Enttäuschte Potsdamerin Lara Prasnikar (Archiv). / imago images/foto2press
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Saisonrückblick | Turbine Potsdam - Gut, aber (noch) nicht gut genug

Hinter Turbine liegt eine durchwachsene Saison. Die großen Klubs sind den Potsdamerinnen enteilt, mit Platz vier haben sie ihr Saisonziel letztlich aber erreicht. Darauf wollen sie nun aufbauen - und schielen sogar aufs internationale Geschäft.

Das emotionale Highlight der Saison

Selbst der Himmel über Potsdam weinte. "Wir wollten für unsere Spielerinnen, die gehen und für uns das Beste rausholen", sagte Gina Chmielinski. Mit dem 2:1-Sieg zum Saisonabschluss und dem gesicherten vierten Platz war das gelungen und dennoch passte der Regen, in dem die Torschützin stand, am letzten Sonntag ins Bild.

Denn bei Turbine herrschte Abschiedsstimmung. Nach vier Jahren endete die Zeit von Trainer Matthias Rudolph in Potsdam. Sportliche Gründe spielten bei der Entscheidung keine Rolle. Umso schwerer fiel es Präsident Rolf Kutzmutz, den Coach, der wegen seines Lehrerjobs nicht hauptamtlich als Trainer arbeiten kann, verabschieden zu müssen. "Das ist mir auch sehr nahe gegangen", sagt der 72-Jährige über die schwere Entscheidung.

Mit Sarah Zadrazil, Lara Prasnikar, Caroline Siems und Rahel Kiwic verlassen zudem langjährige Spielerinnen das Team. "Dieser Abschied von Spielerinnen, mit denen man eine Saison oder länger zusammengespielt hat, geht vielen doch ganz schön nah", weiß Kutzmutz.

Der Tiefpunkt der Saison

Auch knapp vier Wochen zuvor zerrte ein Spiel an den Nerven von Turbine. Heimrecht hatten sie im Viertelfinale des DFB-Pokals. Das Halbfinale war sogar schon ausgelost, Leverkusen wäre es geworden. "Also alles machbar", sagt Präsident Kutzmutz rückblickend über Turbines große Chance, in dieser Saison doch noch einen Titel zu gewinnen.

Und die Potsdamerinnen gingen in Führung. Doch kurz vor der Pause reichten den Gästen zwei Minuten für zwei Tore, am Ende flog Turbine mit einer 1:3-Niederlage aus dem Wettbewerb. "Wir haben an dem Tag schlussendlich sogar verdient verloren und sind ausgeschieden, obwohl wir uns sehr viel vorgenommen hatten", bilanziert Kutzmutz den Viertelfinalauftritt seines Teams. "Ich glaube, auch die Spielerinnen waren sehr enttäuscht, weil sie an dem Tag nicht das abrufen konnten, was sie eigentlich drauf haben."

Die Lehre der Saison

Doch ein bisschen sinnbildlich stand dieses Spiel dann doch für die Saison der Brandenburgerinnen und das, was man aus ihr mitnehmen kann. "Uns ist es zum wiederholten Mal passiert, dass wir zwei Tore in zwei Minuten kassieren", analysierte Sophie Weidauer nach dem Pokal-Aus. Es waren oft kleine Momente, die Turbine in dieser Saison den einen oder anderen Punkt mehr oder bessere Ergebnisse gekostet haben.

"Der vierte Platz, den wir erreicht haben, ist aller Ehren wert", stellt Präsident Rolf Kutzmutz zunächst klar. "Aber man analysiert ja eine Saison nicht nur nach dem Tabellenplatz, sondern nach vielerlei Zahlen. Da muss man einfach sagen: Da gibt es eine ganze Reihe von Reserven." Ganze zwölf Punkte trennen Turbine vom dritten Platz. Die Spitze: nahezu unerreichbar. Vor allem die Defensive ist eine Schwachstelle. "Ich kann mich kaum an eine Saison erinnern, in der wir 45 Gegentore bekommen haben", so Kutzmutz.

Der Ausblick

Daran wollen sie nun arbeiten. Am 20. Juli startet der einstige Serienmeister in die Saisonvorbereitung - mit einigen jungen Neuzugängen und einem neuen Mann an der Seitenlinie. "Der Trainer hat in den Gesprächen, die wir geführt haben, gleich unser generelles Ziel akzeptiert, dass Turbine die Spitze der deutschen Frauen-Bundesliga mitbestimmen will", sagt Kutzmutz über Sofian Chahed.

Der dritte Platz berechtigt in der kommenden Saison zur Teilnahme an der Champions League. Eine Chance, um die auch die Brandenburgerinnen kämpfen wollen. Die detaillierten Zielstellungen wird der Trainer gemeinsam mit den Spielerinnen festlegen. Vom Etat kann der Klub zwar nicht mit der Konkurrenz aus Wolfsburg oder Bayern mithalten, mit harter Arbeit will sich Turbine dennoch wieder kontinuierlich an die Spitze heranarbeiten. "Es geht darum, das Gute aus der Vergangenheit und das, was uns mal ausgezeichnet hat, mit dem Neuen so zu verbinden, dass wirklich etwas ganz Neues entsteht."

Sendung: Inforadio, 30.06.2020, 14:15 Uhr

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