Trainer Jürgen Klinsmann am Spielfeldrand (Bild: dpa/Laci Perenyi)
Audio: Inforadio | 06.07.2020 | Lars Becker | Bild: dpa/Laci Perenyi

"Es tut mir sehr leid" - Jürgen Klinsmann räumt Fehler bei Hertha-Abgang ein

Erst überraschte Jürgen Klinsmann Mitte Februar alle - Verein inklusive - mit seinem Rücktritt via Facebook. Dann schoss er in einem internen Protokoll, das doch öffentlich wurde, scharf gegen die Verantwortlichen von Hertha BSC. Nun entschuldigt er sich.

Jürgen Klinsmann hat Selbstkritik geäußert an der Art seines heftig kritisierten Abgangs nach dem Kurz-Gastspiel als Hertha-Trainer. "Es tut mir sehr leid, wie mein Weggang von Hertha BSC zustande kam, nachdem wir sechs Punkte zwischen uns und den Relegationsplatz gelegt hatten", sagte der 55-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Verschiedene Vorstellungen über seine Rolle

Der einstige Weltklasse-Stürmer war als Vertrauter von Investor Lars Windhorst zunächst als Mitglied des Aufsichtsrates der Profiabteilung zu Hertha gekommen und hatte dann vom glücklosen Ante Covic die Cheftrainer-Rolle übernommen. Noch in der Winterpause gingen der 55-Jährige und Hertha BSC auf große Shopping-Tour: Knapp 80 Millionen Euro wurden in Neuzugänge investiert - so viele wie bei keinem anderen Verein weltweit. Umso lauter der Knall, als der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 kurz darauf hinwarf.

Mit den Vorstellungen über seine Rolle beim aufstrebenden Hauptstadtklub lagen Vereinsführung und der einstige Bundestrainer offensichtlich weit auseinander. Im Trainingslager in der Winterpause hatte Klinsmann signalisiert, dass er sich eine Ausweitung seines Engagements bei Hertha vorstellen könne. Doch eine - von ihm gewünschte - formale Einigung über einen neuen Vertrag mit erweiterten Kompetenzen kam zu diesem Zeitpunkt nicht zustande. "Wir haben es damals in zehn Wochen leider nicht geschafft, zu einer schriftlichen Vereinbarung zu kommen", bemerkte Klinsmann jetzt.

"Heute noch ein Rätsel, wie das an die Medien kam"

Nach dem überraschenden Rücktritt und Vorwürfen gegen die Vereinsführung, gelangte zudem ein Katalog über von Klinsmann skizzierte Missstände bei Hertha an die Öffentlichkeit - auch dafür entschuldigte sich Klinsmann nun. "In der Umsetzung meines Weggangs habe ich sicherlich Fehler gemacht und dafür möchte ich mich nochmals entschuldigen", erklärte der Wahl-Amerikaner. "Dass anschließend eine Analyse, die ich in meiner Eigenschaft als Berater des Investors für den internen Gebrauch erstellt habe, an die Öffentlichkeit kam, hat allen Beteiligten geschadet. Mir ist heute noch ein Rätsel, wie das an die Medien kam."

In dieser Abrechnung mit seinem 77-Tage-Auftritt in Berlin, die gekürzt auf 22 Seiten in der "Sport Bild" erschien, attackierte Klinsmann Hertha und insbesondere Michael Preetz scharf. "Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung", hieß es unter anderem - und zu den Beziehungen der Profis zum Manager war zu lesen: "Es gibt eine Lügenkultur, die auch das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört hat." Zudem kritisierte Klinsmann "jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen".

Nun schlägt der 55-Jährige mit fünf Monaten Abstand versöhnliche Töne an. "Das ist Vergangenheit. Das Allerwichtigste ist, dass Hertha den Klassenverbleib geschafft hat und in der Bundesliga bleibt."

Sendung: Inforadio, 06.07.2020, 08:15 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Egal wie er gegangen ist.. Die Kritik an Preetz und vorhandenen Strukturen ist berechtigt.. Ich bin seit 1989 Hertha Fan und seit der Zeit dümpelt die alte Dame in der 2.Liga im Mittelfeld der 1. oder ist vom Abstieg bedroht oder sogar wieder abgestiegen.. Wer es in fast 30 Jahren nicht schafft mal ganz oben mitzuspielen der hat klare Defizite.. Im Management und anderswo..dies ist nicht nur Preetz Versäumnis aber nun ist er seit geraumer Zeit Manager und wir müssen uns freuen nicht abgestiegen zu sein..das sagt wohl alles.. HA HO HE??? Wohl eher Haha Ojeee..

  2. 10.

    Auch Herr Klinsmann kann nur um Entschuldigung bitten. Sich selbst entschuldigen geht nicht!

  3. 9.

    Bei aller Kritik an Klinsi....seine Aussagen zur Hertha Geschäftsführung waren und SIND meiner Ansicht nach richtig.

  4. 8.

    So sehe ich es auch. Und nun einfach nach Vorne blicken. Klinsmann ist Vergangenheit. Was er erklärt oder nicht ist schnuppe

  5. 7.

    Stillos, Herr Klinsmann!
    Benehmen müssen Sie noch lernen.

  6. 6.

    War es nicht schon ein Fehler zu Herth... äh, Tennor BCC zu gehen?

  7. 5.

    Arrogant und charakterlos, mehr fällt mir zu Herrn Klinsmann nich nicht ein...

  8. 4.

    Der soll mal still sein. Für einen erwachsenen Mann hat er zu viel Blödsinn gemacht und Hertha sehr geschadet.

  9. 3.

    Die Entschuldigung kann er sich schenken..

  10. 2.

    Die Einsicht, fehlerhaft gehandelt zu haben, ist sicher lobenswert. Man kann auch nur um Entschuldigung bitten und sich nicht selbst entschuldigen.
    Seiner Reputation hat er jedoch dauerhaft geschadet.

    Ich sehe ihn nun als das, was er ist. Ein Mensch, der bei den ersten Komplikationen und Problemen hinschmeißt.

  11. 1.

    Klinsmann, wer ?

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