Hertha-Trainer Bruno Labbadia beim Trainingsauftakt (Quelle: dpa/Andreas Gora)
Audio: Inforadio | 28.07.2020 | Jakob Rüger | Bild: dpa/Andreas Gora

Hertha-Trainer Bruno Labbadia - "Wir werden mit dem Geld keine neue Mannschaft aufbauen"

Kleine Premiere: Hertha-Trainer Bruno Labbadia hat erstmals wieder mit seiner Mannschaft auf dem Platz gestanden. Im Anschluss sprach er über die wichtigsten Punkte der Vorbereitung, Herthas Ziele und Besonnenheit bei Transfers.

Die Stirn von Bruno Labbadia glänzte ein wenig. Gerade hatte er mit seinen Profis bei sommerlichen Temperaturen die erste Trainingseinheit absolviert - und geriet dabei offensichtlich auch selbst ein wenig ins Schwitzen. Immerhin muss er die Berliner auf eine ungewöhnliche Saison mit extrem kurzer Winterpause vorbereiten. Auch auf ein Trainingslager verzichtet der Hauptstadtklub angesichts der Umstände. Nach der ersten Einheit sprach der 54-Jährige über...

...die ersten Eindrücke von seiner Mannschaft:

Erstmal sind wir happy, dass wir wieder auf dem Platz stehen können. Wir mussten ja auch wieder zwei Corona-Tests hinter uns bringen, damit wir endlich auf den Platz konnten. Wir haben viel Fußball gespielt, was uns total wichtig ist. Der erste Eindruck ist, dass wir ein gutes Gefühl haben.

...die Vorbereitung auf die neue Saison ohne Trainingslager:

Wir haben einen klaren Plan, den haben wir der Mannschaft heute vorgestellt. Wir sind große Freunde davon, die Mannschaft immer mitzunehmen, damit sie weiß, was auf die zukommt, was wir von ihr erwarten und was sie von uns erwarten können. Das ist auch unser erstes Ziel, dass wir eine sehr gute Vorbereitung machen. Wenn die Spieler so gut mitmachen, wie sie das vor dem Restart gemacht haben, dann ist mir nicht bange. Das war top und genau das wollen wir weiter machen. Wir wollen unsere Spieler weiterentwickeln und dazu ist die Vorbereitung sehr, sehr wichtig.

...die Trainingsinhalte:

Das sind verschiedene Dinge. Wir müssen natürlich an den Grundlagen arbeiten, denn wir werden keine oder nur eine kurze Winterpause haben. Das ist eine neue Situation. Da werden wir auch in der Saison sehr clever sein müssen, weil es Neuland für uns ist. Aber wir müssen eine gute Grundlage schaffen, das heißt, die ersten drei Wochen werden große Umfänge gefahren. Aber ganz wichtig ist auch, immer Fußball zu spielen. Ich finde, ein Tag, an dem man keinen Fußball spielt, ist ein verlorener Tag. Der zweite Teil wird dann sein, im Detail zu arbeiten, unser Angriffsspiel besser zu machen, den Spielaufbau, also viele kleine Details. Da freuen wir uns drauf, weil das auch ein Stück Antrieb ist und Freude macht, wenn man sieht, dass eine Mannschaft das umsetzt.

...Neuzugang Lucas Tousart:

Wir erhoffen uns, dass er das, was er an Qualität hat, bei uns einbringen kann. Wir wissen nicht, wie viel Zeit er dafür braucht. Das ist das erste Mal, dass er in einem fremden Land ist. Er ist noch ein junger Spieler, auch wenn er schon sehr erfahren ist für sein Alter. Er ist ein Spieler, der fußballerisch sehr gute Qualitäten und ein unglaublich gutes Raumgefühl hat. Er hat sehr schlaue Ballgewinne und spielt den Ball dann relativ schnell vertikal nach vorne und er hat auch eine gewisse Torgefahr. Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich reinkommt und werden alles versuchen, dass er das schnell hinbekommt. Aber umgekehrt geben wir ihm auch die Zeit und werden keinen Druck aufbauen, weil er für die nächsten Jahre auch ein wichtiger Baustein sein soll.

...die Saisonziele:

Klar wissen wir, dass von außen so ein bisschen was reingetragen wird, was nicht ganz so ist, wie es eigentlich wirklich ist. Wir sind happy, dass wir mehr Geld zur Verfügung bekommen haben. Wir wissen aber auch, dass das nicht so viel mehr ist als viele Mannschaften, die vor uns in der Tabelle stehen. Wir müssen das Geld sehr schlau anlegen. Wir werden damit keine neue Mannschaft aufbauen, müssen aber trotzdem eine Achse aufbauen. Das macht es natürlich sehr kompliziert, weil wir sehr gute erfahrene Spieler verloren haben, die die Achse in den letzten Jahren gebildet haben. Die müssen wir neu bilden. Diese Spieler zu kaufen ist sehr teuer. Da kann man an einer Hand abzählen, wie viel man für das Geld bekommt. Und wir müssen sehr sorgsam damit umgehen, weil wir gewährleisten müssen, dass das alles in normalen Bahnen läuft. Deswegen lassen wir uns da auch nicht hetzen oder verrückt machen. Wenn ich allein sehe, wer alles mit uns in Verbindung gebracht wird. Dann hätte ich keinen einzigen Tag Urlaub, bei so vielen Leuten, mit denen ich mich hätte treffen müssen. Es sind viele Spieler dabei, die weit aus unserer Reichweite sind, die wir uns überhaupt nicht leisten können. Deswegen können wir uns nur interne Ziele setzen und setzen uns am meisten unter Druck. Wir wollen definitiv besser abschneiden, als wir in der letzten Saison abgeschnitten haben. Und es ist ganz wichtig, dass wir unsere Spielart weiter kultivieren.

...das Spielsystem:

Wir werden auf jeden Fall zwei bis drei Spielsysteme probieren, weil wir auch flexibel sein wollen. Da geht es aber nicht darum, zu zeigen, wie flexibel wir mit dem System umgehen wollen, sondern darum, wie wir es schaffen, dass Spieler in ihrer bestmöglichen Position spielen, wenn sie auf dem Platz stehen. Das System ist für uns nicht relevant. Wichtig ist, dass die Spielart immer die gleiche bleibt. Das System ist dem geschuldet, welche Spielertypen auf dem Platz sind. Aber die Spielart soll immer die gleiche sein. Das werden wir in den kommenden Wochen auch trainieren, damit wir da sehr flexibel sind.

..seine bisherige Zeit bei Hertha und weitere Neuzugänge:

Erstmal muss ich sagen, dass ich es, auch wenn ich eigentlich nicht in der letzten Saison einsteigen wollte, im Nachhinein gut finde, dass ich eingestiegen bin. Ich konnte schon drei Monate mit der Mannschaft arbeiten und relativ viel Input geben. Ich konnte aber auch meine Spieler kennenlernen und weiß jetzt viel mehr, was die Mannschaft braucht und wen wir dazu holen müssen. Es wird immer oft über die Neuzugänge gesprochen, aber auch unsere Spieler, die wir hier haben, müssen besser werden. Deswegen ist es wichtig, dass wir da eine gute Auswahl treffen.

Dazu kommt aber auch noch die Situation, dass wir einen langen Transfermarkt haben bis Oktober. Aber wir werden definitiv nur Dinge machen, die wir aus Überzeugung machen. Wenn Dinge nicht so laufen, wie wir sie wollen, werden wir natürlich auch noch ein Stück warten, obwohl ich als Trainer die Mannschaft natürlich gerne schon zur Verfügung hätte, weil wir damit die Geschicke von Hertha für mindestens drei bis fünf Jahren beeinflussen.

Sendung: Inforadio, 28.07.2020, 15:15 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Bruno Labbadia macht bisher einen guten Job. Er fachlich kompetent, hat Erfahrung und zudem eine ruhige und sachliche Art. Es gibt bei ihm auch keine unrealistischen Ankündigungen und Verprechen ala Klinsmann. Wenn jetzt noch in wirklich sinnvolle Verstärkungen investiert wird, sieht es gut aus.

  2. 2.

    Irgendwie wird das Geld bei Hertha schon versickern. Dann geht das Leben als graue Maus weiter.

  3. 1.

    Sehr klare, nachvollziehbare, analytisch gute und vertrauensweckende Statements.
    Journalistisch gut aufbereitet.

Das könnte Sie auch interessieren