, da wurde gesagt: "Wenn Du solche Ziele formulierst, setzt du die Mannschaft unter Druck." Wenn eine Leistungssport betreibt, dann muss sie das aushalten.

Wie lautet das Anforderungsprofil für die neue Trainerin oder den neuen Trainer?

Er oder sie sollte Erfahrung mit Mannschaften haben. Ob in der Leistungsklasse oder im Nachwuchsbereich ist nicht entscheidend. Wir haben gesagt, wir wollen zuerst regional in Berlin und Brandenburg schauen. Der oder die Neue soll die Fähigkeit haben, zwischen den Übungsleitern der jeweiligen Leistungsklassen nicht nur zu vermitteln, sondern auch Dinge anzusprechen und sie voranzubringen. Und er oder sie soll eigene Vorstellungen haben, wo es mit dem Verein hingehen soll.

Was spricht denn für eine Trainerin?

Die hätte zum Beispiel jederzeit Zugang zu den Kabinen. Wir sind sehr offen für so eine Lösung. Ich denke, dass es jetzt viele Bewerbungen geben wird. Wir werden uns gemeinsam hinsetzen und besprechen. Wir werden dann zwei, drei oder vier Kandidaten auswählen, mit denen wir Gespräche führen. Nicht zuletzt muss auch klar sein, dass wir nicht unser gesamtes Budget für den Trainer ausgeben.  Also wir haben Pep Guardiola und Jürgen klopp schon ausgeschlossen. Die sind zu teuer für uns. Das wäre dann nur eine ehrenamtliche Arbeit (lacht).

Wir haben auch mit Matthias Rudolph sprechen wollen. Der steht momentan für kein Interview zur Verfügung. War die Trennung denn einvernehmlich?

Vorausschicken möchte ich, dass wir bei Turbine keine große Erfahrung mit Trainerwechseln haben. Die Entscheidung ist für uns, aber natürlich auch für Matthias Rudolph schwer. Er konnte sich ja vorstellen, in einem Jahr zur Verfügung zu stehen. Das ist für ihn jetzt auch enttäuschend. Das ist nachvollziehbar. Aber für uns war es eine Person im Verhältnis zum gesamten Verein. Oder was hätten wir jetzt ein Jahr lang für Überbrückungslösungen finden müssen, um voranzukommen. Wir sind den Fans, Sponsoren und Partnern nach verpassten Zielen in dieser Saison auch etwas schuldig.

Warum stünde Rudolph denn erst in einem Jahr zur Verfügung?

Er ist Fachlehrer für Sport und Geographie - dazu Klassenleiter. Er hat es uns so erklärt, dass die Planungen der Schule so weit vorangeschritten sind, dass man während des Schuljahres nichts mehr machen kann. Wir haben uns dann unsererseits erkundigt und: Wenn beide Seiten wollten, dann ließe sich natürlich auch da etwas machen. Aber er hat es anders gesehen. Und das respektieren wir.

Das Interview führte Dennis Wiese.

Sendung: rbb um6, 11.06.2020, 18 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ohne eine Erhöhung des Budgets wird es m.E. schwierig, mit den jetzigen Spitzenclubs in Wettbewerb zu treten. Der ständige Verlust von Leistungsträgern ist ja genau darauf zurückzuführen. Ob man will oder nicht, im Profifußball benötigt man neben einem hauptamtlichen Trainer auch einen hauptamtlichen Manager, der sich mindestens europaweit um Talentsuche kümmert und der auch für die Sponsorenakquise zuständig ist. Man muss versuchen, auch hier mit den Spitzenclubs auf Augenhöhe zu agieren.

  2. 1.

    Hahaha... schönes Zitat. Wie wäre es denn mit Klinsmann? ;)))

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