Mathias Niederberger im Trikot der Düsseldorfer EG. (Quelle: imago images/ Beautiful Sports)
Audio: Inforadio | 10.07.2020 | Jens-Christian Gußmann | Bild: imago images/ Beautiful Sports

Eisbären-Neuzugang Mathias Niederberger - Der Königstransfer - oder einfach nur Matze

Den Eisbären Berlin ist ein Transfer-Coup gelungen: Mit Mathias Niederberger konnten die Berliner den besten Torwart der Deutschen Eishockey-Liga in die Hauptstadt locken. Wobei es eigentlich eine Rückkehr ist. Von Uri Zahavi

"Ich habe an Spitznamen schon alles gehört. Von Matthis im Rheinland bis Hias in Bayern", erzählt der 1,80-Meter große, dunkelhaarige Mann und schmunzelt. "Hier in Berlin wurde es dann Matze." Mathias Niederberger steht gut gelaunt vor dem Trainingszentrum der Eisbären in Berlin-Hohenschönhausen. Nicht wenige Eishockey-Experten bezeichnen den drahtigen, athletischen Torhüter schon jetzt als den "Königstransfer" der Eisbären. "Von diesen Phrasen halte ich nicht sonderlich viel", relativiert der 28-jährige Nationaltorwart, "die gehen meistens mit irgendwelchen Erwartungen einher. Ich bin nach Berlin gekommen, um meinen nächsten Karriereschritt zu machen."

Bestwerte über Bestwerte

Bescheiden ist er also, der Matze. Dabei hätte er in Sachen Leistung nach der abgelaufenen Saison genügend Gründe gehabt, sich selbst mal ordentlich abzufeiern. Im Trikot der Düsseldorfer EG wurde er erneut zum besten Keeper der Liga gewählt - zum zweiten Mal nach 2016. Der Goalie beeindruckte bis zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Mitte März mit herausragenden Werten. 2,05 Gegentore im Schnitt - Liga-Spitze. Eine Fangquote von 93 Prozent - Liga-Spitze. Fünf sogenannte Shutouts, also Spiele ohne Gegentor - eine Rarität im Eishockey - Liga-Spitze. Zum Vergleich: Der aktuelle Eisbären-Keeper Justin Pogge taucht nur in einer Kategorie überhaupt in den Top 5 auf.

"Goalie des Jahres ist eine tolle Auszeichnung. Erstmal ist es eine Auszeichnung für die Arbeit, die die ganze Mannschaft geleistet hat", erzählt der in Düsseldorf geborene Niederberger. "Aber klar, es ist auch eine Anerkennung für die Arbeit, die man leistet." Gearbeitet hat Niederberger auch schon in der Hauptstadt. In der Saison 2014/2015 absolvierte Niederberger bereits elf DEL-Partien für die Eisbären - als Stammtorwart etablieren konnte er sich nicht. Das gelang ihm dann bekanntermaßen in seiner Heimatstadt Düsseldorf - und wie.

Die Rückkehr der Nummer 35

Niederberger, der auf dem Eis so emotional und leidenschaftlich daherkommt, gibt sich im Gespräch ganz zurückhaltend. Formuliert seine Sätze überlegt und in aller Ruhe. Da passt es perfekt ins Bild, dass vor dem Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen ein einsamer Rasenmäher ganz entspannt seine Runden dreht. "Es fühlt sich ziemlich gut an, zurück zu sein", freut sich der Rheinländer über seine Rückkehr nach Berlin. "Mein Vertrag in Düsseldorf lief aus und da kam sofort nachhaltiges Interesse der Eisbären. Das ist dann auch so ein bisschen Bauchgefühl."

Dass die Rückholaktion Niederbergers für die Eisbären in keiner Weise ein Impulskauf, sondern viel mehr von langer Hand geplant war, beweist die zukünftige Rückennummer des Nationaltorhüters. Niederberger wird mit der 35 auflaufen. Die Zahl, mit der er auch in der Saison 2014/2015 für die Berliner spielte. Zufall? Nein! Auf ihrer Homepage erklären die Hauptstädter, die Rückennummer 35 wäre für Niederberger seit seinem Weggang frei gehalten worden.

"Hatte ein Angebot von Fortuna Düsseldorf"

"Er hat gezeigt, dass er ein mental starker Spieler ist", lobt auch Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer den Neuzugang. Dass Niederberger nicht nur eine starke Mentalität, sondern auch viele weitere Talente hat, verrät er dann später. "Alle meine Geschwister und ich haben als Kinder Fußball gespielt", schwelgt er in Erinnerungen. "Ich hatte dann ein Angebot von Fortuna Düsseldorf, habe aber gemerkt, dass ich lieber Eishockey spielen will."

Die Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Wie erfolgreich der zweite Anlauf bei den Eisbären wird, zeigt sich dann ab dem ersten November. Dann beginnt die neue Spielzeit. Die Berliner wollen in der kommenden Saison oben angreifen - und gehen erstmals seit Petri Vehanen wieder mit einer absoluten Top- und Wunschlösung im Tor an den Start. Matze Niederberger könnte einer der Schlüssel für den Erfolg sein. Sein Vertrag läuft zwei Jahre - genug Zeit also, sich endgültig an den Spitznamen zu gewöhnen.

Sendung: Inforadio, 10.07.2020, 09:15 Uhr

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