Symbolbild: Eckfahne in Regenbogen-Farben als Zeichen gegen Homophobie. / imago images/Jan Huebner
Bild: imago images/Jan Huebner

Sport Pride 2020 - "Wir hatten einfach viel Angst vor Homophobie"

Am Samstag findet weltweit der Pride Day statt - auch in Berlin. Mit der Aktion #SportPride soll auch ein Zeichen gegen Schwulenfeindlichkeit und Diskriminierung im Sport gesetzt werden. Ein Berliner Rugby-Klub geht mit gutem Beispiel voran. Von Lisa Surkamp

Die Erinnerungen an die ersten Spiele sind noch präsent bei Jan "Sue" Möllers vom Rugbyteam Berlin Bruisers. "Wir hatten einfach viel Angst vor Homophobie", sagt der 42-Jährige. "Wir hatten uns sehr gewappnet, was da alles auf uns zukommt." Denn die Bruisers, gegründet von sieben schwulen Männern, sind ein queeres Team. "Bei der Gründung gab es noch ganz stark das Gefühl, dass man in den anderen Mannschaften nicht willkommen ist und Schutzraum braucht", erzählt Möllers.

Und trotzdem wagten sie irgendwann den großen Schritt - von der Wiese im Tiergarten hinein in die Regionalliga-Nordost. Blöde Sprüche oder üble Beleidigungen blieben glücklicherweise aus. "Damit hätten wir tatsächlich auch nie gerechnet", so der Steglitzer. Denn sie alle haben sie schon gemacht, die Erfahrungen mit Schwulenfeindlichkeit und Ablehnung, oft schon in der Schulzeit. "Umso wertvoller ist es, wie wir miterleben können, dass queere Menschen, die vom Sportunterricht an immer das Gefühl hatten, eigentlich hier keinen Platz zu haben, die Erfahrung machen können, dass man super zusammenspielen kann und genauso normal und gleichzeitig einzigartig ist, wie jeder andere auf dem Feld."

"Es gibt immer noch Situationen, in denen im Eins gegen Eins Beleidigungen fallen."

Es ist genau diese Botschaft, die mit Sport Pride 2020 zum Ausdruck kommen soll. "Umso öfter darauf aufmerksam gemacht wird, wie normal es ist und sein sollte, umso mehr setzt es sich in den Köpfen der Menschen fest", sagt Johannes Blankenstein. Der 30-Jährige ist im Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg im Bereich Sport tätig und hört regelmäßig von den Problemen.

"Es gibt immer noch Situationen, in denen im Eins gegen Eins Beleidigungen fallen oder für Transmenschen Umkleidesituationen nicht da sind. Man kommt immer wieder an Grenzen, wo abseits der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm nicht unbedingt mitgedacht wird", erklärt er. "Genau darauf wollen wir aufmerksam machen und auch Wissen schaffen."

"Queere Leute zum Anfassen" in Firmen oder Schulen

Ein Ziel, dass auch die Bruisers mitverfolgen. "Manchmal werden wir angefragt, ob wir in Firmen oder Schulen kommen. Sozusagen queere Leute zum Anfassen", erzählt Jan "Sue" Möllers. "Es ist schon anstrengend, manche Themen immer wieder gefragt zu werden. Aber das mache ich, damit diese Welt für alle besser wird."

Der Berliner hätte sich als Kind genau solche Begegnungen gewünscht, ist nun aber selbst Vorbild und Vorreiter für andere Menschen. "Es erreicht uns immer wieder und bedeutet uns viel, dass Leute sagen: 'Das hat für mich einen Unterschied gemacht, dass in meinem Dorf plötzlich eine schwule Rugby-Mannschaft aufgetaucht ist und ich wusste: Ich bin nicht der Einzige auf dieser Welt.'"

Das Engagement - gerade auch über den Sport - bewirkt etwas, davon ist der 42-Jährige überzeugt. "Ich habe schon das Gefühl, dass sich was ändert. Das geht langsam, aber da passiert schon etwas", findet er. Es sind kleine Schritte in eine Welt, in der jeder leben und lieben kann, wie er will. Damit irgendwann niemand mehr Homophobie befürchten muss.

Sendung: rbb UM6, 27.06.2020, 18 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

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