Die Mannschaft von Alba Berlin bildet einen Kreis vor einem Spiel. Bild: imago-images/Eibner
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Umbruch nach dem Double - Alba verändert seine Siegermannschaft

Alba Berlin steht nach dem Double-Gewinn aus Meisterschaft und Pokal ein größerer Umbruch bevor als in den Jahren zuvor. Sechs Abgänge stehen bereits fest, ebenso viele Neuzugänge könnten es noch werden. Und offiziell ist auch die Trainerfrage nicht geklärt.

"Never change a winning team" ist eine klassische Binsenweisheit des Mannschaftssports, verändere niemals etwas an einer siegreichen Mannschaft. Für einen deutschen Basketballbundesligisten ist das quasi unmöglich. Die Verträge der Spieler sind oft kurz und andere Ligen in Europa zahlen besser - von der Parallelwelt in Nordamerika ganz zu schweigen. Das musste auch Alba Berlin erfahren: Drei Wochen nach dem Gewinn der Meisterschaft ist die halbe Mannschaft schon weg.

Größerer Umbruch als in den letzten Jahren

Sechs Spieler haben sich bisher verabschiedet aus dem Meister- und Pokalsieger-Kader. Stars wie Martin Hermannsson, Landry Nnoko und Rokas Giedraitis werden anderswo deutlich mehr Geld verdienen. Hermannsson zieht es nach Valencia, Nnoko nach Belgrad und Giedraitis nach Vitoria-Gasteiz (Spanien). Diese Abgänge tun weh. Alba hat die drei aufs höchste europäische Niveau geführt, jetzt sind sie weg.

"Sie haben in den letzten zwei Jahren ihren Marktwert verdoppelt oder verdreifacht. Auf der anderen Seite haben sie uns mit dem Team aber auch den Pokal und die Meisterschaft geschenkt", sagt Geschäftsführer Marco Baldi. So viele Top-Spieler auf einmal musste Alba in den letzten Jahren nicht ersetzen. Dazu kommt der normale Umbruch: Kenneth Ogbe, Makai Mason und Tyler Cavanaugh haben sich bereits von Berlin verabschiedet. Mason und Cavanaugh bekamen nicht die Spielzeit, die sie sich erhofft hatten, Ogbe spielte zwar zuletzt oft und gut, trotzdem werden die Berliner auch seinen Abgang verkraften können.

Zwei von drei Stars sind schon ersetzt

Albas Motto lautet also, um im Bild zu bleiben: "Slightly change a winning team" - Verändere ein bisschen was an deiner siegreichen Mannschaft, gezwungenermaßen. Marco Baldi bereitet diese Entwicklung aber keine Sorgen. Er hat akzeptiert, dass es in Europa Vereine gibt, die größer sind. "Wir können schon sagen, dass wir ein Ausbildungsverein sind", findet Baldi und ergänzt: "wenn auch auf allerhöchstem Niveau."

Auf dem sollen deshalb auch die Neuzugänge mitspielen können. Denn Alba ist wieder für die Euroleague qualifiziert und muss als Titelverteidiger in Pokal und Meisterschaft hohe Erwartungen erfüllen. Die ersten drei haben dieses Potential. Der talentierte Center Ben Lammers kommt aus Bilbao und soll Landry Nnoko ersetzen. In Mailand hat Alba einen Ersatz für Rokas Giedraitis gefunden, Simone Fontecchio und vom ehemaligen Dauerrivalen Bamberg konnte Alba das deutsche Top-Talent Louis Olinde abwerben.

Spekulationen um Lo, offenes Interesse an Blatt

Was noch fehlt: Ein hochkarätiger Ersatz für Martin Hermannsson. Ziemlich heiß gekocht wird in der Gerüchteküche der Name Maodo Lo. Mehrere Medien berichten, dass der 27-jährige gebürtige Berliner vom aktuellen Dauerrivalen aus München kommen soll. Er wäre der gewünschte Hermannsson-Nachfolger. Und noch ein Neuzugang kündigt sich an. Das Interesse am israelischen Point Guard Timor Blatt will Albas Sportdirektor Himar Ojeda auch gar nicht verheimlichen.

"Wir interessieren uns für ihn und befinden uns in einer Entwicklung. Wir wägen ab, ob er der Spieler ist, der zu uns passt. Eine finale Entscheidung wird es erst geben, wenn die Saison in Israel vorbei ist und wenn wir noch besser wissen, in welchem Zustand unser Kader sein wird", wird Ojeda vom israelischen Onlineportal "walla" zitiert. Klappt es tatsächlich mit diesen beiden Neuzugängen, dann bliebe noch eine freie Planstelle. Gut möglich, dass Alba mit der auch noch abwartet, was in Amerika passiert.

Warten auf Amerika und Aito

"Der Markt ist etwas träger als sonst um diese Zeit", erklärt Geschäftsführer Marco Baldi, "weil die NBA als Speerspitze ihre Saison noch garnicht beendet hat und jetzt ein Konzept entwickelt hat, mit dem sie bis Mitte September spielen. Dann geht der Markt aus deren Sicht eigentlich erst so richtig los." Sollte Alba also noch auf einen US-Amerikaner schielen, müssten sich die Berliner mit dem sechsten Neuzugang vielleicht noch ein wenig gedulden.

Gleiches gilt - zumindest offiziell - für die Trainerfrage. Der Vertrag von Aito Reneses ist ausgelaufen, faktisch hat Alba also gerade keinen Chefcoach für die neue Saison. Wie man aus dem Vereinsumfeld hört, ist die Ruhe in dieser Personalie aber nicht nur zur Schau getragen: Der Meistertrainer wird wohl erneut verlängern in Berlin. Auch die öffentlichen Aussagen von Spielern und Verantwortlichen deuten in diese Richtung.

Der Trainer darf entscheiden und verteilt ein Herz

Kapitän Niels Giffey etwa schätzte die Chancen auf einen Verbleib des 73-jährigen schon am Tag nach der Meisterschaft als "sehr gut" ein. Sportdirektor Ojeda berichtete jüngst in Israel von Gesprächen mit seinem Landsmann und sagte: "Wenn er weitermachen sollte, dann nur bei uns und bei keinem anderen Verein" und Geschäftsführer Marco Baldi übergibt die Entscheidung selbstbewusst an den Protagonisten: "Er wird bei uns Trainer sein können solange er das möchte." Der richtige Mann für den Umbruch wäre der spanische Lehrmeister auf jeden Fall, denn Weiterentwicklung ist sein Spezialgebiet.

Aito Reneses selbst schweigt noch zum Thema Vertragsverlängerung, er ist im Urlaub. Vor einer Woche postete der Hobbyfotograf auf seinem Instagram-Account Bilder aus den Weinbergen bei Rothenburg ob der Tauber und einem Örtchen namens Gengenbach. Wer will, der kann sich auch hier einen Hinweis auf seinen Alba-Verbleib zusammenreimen: Einem Kommentar unter den Fotos, mit der Frage "Hoffentlich kehren Sie nach Berlin zurück?" gab Aito ein Herzchen.

Sendung: Inforadio, 18.07.2020, 11.15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wenn Maodo Lo zurück nach Berlin kommt, kaufe ich wieder Dauerkarten für die Familie.

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