Sofian Chahed ist neuer Trainer bei Turbine Potsdam (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Audio: Inforadio | 22.07.2020 | Astrid Kretschmer | Bild: dpa/Fabian Sommer

Interview | Neuer Turbine-Trainer Sofian Chahed - "Der größte Unterschied ist, dass die Haare länger sind"

Sofian Chahed hat offiziell seine Arbeit als Trainer bei Turbine Potsdam begonnen, es ist seine erste Station im Frauenfußball. Im Interview spricht der Ex-Herthaner über seine ersten Eindrücke, die Unterschiede zu Männerteams und seine Spielidee.

rbb|24: Herr Chahed, wie waren Ihre ersten Tage als Turbine-Trainer?

Sofian Chahed: Die haben mit dem kurzen Kennenlernen der Mannschaft angefangen. Ich kannte die Spielerinnen natürlich schon vorher, weil ich mir Spiele angeschaut habe. Seit Montag sind wir endlich im Training und ich freue mich, dass wir wieder gemeinsam auf dem Platz stehen können. Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Auch die Neuzugänge haben Hand und Fuß und wurden mit Sinn und Bedacht ausgewählt. Sie haben in den ersten Trainingseinheiten auch schon alle bewiesen, dass sie uns mit Sicherheit helfen können in der Zukunft.

Sie haben gesagt, dass Sie sich die Mannschaft viel im Video angesehen haben, im Karl-Liebknecht-Stadion waren Sie auch schon bei einem Spiel. Wie haben Sie sich ansonsten auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet?

Ich habe mein Netzwerk ein bisschen spielen lassen und natürlich viel telefoniert. Ansonsten habe ich mich so vorbereitet, wie ich mich immer auf eine Saison vorbereite: Ich habe die Mannschaft analysiert und geschaut, welcher Spielstil zu ihr passt, was man jetzt in den ersten Trainingseinheiten natürlich noch ein bisschen verfeinern muss. Ich habe inzwischen fast alle Spiele gesehen, die man sehen kann. Jetzt möchte ich mir ein neues Bild machen.

Orientieren Sie sich als Trainer mehr an dem Spielermaterial und entwickeln daraus eine Spielidee oder kommen Sie mit einer Idee und die Damen müssen sich dann darauf einstellen?

Beides. Ich habe schon eine Spielidee im Kopf, aber natürlich kann man die eine oder andere Stellschraube nochmal drehen, um alles perfekt auf die Mannschaft zuzuschneidern. Ich bin da auch variabel und sage nicht, wir müssen so oder so spielen. Wir müssen schauen, was wir an Spielerinnenmaterial zur Verfügung haben und dann wird es darauf hinauslaufen, dass wir gemeinsam eine Spielidee entwickeln.

Wie sieht denn diese Idee aus, die Sie im Kopf haben?

Das ist Überraschungsfußball, so habe ich es in einem Interview mal genannt. Wir werden sicherlich aus einer kompakten Grundordnung heraus unsere schnellen Spitzen einsetzen können. In der Frauen-Bundesliga werden wir ganz viel Ballbesitz haben. Da werden wir die eine oder andere Möglichkeit entwickeln, um breit gefächert zu stehen. Da möchte ich aber nicht zu sehr ins Details gehen.

Diese Frage kam in letzter Zeit sicher häufiger, trotzdem stelle ich sie noch einmal: Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen einem Männer- und einem Frauenteam?

Der größte Unterschied ist, dass die Haare länger sind. (lacht) Aber ansonsten sehe ich kaum Unterschiede. Klar sind athletisch durch die Genetik ein paar Unterschiede da. Ich habe mich für die Aufgabe begeistern können und werde das genauso angehen wie mit einer Herrenmannschaft.

Wie ist eigentlich der Kontakt zu Turbine Potsdam zustande gekommen?

Der Kontakt ist über Michael Hartmann (ehemaliger Hertha-Profi, Anm. d. Red.) zustande gekommen, weil er wusste, dass ich mich auch ein bisschen anderweitig umschaue und mit dem Vize-Präsidenten von Turbine, Uwe Reher, enger befreundet ist. Dann ist dort mal mein Name gefallen. Nachdem feststand, dass Herr Rudolph nicht mehr weitermacht, hat sich Herr Reher bei mir gemeldet und ich war dem natürlich nicht abgeneigt. Dann haben wir uns zu den ersten Gesprächen getroffen und die waren alle durchweg positiv. Ich habe mich in diesem Zeitraum natürlich viel mit Frauenfußball beschäftigt. Nach dem zweiten Gespräch stand für mich fest, dass ich die Aufgabe gerne machen würde.

Turbine Potsdam wird in den nächsten drei Jahren mit Hertha BSC kooperieren. Wie können Sie davon auch als Trainer profitieren?

Ich denke, das wird sich mit der Zeit herausstellen. Ich habe ja auch noch gute Verbindungen zu Hertha BSC. Meine Verpflichtung hat damit allerdings nichts zu tun, die Kooperation stand schon vorher fest. Insofern bin ich davon losgelöst, arbeite für den Verein und schaue natürlich, dass wir, wenn wir von einem großen Lizenzklub wie Hertha BSC Hilfe benötigen, die auch bestmöglich in Anspruch nehmen. Es ist glaube ich eher ein Vorteil, dass ich die handelnden Personen und die Abläufe bei Hertha BSC kenne.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, Potsdam sei ein Traditionsverein. Man kann die Spielerinnen allerdings nicht mit viel Geld nach Potsdam locken. Wie überzeugt man talentierte Spielerinnen, nach Potsdam zu kommen?

Ich glaube, da braucht man gar nicht so viel Überzeugungsarbeit leisten. Wir machen hier sehr gute Arbeit und bilden junge Spielerinnen gut aus, so dass sie über uns vielleicht auch den nächsten Schritt gehen können. Wir wissen, dass wir finanziell nicht mit Wolfsburg und den Bayern mithalten können. Insofern ist es für sie das Sprungbrett, aber wir freuen uns natürlich auch, dass die Spielerinnen, wenn wir sie ausbilden, Turbine die Treue halten.

Aus dem Profigeschäft als Spieler sind Sie ja noch gar nicht so lange raus. Was für ein Trainertyp sind Sie denn im Umgang mit den Spielerinnen? Eher der Kumpeltyp oder autoritär: Wie würden Sie sich da beschreiben?

Ich würde mich als Mischung beschreiben. Ich weiß, wann ich mal aufs Gaspedal drücken muss und wann ich mal empathisch entgegenwirken muss. Das hält sich die Waage.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jakob Rüger, rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 22.07.2020, 10:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sofian hatte früher aber auch mehr Haare! Jetzt hat er meine Frisur... ;))

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