Oberliga-Spiel zwischen Blau-Weiß 90 und Tennis Borussia (Quelle: imago images/Sebastian Wells)
Audio: Inforadio | 14.07.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: imago images/Sebastian Wells

Ab Dienstag - Berlin hebt Einschränkungen bei Kontaktsport auf - Fußball wieder möglich

Das Berliner Kontaktverbot beim Sport ist aufgehoben. Der Mindestabstand muss nicht mehr eingehalten werden. Das gilt für alle Sportarten - Indoor wie Outdoor. Berlin war das letzte Bundesland mit derartigen Einschränkungen, daran hatte sich viel Kritik entzündet.

Berlin macht den Weg für Kontakt- und Mannschaftssport während der Coronavirus-Pandemie frei. Im Amateurfußball sei "ab sofort voller Trainingsbetrieb erlaubt", wie die Senatsverwaltung für Inneres und Sport am Montag mitteilte. Ziel sei es, zum Beginn der Saison im September auch den Wettkampfbetrieb wieder freizugeben.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD) gab demnach zudem den Auftrag, für die nächste Senatssitzung am Dienstag in einer Woche (21. Juli) eine entsprechende Entscheidung zur Freigabe für den Kontaktsport vorzubereiten, sofern "dieser in festen Trainingsgruppen und unter Einhaltung eines Nutzungs- und Hygienekonzepts des jeweiligen Sportfachverbandes betrieben wird", hieß es.

Auch Indoor-Training mit Körperkontakt erlaubt

Das betrifft alle Sportarten und Amateursportler, wie der stellvertretende Pressesprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Tino Brabetz, gegenüber rbb|24 am Dienstag bestätigte. "Die Sportarten, die in der Pressemitteilung genannt waren, waren exemplarisch. Es gilt für alle Sportarten", so Brabetz. Bisher gab es durch die Sportverwaltung nur für Bundesliga-Teams sowie Berufssportler Ausnahmen.

Nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung am Montag, in der Wassersport/Rudern, Kampfsport und Fußball aufgelistet waren, herrschte zum Teil Unklarheit darüber, was nun erlaubt sei - besonders mit Blick auf Mannschaftssportarten in Innenräumen. So ließ sich zum Beispiel der Berliner Basketball-Verband beim Senat auf Nachfrage bestätigen, dass die Vereine wieder voll trainieren dürften. "Ich habe erstmal nicht gehört, dass es einen Unterschied zwischen In- und Outdoor gibt", sagte auch Brabetz gegenüber rbb|24. Darüber hinaus habe man die Ordnungskräfte sensibilisiert, mit einem "gewissen Augenmaß" zu verfahren.

Teils heftige Proteste in den vergangenen Tagen

Verbunden ist die Aufhebung der Einschränkungen derweil in allen Sportarten mit Bedingungen. Sowohl zur Kontaktverfolgung als auch zur sofortigen Eindämmung bei möglichen Infektionsgeschehen müssten "grundsätzlich Teilnehmerlisten erstellt werden", heißt es in der Senatsmitteilung. Die Festlegungen treten bereits vor der Senatsentscheidung ab diesem Dienstag (14. Juli) in Kraft. "Ordnungsbehörden und die Polizei werden gebeten, ihre Ermessensspielräume entsprechend auszuschöpfen", hieß es in einer Mitteilung.

In den vergangenen Tagen hatte es teils heftige Proteste gegen die Corona-Regeln gegeben, die den Trainings- und Wettkampfbetrieb in allen Sportarten in der Hauptstadt stark einschränken. Am Sonntag etwa hatten Sportlerinnen und Sportler vor dem Roten Rathaus bereits dafür demonstriert, dass der Senat die Abstandsregeln bei Kontaktsportarten abschafft. Berlin war das einzige Bundesland mit so strikten Verboten bei Kontaktsportarten.

Gerd Thomas: "Entscheidung schafft Klarheit"

"Das spricht doch für Herrn Geisel, dass er Volkes Stimme verstanden hat", sagte Gerd Thomas, Vorsitzender des Berliner Amateurfußball-Klubs FC Internationale, gegenüber rbb|24 - und: "Es ist eine Entscheidung, die ich begrüße und die Klarheit schafft. Sie bringt uns als Vereinsvorstände endlich in die Situation, dass wir nicht jeden Tag irgendwelche Fragen beantworten müssen, die wir nicht beantworten können."

Thomas hatte noch vor einigen Tagen einen offenen Brief an Sportsenator Andreas Geisel (SPD) und BVF-Präsident Bernd Schultz geschrieben, der nach 24 Stunden bereits mehr als 1.000 Mal unterschrieben worden war. Darin hatte er eine Ungleichbehandlung kritisiert. So dürften neben den Profi-Teams von Hertha und Union zum Beispiel Jugend-Bundesligateams trainieren. "Jetzt soll mir mal jemand erklären, warum das Infektionsrisiko bei 17-Jährigen in Lichterfelde oder im Olympiastadion geringer ist als bei den Frauen vom FC Internationale."

LSB-Präsident: "Gutes Zeichen für den Sport"

Als ein gutes Zeichen wertete auch der Landessportbund die Aufhebung der Einschränkungen beim Kontaktsport. "Wir begrüßen die Entscheidung. Sie ist ein gutes Zeichen für den Sport", kommentierte LSB-Präsident Thomas Härtel die neue Entwicklung: "Es bleibt eine wichtige Aufgabe für unsere Vereine und Verbände, auf das Infektionsgeschehen zu achten und die Hygieneregeln einzuhalten."

Sendung: Abendschau, 13.07.2020, 19:30 Uhr

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19 Kommentare

  1. 18.

    D.h. daß auch Gesellschaftstanz (Standard/Latein, Salsa, Swing, Tango) wieder erlaubt ist? Der gilt ja absurderweise in Deutschland als "Sport" und nicht als Kultur.

  2. 17.

    Ich kann dich gut verstehen, es geht hier ja auch nicht um die Sport art nur.
    Es geht um die Anzahl der Personen und dem Verständnis Mannschaftssport wie z.b. Fußball wo mehr als 20 unterwegs sind zusammen kommen soll erlaubt werden aber noch nicht mal Medizinische Sportgruppen von ca. 14 Personen werden nach wie vor nicht zugelassen. Wie z.b. Wasser Gymnastik.
    Und wollen wir doch mal ehrlich bleiben auch wenn es schwer ist, Fan zu sein von einer Sportart und Medizinisch für die Gesundheit ist wohl auch ein großer unterschied! So gerne du auch Fußball sehen magst!! (Fussi Fan ist ein zuschauer einer Mannschaft in meinen Augen und nicht gerade ein Aktiver Sportler)

  3. 16.

    Icke als Fussi Fan kann so etwas nicht für gut heißen.
    Alle Sportarten müssen gleich behandelt werden!

  4. 15.

    Man hat halt abgewartet, dass die nutzbare, ungefährliche Außensaison so gut wie vorbei ist (siehe Strandbäder), um den dusseligen, leichtgläubigen Deutschen so richtig den Spaß zu verderben.

    Zum Thema Verhältnismäßigkeit sage ich immer nur: alleine auf einer Parkbank verweilen...

  5. 14.

    Wann ist es nicht mehr so gefährlich ?
    Das ist auch noch immer dem Senat vorzuwerfen.
    Manchmal hat man den Eindruck ... es gibt einen großen Topf in dem alle Lockerungen drin sind .... ab und zu wird dann daraus 1-2 Sachen gezogen und das wird dann gelockert.

  6. 13.

    Warum ist es dann möglich zum Bowling zu gehen? Warum sind die offen?

  7. 12.

    Ich kann der Carola nur zustimmen.
    Medizinische Sportarten wie Wassergymnastik, ist nach wie vor nicht zugelassen und nichts passiert.
    Das wären ja überschaubare Gruppen aber nicht passiert.
    Und da reden alle jetzt schon von Mannschaftssport Kontakt Sport.
    Sollen Sie doch Bitte erst mal diese kleinen Gruppen frei geben. (in der Regel 12 P pro. Gruppe) und nicht 25 und mehr wie z.b. beim Fußball. Aber es scheint da nur ums große Geld zu gehen und die kleinen werden vergessen!

  8. 11.

    Müssen Sie ja auch nicht,

    aber zur Beruhigung, viele Vereine müssen mit Hallensport auf Außenflächen ausweichen, da die Bezirke vor allem die Schulhallen geschlossen halten (auf jeden Fall Friedrichshain-Kreuzberg).
    Es ist aber wieder ein wichtiger Schritt zur Normalisierung des Lebens. Auch wenn Berlin mal wieder wie fast immer hintendran war.
    Und für alle die Angst vor uns Sportlern haben: Die einzelnen Verbände haben natürlich Konzepte ausgearbeitet und es wird wahrscheinlich aktuell kein Sporttreiben wie vor Corona sein.

  9. 10.

    Dieser Zustand war ja mittleweile unerträglich. Die Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit war schon längst nicht mehr gegeben.
    Nicht nur das Berlin seit Wochen das letzte Bundesland war, in dem es diese Beschränkungen überhaupt noch galten. Es war schon frustrierend die Facecbook Einträge befreundeter Kampfsportstudios zu sehen, die bereits seit Wochen wieder trainieren konnten. Es mutete schon lächerlich an, das Berliner Fußballvereine massenhaft nach Brandenburg gefahren sind, nur um dort Fußball spielen zu können.

    Die Beschränkungen in Berlin waren teils völlig willkürlich. Kontaktsportarten durften eigentlich nicht ausgeübt werden, doch seit Wochen tanzen einige meiner Freunde wieder Standard- und Latein in ihren Schulen, ohne Maske. Und da gibt es ordentlich Kontakt, auch haushaltsübergreifend. Also Sinnlosigkeit aller Orten.

    Nichts gegen Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, aber bitte sinnvoll und mit Augenmaß und nicht willkürlich.

  10. 9.

    Innerhalb einer Halle Sport zu treiben, ist in meinen Augen noch viel zu gefährlich.

  11. 8.

    Seit Monaten findet keine Wassergymnastik statt. Schön, dass jetzt schon meine Vereinskosten gesenkt werden, aber meinem Rücken hilft das nicht.
    Auch wir würden gerne wieder loslegen.
    Wann sind wir dran gesund zu leben.

  12. 7.

    Das haben Sie bereits. In anderen Bundesländern ist das schon einige Zeit wieder möglich.
    Würden sich in Berlin die Leute, die auf ihr Grundrecht pochen auch an die Vorgaben halten, wäre vieles schon früher möglich gewesen aber Berlin wollte schon immer besonders sein. Also Bitte

  13. 6.

    Mit Frau Kalayci wird Berlin bestimmt noch oft das letzte Land sein, was Einschränkungen aufhebt.

  14. 5.

    Hm, warum fällt mir bei Kontaktsportarten/Fußball immer der alte Trio-Song ein, Refrain: Los Paul, ... Nein, ich kann den Text hier nicht zitieren. Echt nicht. Aber schön zu googlen. Die erste Strophe. Passt.

    Bisschen straffer als der Klassiker "Fußball ist unser Leben..." mit Goldkehlchen Berti...

  15. 4.

    "(...) daran hatte sich viel Kritik entzündet."

    Na ja, immer noch besser, als wenn sich die Lunge entzündet, nicht wahr? ;-)

  16. 3.

    Ich möchte einmal erleben, dass Berlin nicht immer alles anders macht als die anderen.

  17. 2.

    Dann sollen alle mit maske und abstand einhalten aber fußball was nicht jeder mag aber wehe da kommt einer mit conona wieder

  18. 1.

    Sehr gut. Das zeigt, Einmischung lohnt sich. Danke an alle Vereine, Sportlerinnen und Sportler, die in den letzten Tagen und Wochen für die normale Ausübung des Sports gekämpft haben. Auch wenn uns einige immer wieder erzählen, es käme auf die leise Diplomatie an - manchmal muss man auch laut und deutlich seine Anliegen vorbringen. Das haben wir alle zusammen getan. Mit Erfolg. Gleichwohl müssen wir weiterhin umsichtig agieren. Das Virus ist nicht weg. Wir sollten ihm nicht die Möglichkeit geben, unseren Sport nachhaltig zu beschädigen. Also Leute, bleibt vernünftig. Danke und internationale Solidarität auch mit allen Sportarten über den Fußball hinaus.

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