Eisbären-Manager Peter John Lee (Quelle: imago images / Christian Thiel)
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Interview | Eisbären-Manager Peter John Lee - "Geisterspiele im Welli sind eine Möglichkeit"

Die Deutsche Eishockey-Liga hat ihren Saisonstart auf November verschoben. Ob dann wieder Zuschauer in die Hallen dürfen, ist unklar. Eisbären-Manager Peter John Lee spricht im Interview über Geisterspiele, Gehaltsverzicht und mögliche Neuzugänge.

rbb|24: Herr Lee, normalerweise hätten die Eisbären in dieser Woche in die gemeinsame Saisonvorbereitung starten sollen. Wegen der Verschiebung des Ligastarts verzögert sich das. Wann startet das Team denn ins Mannschaftstraining und wie optimistisch sind Sie, dass alle Spieler - vor allem auch die aus Nordamerika - unkompliziert einreisen können?

Peter John Lee: Wir haben die Vorbereitung ein bisschen in Phasen eingeteilt, weil wir noch nicht das exakte Datum kennen, wann wir starten. Hoffentlich wird es Anfang November. Jetzt sind die Spieler in der ersten Phase, das ist das Sommertraining, was bisher jeder gemacht hat. Dann machen wir eine Phase, in der es möglich ist, aufs Eis zu gehen. In der dritten Phase kann dann hoffentlich jeder auf dem Eis trainieren, egal ob in Amerika oder hier. Vier bis sechs Wochen vor dem Ligastart starten wir dann unser Mannschaftstraining. Die Spieler haben hier einen Arbeitsvertrag, also könnten sie theoretisch fliegen. Ich glaube, sie müssten in Quarantäne oder negative Corona-Tests nachweisen, dann können sie anfangen zu trainieren.

Noch ist auch unklar, ob zum Saisonstart wieder Zuschauer in die Hallen dürfen. Wären denn für die Eisbären Geisterspiele in der Arena am Ostbahnhof eine Option und wie lange könnte man sich das leisten?

Ich glaube nicht, dass wir eine komplette Saison lang Geisterspiele machen würden. Vielleicht kann man die erlaubten Zuschauerzahlen staffeln und sich bis zum Saisonende steigern. Ich glaube, es gibt nicht viele Vereine in der Liga, die Geisterspiele machen könnten. Die Frage ist also eher, wo man die Zuschauergrenze für alle Vereine der Liga setzt. Denn egal, was die Eisbären sagen, wir brauchen alle Vereine, um zu spielen.

Wäre es denn auch eine Option, in den Wellblechpalast in Hohenschönhausen auszuweichen, um Geld zu sparen?

Wenn wir wissen, wie alles läuft, dann ist alles möglich. Geisterspiele kannst du schon im Welli machen. Das ist nicht so teuer. Aber das müssen wir sehen und diese Entscheidungen fallen später. Aber die Möglichkeit ist da, absolut keine Frage. Wenn wir das Eis in der Mercedes-Benz-Arena machen lassen, kostet das auch Geld. Wir müssen sehen, wie sich alles entwickelt und wann die Saison starten wird.

Gibt es denn schon Konzepte bezüglich des Saisonstarts und der Umstände? Bereitet das die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) vor und die Klubs können ihre Wünsche oder Ideen beitragen oder wie läuft das ab?

Über den Spielbetrieb entscheidet die DEL. Bei den Klubs gibt es Unterschiede, denn manche haben staatliche Hallen, andere, so wie wir, nutzen private Hallen. Da müssen wir mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten und ein Konzept entwickeln, was geht und was nicht. Im Moment gilt in Berlin ja noch die Grenze für 1.000 Zuschauer. Wir arbeiten intern an einem Konzept, das wir der Behörde hoffentlich präsentieren können. Aber das dauert noch ein paar Wochen. Wir haben noch nichts beantragt.

Bis auf Austin Ortega haben ja auch alle Spieler dem von der DEL geforderten Gehaltsverzicht zugestimmt. Wie viel Überzeugungsarbeit mussten Sie denn da leisten?

Die Spieler haben alle viele Fragen gehabt, wie was funktioniert. Das hat ein paar Wochen gedauert, aber dann haben wir alles geklärt. Austin hat darum gebeten, dass wir seinen Vertrag auflösen. Sonst waren alle an Bord. Wir machen ja auch alle mit. Die Spieler haben gemerkt, dass jeder seinen Teil dazu beitragen muss. Wir freuen uns sehr, dass sie mitgemacht haben so wie jeder, der bei uns arbeitet.

Sind denn - auch wegen des unerwarteten Abgangs von Ortega - noch Zugänge für die Mannschaft geplant?

Ich glaube, wenn wir anfangen zu spielen, sind genug Spieler auf dem Markt. Unser Kontingent für die deutschen Spieler haben wir schon voll. Aber wenn die Zeit kommt und wir anfangen, werden wir noch die Möglichkeit haben, uns mit ausländischen Spielern zu verstärken.

Weil Testspiele gerade schwierig zu organisieren sind, ist ein Vorbereitungsturnier an einem Ort mit allen DEL-Teams und zwei weiteren Mannschaften geplant. Wie ist da der Stand der Dinge?

Wir haben uns als Liga Gedanken gemacht, ob wir so etwas wie ein Pokalturnier als Vorbereitung auf die Liga machen können. Jede Mannschaft braucht ein paar Freundschaftsspiele. Ich glaube, es ist am einfachsten, wenn wir das alle zusammen als eine Art Pokalturnier machen. Ich finde die Idee gut.

Glauben Sie denn, dass die Coronakrise die DEL nachhaltig beeinflusst? Bisher haben immer auch kleinere Klubs oben mitgespielt. Könnte sich da jetzt eine Lücke zwischen den finanzstärkeren und den kleineren Klubs auftun, die sich dann auch sportlich widerspiegelt?

Ich glaube, das hat uns alle getroffen. Ja, wir können vielleicht ein bisschen besser überleben als andere Klubs. Es gibt immer ein oder zwei Mannschaften, die ein bisschen einen Vorteil haben. Aber ich glaube, das trifft und alle.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte und redigierte Version.

Sendung: Inforadio, 22.07.2020

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