Der Berliner Maximilian Schachmann jubelt beim Überqueren der Ziellinie. / imago images/Panoramic International
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Interview | Berliner Rad-Profi Maximilian Schachmann - "Mit Radrennen an sich hatte das nicht viel zu tun"

Für den Berliner Rad-Profi Maximilian Schachmann geht in einigen Wochen nach der Corona-Pause die Saison weiter. Der eigentliche Plan ist über den Haufen geworfen. Mit rbb|24 spricht er über die neuen Ziele, die Tour de France - und virtuelle Radrennen.

rbb|24: Herr Schachmann, wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen während der Corona-Krise ergangen?

Maximilian Schachmann: Gut. Ich war zuhause und konnte trainieren. Ich habe es zwar gespürt, aber mit weniger Auswirkungen als andere Berufsgruppen. Ich hatte natürlich Einschränkungen, weil keine Radrennen stattgefunden haben. Aber ich konnte in der Zeit zumindest draußen regulär trainieren und nicht wie Fahrer anderer Nationen nur Indoor. Insofern habe ich Glück gehabt.

Nun sind Sie mit Bora-Hansgrohe als eines der ersten Teams im Trainingslager. Läuft das schon wieder ganz normal ab?

Wir hatten am Anfang bei der Anreise Einschränkungen. Da gab es noch strenge Hygienemaßnahmen. Es wurden am ersten Tag kleine Gruppen gebildet, es gab eine Maskenpflicht - und Kontaktbeschränkungen zu Leuten außerhab dieser eigenen Gruppe. Einfach aus dem Grund, damit man im Fall eines positiven Befundes die Kontaktkette gut nachvollziehen kann. Gleich nach der Ankunft haben wir uns alle einem Test unterzogen und haben am Abend schon die Ergebnisse bekommen. Da im Team keiner aktuell Corona-infiziert ist, konnten wir auch die Beschränkungen lockern. Später gab es auch noch einmal eine Blutkontrolle auf Antikörper. Da ist man noch einmal ganz auf Nummer sicher gegangen.

Ihre Rennplanung wurde über den Haufen geworfen. Nun soll die Saison im August wieder starten. Wie sieht Ihr neuer Zeitplan aus?

Meine Saison hat sich komplett verändert - einfach auch, weil der Rennplan eine komplett andere Form angenommen hat. Es sind jetzt sehr viele sehr wichtige Rennen in einem sehr kurzen Zeitraum, sodass es nicht mehr möglich ist, alte Ziele kombiniert zu fahren. Es geht zum Beispiel nicht, bei Giro d'Italia und vielen Klassikern an den Start zu gehen. Von daher haben wir uns entschieden, dass ich bei der Tour de France starten werde und davor und danach meinen Fokus auf Klassiker und Monumente legen werde.

Ursprünglich stand die Tour de France - das größte und populärste Radrennen überhaupt - für Sie in diesem Jahr nicht im Rennplan. Wie kam es dazu, dass Sie nun doch dort starten?

Aus den genannten Gründen. Man musste jetzt natürlich für das Team und auch für die einzelnen Fahrer neue Ziele formulieren - und schauen, wie man diese erreichen kann. Und da man mich bei den Klassikern am Start haben möchte, bleibt eigentlich fast nur noch die Tour übrig. Von daher fahre ich sie jetzt. Und ich denke, dass ist nach dem Frühjahr und Paris-Nizza (Anm. d. Red.: Schachmann gewann das Mehr-Etappen-Rennen) ist das keine schlechte Entscheidung.

Sie sind wahrscheinlich froh, dass Sie überhaupt wieder Rennen fahren können. Was sind trotzdem die sportlichen Ziele noch in dieser Saison - vorausgesetzt, alles läuft glatt?

Ich bin schon sehr, sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Die erste Rundfahrt habe ich auf dem zweiten Platz beendet, die zweite gewonnen. Von daher bin ich schon mal im Soll. Bei der Tour wollen wir eigentlich jetzt in Angriff nehmen, was wir schon im letzten Jahr vorhatten: Zum einen auf Etappen fahren, aber zum anderen auch schauen, wie mein Körper über drei Wochen reagiert. Das hat beim letzten Mal nicht geklappt, weil ich mit dem Mittelhandbruch vorzeitig raus musste. Bei den darauffolgenden Klassikern - aber auch bei der Lombardei-Rundfahrt, die ich zum Beispiel schon davor fahre - will ich natürlich versuchen, aufs Podium zu fahren oder eben auch zu gewinnen.

Einen sportlichen Rückschritt befürchten Sie persönlich durch die Krise also nicht.

Nein, bisher spüre ich das im Training nicht - eher sogar einen Fortschritt. Es hat alles gut funktioniert. Ich bin bereit für den Neustart der Saison.

In der Corona-Pause wurden virtuelle Rennen gefahren. Sie waren bei einem dabei - Ihre Kollegen sind teilweise noch deutlich mehr gefahren. Wie war dieses Erlebnis?

Man muss erstmal sagen, dass die virtuellen Rennen doch unterschiedlich waren - einfach weil sie auf verschiedenen Plattformen stattgefunden haben. Das, was ich gefahren bin, war sehr reduziert auf die reine Watt-pro-Kilogramm-Leistung - sprich: Man gibt ein Gewicht ein und muss dann möglichst viel Leistung fahren oder hoffen, dass seine Rolle viel Leistung anzeigt. (lacht) Mit Radrennen an sich hatte das in meinen Augen nicht viel zu tun.

Das klingt nicht wirklich begeistert. Sie sind also froh, wieder über echten Asphalt zu rollen?

Ja, definitiv. Für mich ist das zum normalen Straßenrennsport draußen keine Alternative.

Wenn wir in Ihre persönliche Zukunft blicken: Ihr Vertrag bei Bora-Hansgrohe läuft Ende der Saison aus. Machen Sie sich schon Gedanken, was danach kommt oder ist das was, mit dem Sie sich noch nicht beschäftigen?

Auf jeden Fall mache ich mir Gedanken. Ich bin die Jahre hier sehr zufrieden gewesen - und muss jetzt einfach schauen, ob man sich gut einigen kann. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich gerade auch für mich eine gute Lösung für die Zukunft finde.

Bei Bora-Hansgrohe oder könnte das auch woanders sein?

Ich bin mitten in den Gesprächen und spreche mit Bora, aber auch mit anderen Teams. Wie ich schon gesagt habe: Ich bin gewillt, mit Bora eine gute Lösung zu finden, aber man kommuniziert natürlich auch mit anderen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener, rbb Sport

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