Das Stadion An der Alten Försterei mit Fans auf der Waldseite. (Quelle: imago images/ Matthias Koch)
Bild: imago images/ Matthias Koch

Volles Stadion und Corona-Tests - Geisel zeigt sich offen für Union-Vorstoß

Union Berlins bundesweit einmaliger Vorstoß, bald wieder eine "Vollauslastung" des Stadions An der Alten Försterei anzustreben, hat eine Diskussion entfacht. DFB und Sportsenator Geisel zeigen sich offen dafür, die CDU nennt die Pläne dagegen "grotesk".

Berlins Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hat sich offen für Pläne des Fußball-Bundesligisten 1. FC Union gezeigt, in der kommenden Saison trotz Corona von Anfang an im komplett gefüllten Stadion zu spielen. "Wir verstehen Unions Ambitionen", sagte der SPD-Politiker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden uns zeitnah mit der Vereinsführung treffen, um über das Konzept zu sprechen." Natürlich müsse ein Konzept die hygienischen Anforderungen erfüllen und von der DFL getragen werden, fügte Geisel hinzu. "Es sollte keine unterschiedlichen Lösungen innerhalb der Bundesliga geben."

Während Geisel den Plänen der Berliner also durchaus offen gegenüber steht, bremst Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Hoffnungen auf ausverkaufte Stadien. Er rechnet zu Saisonbeginn mit Geisterspielen - hält eine Lockerung im September für zu früh. "Die drei Regeln Abstand, Maske und Hygiene sind unverzichtbar dafür, dass wir diesen Weg gehen. Dann könnte ich mir vorstellen, dass wir im Oktober, November wieder Zuschauer in den Stadien haben. Volle Stadien werden dies aber nicht sein", sagte Pistorius der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"22.000 Tests technisch und organisatorisch möglich"

Die Köpenicker hatten am Freitagabend mit der Veröffentlichung ihres Vorhabens für mächtig Wirbel gesorgt. Der Klub will "spätestens" ab dem ersten Spieltag der kommenden Saison - also dem 18. September - wieder eine "Vollauslastung" des Stadions An der Alten Försterei erreichen. Dazu soll es umfassende Tests auf das Coronavirus für alle Stadionbesucher geben. Einlass ins Stadion würde dann mit negativem Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, und gültiger Eintrittskarte gewährt werden.

Die 22.000 Tests seien "grundsätzlich auch technisch und organisatorisch in einem kurzen Zeitraum möglich", erklärte Pressesprecher Christian Arbeit am Samstag im Exklusiv-Interview gegenüber rbb|24. Man werde über diesen Vorschlag mit dem Senat und dem zuständigen Gesundheitsamt diskutieren und wolle Pläne "so schnell wie möglich" umsetzen, klar sei aber auch: "Gründlichkeit geht vor Eile."

Gemischte Reaktionen aus Sport und Politik

Auch DFB-Präsident Fritz Keller wünscht sich wieder Zuschauer in den Arenen. Der 63-Jährige strebt dabei ähnlich wie Union Berlin möglichst schnell sogar wieder volle Stadien an. "Mein Traum wäre es, über Testungen, vielleicht irgendwann mal ein volles Stadion zu kriegen", sagte Keller dem SWR Sport. Mit den Tests könne im Idealfall dafür gesorgt werden, dass es im Stadion keine Ansteckungsgefahr gibt, so Keller weiter. "Über allem" stehe bei den Plänen und Überlegungen aber immer die Gesundheit der Menschen, betonte er. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) äußerte sich bislang nicht konkret zum Vorstoß des 1. FC Union und verwies auf laufende Gespräche mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Berlins zweiter Bundesligist Hertha BSC zeigt sich hingegen skeptisch und rechnet nicht mit vollen Stadien zum Saisonbeginn. Dem "Tagesspiegel" erklärten die Charlottenburger, man arbeite "intensiv an einem Konzept zum Spielbetrieb mit möglichst vielen Zuschauern im Olympiastadion. Ob und in welcher Form aktuelle Corona-Tests dabei eine Rolle spielen, können wir zum heutigen Tage nicht abschließend beurteilen."

Kritik an dem Plan äußerte auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Das halte ich für nicht vertretbar", sagte der Politiker dem "Tagesspiegel". Man könne "nicht mit Sicherheit ausschließen, dass Infizierte ins Stadion kommen". Zuschauer könnten sich auch noch unmittelbar vor Spielbeginn und damit nach Abgabe des Corona-Tests infizieren, außerdem bestehe die Gefahr falscher negativer Test-Ergebnisse.

CDU nennt Pläne "grotesk"

Auch der Berliner CDU-Gesundheitspolitiker Tim-Christopher Zeelen hat Unions Pläne zurückgewiesen. "Ich finde es nahezu grotesk, jeden Zuschauer vorab testen zu lassen", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus der Deutschen Presse-Agentur. "Wer soll die Tests durchführen? Wer soll das am Einlass kontrollieren? Alles Fragen, die unbeantwortet bleiben", so Zeelen. "Deshalb halte ich die Diskussion zu diesem Thema für vollkommen verfrüht."

Für ihn sei im nächsten Schritt entscheidend, "dass unsere Kinder wieder zurück in die Kitas und Schulen können, und unsere Senioren in den Pflegeeinrichtungen zu schützen." Dafür würden die geschaffenen Testkapazitäten gebraucht. "Sie haben in jedem Fall Vorrang vor jeglicher Freizeitaktivität", betonte Zeelen.

Sendung: Abendschau, 11.07.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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35 Kommentare

  1. 35.

    Sicherlich ein guter Ansatz für eine Diskussion, aber ganz sicher viel zu früh.

  2. 34.

    So richtig verstanden habe ich das Konzept nicht. Wann sollen denn die 20000 Leute getestet werden? Muss sich jeder persönlich sein Ticket vorher abholen , dabei den Test machen? Wie lange dauert denn derzeit die Auswertung? Das wäre doch nur sicher, wenn es ginge wie Fieber messen beim Einlass- kein Fieber ,rein.
    Wird der Test Tage vorher gemacht und der Getestete lebt bis zum Spiel sein normales Leben dann ist der nichts mehr wert.
    Wieviel kostet der Test heute? 50 € oder mehr?
    Werden die auf den Ticketpreis aufgeschlagen?
    Mengenrabatt geht nicht, wenn jeder Test richtig ausgewertet werden soll.
    Wie groß sind die Kapazitäten, wenn man einfach so viele abzweigen kann?

  3. 33.

    22.000 Test, das ist in etwa die Testkapazität eines Tages in Berlin, und selbst wenn jemand es hinbekommen würde die 22.000 Tests zu leisten, dann bestimmt nicht zum Schnäppchenpreis von 25€. Mit Abstrichmaterial und Schutzkleidung ist der Betrag nicht mal kostendeckend. Wenn man Abstriche kaufen kann, die Lager der Großhändler sind leer. Es war gerade ein Krampf 11.000 Abstriche für eine langfristige Corona Studie zu organisieren. Die Krise ist nicht vorbei.

  4. 32.

    Das Konzept, das der Angabe nach auch die Finanzierung der Tests beinhaltet, kann ich Ihnen nicht erklären, da ich darin keinen Einblick habe. Aber Sie können doch nicht ernsthaft annehmen, dass der Verein öffentlich behauptet die Tests zu bezahlen - in dem Wissen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht und eigentl. der Steuerzahler dafür aufkommen soll?!

    Und was die causa "Bayernspiel" betrifft, empfehle ich Ihnen nochmal den genauen zeitlichen Ablauf zu rekonstruieren. Dann ergibt sich nämlich, dass der FCU keineswegs gegen alle Vernunft und den gesellschaftlichen Konsens handeln wollte. Die Pressearbeit war damals sicher nicht ganz optimal, aber das ist auch das einzige, was man dem Verein dbzgl. vorwerfen kann.

  5. 31.

    Ich sehe da nichts diffuses, sondern meine Meinung. Und die zur Vereinsführung von Union ist seit dem Eiertanz um das Bayern Spiel im März sehr viel anders geworden. Auch Hr. Zingler & Co sind in erster Linie Geschäftsleute. Wie Union vor jedem Heimspiel die Tests finanzieren will, ohne den Steuerzahler zu belasten, erkläre es mir bitte, ich bin der Meinung, das geht nicht.

  6. 30.

    Behauptungen aufgrund von Vermutungen aufzustellen und diffuse Andeutungen als Untermauerung dafür heranzuziehen, ist nicht gerade die feine Art zu diskutieren. Meinen Sie nicht auch, CB Frank?!

  7. 29.

    Zitat: "Da wird einem richtig schlecht von dieser A.- Kriecherei. Alle Ambitionen von Hertha bezüglich eines neuen Stadions werden von Herr Geisel boykottiert. . . .Unglaublich"

    Unglaublich ist Ihr Äppel-/Birnenvergleich, Andreas. Ihnen geht es hier doch gar nicht um den Vorschlag des 1. FC Union, sondern ganz offensichtlich nur um Animositäten gegen den Stadtrivalen. Nicht unwitzig ist ja, dass Sie mir eine absolut eingeschränkte Fansicht vorwerfen, selbst aber vollkommen unsachlich argumentieren.

  8. 28.

    Man kann doch mal darüber nachdenken wie so ein Spiel mit Zuschauern möglich werden könnte. Vielleicht haben andere auch Ideen und man findet ein gutes machbares Konzept. Union hat doch schon öfter gezeigt was mit seinen Fans zusammen alles gemacht werden kann.
    Es wurden doch auch Möglichkeiten gefunden für Gaststättenbesuche, zum Reisen uvm.
    Ach ja, ich bin kein Fußballfan.

  9. 27.

    Glaub der Durchschnitt pro Spiel liegt in der 1. Liga bei 40000 und in der 2. bei 20000. Also pro Spieltag 60000 Tests pro Spiel. Auch wenn nicht alle am selben Tag spielen, so ist doch eine Konzentration am Samstag. Auch mit sog. Pooltests, bei denen man einfach mehrere Proben zusammenwirft und darauf hoffen kann, dass alle negativ sind, bleiben da enorme Kosten. Und die Kapazitäten sind gerade zum Wochenende doch eher begrenzt. Ähm... Wer soll das schaffen? Das Konzept möchte ich mal sehen

  10. 26.

    Stimmt. Diese Kommentare sind vlt von Union gesponsert? So einen „Fan“ kann es garnicht geben. Denn dazu gehört auch, Kritik zu üben. Die besten Freunde sind die, die einen auch mal kritisieren. Ansonsten sind es eben eher Hörige.

  11. 25.


    Warum wird eigentlich nur immer nur davon geredet, was nicht geht? Da kommt mal ein Vorschlag, wie es vielleicht funktionieren könnte und schon geht das Geschrei los. Ob es tatsächlich funktioniert ist was anderes, aber drüber nachdenken kann man doch wohl.
    Und was hat ein Stadion für hertha damit zu tun? Nichts!!! Der Vorschlag auf dem flughafengelände zu bauen liegt seit fast einem Jahr auf dem Tisch. Reaktion von herha: keine. Kompromißbereitschaft: keine. Mal drüber nachdenken Andreas

  12. 24.

    Stimmt eben nicht, wurde auch schon öfters hier dargelegt, und wird auch durch ihre ständige Wiederholung nicht richtiger.
    Outdoor ist so gut wie keine Ansteckungsgefahr, das Problem sind nur beengte und schlecht belüftete Innenräume.
    Sonst hätten wir ja nach den Demonstrationen hier z.b. Massen Ausbrüche gehabt.
    Ich hoffe das jetzt endlich mal Konzepte entwickelt werden, das wieder ein normales Leben stattfinden kann und wir nicht für Jahrzehnte in Angst und Schrecken dahinsiechen.

  13. 22.

    Gehts noch? Was für eine Arroganz und asoziales Verhalten.An welchem Köpenicker Stammtisch ist dieses Hirngespinst entstanden?Kein Gesundheitsamt in Berlin ist in der Lage das personell zu stemmen und schon gar nicht an einem Freitag, wo man in Berliner Ämtern ab mittags sowieso niemanden mehr erreicht .
    Abgesehen davon sagt der Test auch nur, dass man im Moment gesund ist und nicht auch am nächsten Tag beim betreten des Stadions.
    Übrigens mal nachfragen in Bergamo! Dort gilt das Championsleague-Spiel Bergamo-Valencia am 19.02. als DER Ansteckungsherd für den riesigen Coronaausbruch.

  14. 21.

    Nur mal so zum Nachdenken hinsichtlich der Organisation... Es betrifft ja alle Vereine und alle Zuschauer. Diese geballte Menge an Tests, deren Auswertung und Bekanntgabe der Ergebnisse erscheint mit eine Gemengelage zu sein, die Union etwas unterschätzt. Zum Beispiel für die jeweiligen Fans der Gastmannschaften ist das zeitlich sehr schwer.... Das Ergebnis darf bei Spielende nicht älter als 24 Stunden sein? Was ist nach Spielende, wenn alle gemeinsam abreisen? Da muss noch viel überlegt werden, bevor es zu einem brauchbaren Lösung kommen kann. Wer macht den Test? Welche Labore stehen zur Verfügung für diese Massen? Wie schnell bekommt man und in welcher Form das Ergebnis? Union hat ein Konzept dafür? Oder nur eines für den eigenen Verein?

  15. 20.

    Vlt sollten Spiele nur in großen Stadion und da mit ausreichend Abstand zwischen den Zuschauern stattfinden. Im Oly kann man 20.000 gut verteilen. Etwas Flexibilität täte der Liga gut. Mehr Spieltage und dafür dann die großen Stadien für alle nutzen. Oder Turniere.... Massenveranstaltungen sind eben schwierig.

  16. 19.

    Das sollte intern geklärt werden. Wenn jeder einzelne Verein nun mit Ideen in die Öffentlichkeit geht ist das eher kontraproduktiv. Bitte innerhalb des DFB und / oder der DFL ein Konzept entwickeln und dann an die Politik damit. Diese Öffentlichkeitsarbeit ist Selbstdarstellung.

  17. 18.

    Dem Senat sind doch die Einsatzkräfte sowieso egal. Hauptsache man macht sich bei seiner Klientel beliebt.
    Union wird diese vielen Tests auch nicht selbst finanzieren. Das rechnet sich überhaupt nicht. Also wird letztlich der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Dafür gibt es dann Abstriche bei Schulen oder Kitas.
    Hauptsache der Rubel rollt und die Fußballmillionäre verdienen und verdienen.

  18. 17.

    Indiskutabel! Andere Mannschaftssportarten dürfen weiterhin nicht stattfinden, kein normaler Trainingsbetrieb, keine Wettkämpfe, Tausenden wird der Sport und die Saison kaputt gemacht, aber Fußball darf sogar mit Zuschauern stattfinden ??

  19. 16.

    Da wird einem richtig schlecht von dieser A.- Kriecherei. Alle Ambitionen von Hertha bezüglich eines neuen Stadions werden von Herr Geisel boykottiert. Und dieser Vorschlag von Union, in der jetzigen Situation, wird unterstützt. Unglaublich

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