Drei Fahrer der Speedway Bundesliga bei einem Rennen. Quelle: MSC Wittstock e.V.
Bild: Quelle: MSC Wittstock e.V.

Brandenburger Speedway-Team - Die Wölfe zieht es nach Polen

Der MSC "Wölfe" Wittstock wird die kommende Speedway-Saison nicht in Deutschland, sondern in Polen absolvieren. Neben allerlei sportlichen Gründen treibt es den Verein vor allem wegen des deutschen Regelwerks ins Nachbarland. Von Friedrich Rößler

In der Speedway-Bundesliga gehörte der MSC "Wölfe" Wittstock zu den etablierten Teams, belegte in der abgelaufenen Saison den dritten Platz. Doch wer sich die Mannschaften für die kommende Saison anschaut, stellt fest: Die Wölfe tauchen nicht mehr auf. Stattdessen werden die Brandenburger am 8. August in der zweiten polnischen Liga starten.

Das hat mehrere Gründe, wie der Vereinsvorsitzende Frank Mauer im Gespräch mit rbb|24 erzählt: "Die polnische Liga ist mit die stärkste Liga und Speedway ist dort Traditionssport." Da in Polen die Stadien gut besucht und die Rennen im TV übertragen werden, erhofft sich Mauer mehr Aufmerksamkeit für den Sport und für sein Team. "Das ist dort, wie hier im Fußball und wenn wir Heimrennen haben, dann werden wir sicher davon profitieren, dass viele polnische Fans rüberkommen."

Leben am Limit

Ein weiterer Grund liegt im deutschen Regelwerk, das jedes Jahr zwischen den teilnehmenden Motorsportklubs neu ausgehandelt wird. Für den Teamkapitän Steven Mauer eine nervige Angelegenheit: "Das hat nichts mit Sport und Fairness zu tun, wenn jeder Verein für sich das Beste aushandelt", sagt der 24-Jährige. Solange sich daran nichts ändere, kehre seine Mannschaft nicht in die Bundesliga zurück.

Mit sechs Jahren entdeckte der brandenburgische Speedway-Fahrer diesen rasanten Motorrennsport. Geschwindigkeiten über 100 km/h sind keine Seltenheit, die Rennmaschinen haben weder Bremsen noch Hinterradfederung. Sein Vater Frank Mauer setzte ihm damals den Speedway- Floh ins Ohr. An der Rennbegeisterung von Mauer Junior hat sich seit diesem Tag nichts geändert, an der Größe der Motorräder schon. Leben am Limit - so lautet das Motto von Steven Mauer.

Saisonziel: Den ein oder anderen ärgern

"Ich bin der polnischen Sprache durchaus mächtig und freue mich schon auf das Abenteuer polnische Liga", erzählt der Wittstocker. Zwar müsse man in der zweiten polnischen Liga, die - nach Ekstraliga und ersten Liga - die dritthöchste des Nachbarlandes ist, als Neuling beginnen. Doch es gehe vor allem um die Erfahrungswerte. "Wenn wir es unter die ersten drei schaffen, wäre das toll", sagt Steven Mauer. Sein Vater ergänzt, dass man schon den ein oder anderen ärgern wolle, gerade zu Hause auf dem Heidering. "Mehr Rennen und hoffentlich vor einer großen Kulisse, da lernen die richtig dazu."

Das Team für die Saison 2020 vom MSC "Wölfe" Wittstock(Quelle: privat/Frank Mauer)
Die Wölfe sind startklar für die kommende Siason in der 2. polnischen Speedway-LigaBild: privat/Frank Mauer

Mit "die" meint der Vereinsvorsitzende sein Team, das er als jung, dynamisch und ehrgeizig bezeichnet. Mit einem Durchschnittsalter von 23 stimmt das auch. Neben regionalen Startern gehören auch Fahrer aus Bayern, Polen und Russland dazu - und mit Celina Liebmann auch eine Frau. Die 18-Jährige war die erste weibliche Fahrerin in der Speedway-Bundesliga. Frank Mauer und auch sein Sohn Steven möchten, dass sich ihr Team entwickeln kann und auch zusammenhält.

Fehlender Teamgeist in der Bundesliga

"Viele ausländische Profis kommen nur wegen des Geldes nach Deutschland und pfeifen auf ihr Team", bemängelt Mauer Senior. Diese Fahrer hätten einen Pauschalvertrag und würden pro geleistete Rennen bezahlt. Durch diesen weitverbreiteten Geschäfts- oder auch Eigensinn vieler Legionäre in der Bundesliga würde der Teamspirit oft auf der Strecke bleiben. Wieder ein Grund mehr für den Wechsel nach Polen. "Die aktuelle Mannschaft kann ich jetzt zu einem starken Team im Laufe der Jahre formen", hofft der Vereinsvorsitzende der Wölfe.

Nach einigen Rennbahn-Anpassungen in Wittstock gehe man davon aus, dass bei Abnahme der polnischen Delegation der Heidering die Zulassung bekommt und dem Saisonstart nichts mehr im Wege steht. Mit dem polnischen Verband hat Frank Mauer ausgehandelt, dass der MSC "Wölfe" Wittstock seine ersten Rennen ab 8. August alle auswärts fahren darf. "In Polen lockert man gerade die Kontaktbeschränkungen, wie genau dann zum Saisonstart Zuschauer zugelassen sind, weiß noch keiner", sagt er.

Krosno und Poznan statt Stralsund und Landshut

Die Heimrennen wolle man Ende September, Anfang Oktober durchführen und hoffe, dass bis dahin in Deutschland Großveranstaltungen wieder erlaubt sind. "Bei bis zu 1.500 Zuschauern im Stadion könnten wir aber auch locker die 1,5 Meter Abstand einhalten", bekräftigt Mauer Senior. Dann werden die Gegner nicht mehr aus Stralsund oder Landshut, sondern aus Krosno oder Poznan kommen. Und wahrscheinlich viele polnische Speedway-Fans nach Wittstock mitbringen.

Beitrag von Friedrich Rößler

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2 Kommentare

  1. 2.

    So ist es nun einmal! Fußball, Football, Basketball, all das wird im TV übertragen, aber kein Speedway! Also geht man ins Ausland und die Fans natürlich auch. Last die, die sich den "Massensport" verschrien haben zu Hause und genießt den Sport für Männer im Ausland! Die Entscheidung hätte schon vor 10 Jahren kommen müssen! Armes Deutschland, kann man dazu nur noch sagen!

  2. 1.

    Na dann immer tolle, spannende und vor allem unfallfreie Rennen.....

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