Collage: Oliver Ruhnert und Michael Preetz. (Quelle: imago images/Hoffmann/Camera)
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Der Kader-Check - Wie Hertha und Union in den Transfer-Sommer gehen

Für einen Tag konnten die Fußball-Klubs schon Transfers tätigen - am Mittwoch aber beginnt die Wechselperiode so richtig. Bis zum 5. Oktober kann ge- und verkauft werden. Auch die Berliner Bundesligisten Hertha und Union müssen auf einigen Positionen zuschlagen.

Vorhang auf für das große Wechsel-Theater des Sommers. Denn seit Mittwoch dürfen Hertha BSC, der 1. FC Union und all die anderen deutschen Klubs wieder ihre Kader aussortieren und auf dem Spielermarkt shoppen. Theoretisch nach Herzenslust. Praktisch doch eher so, wie es der geplagte Geldbeutel in Corona-Zeiten eben zulässt - wenn nicht gerade ein Investor wie Lars Windhorst eine riesige Millionensumme für einen erneuten blau-weißen Angriff beisteuert.

Weniger Begünstigte haben immerhin mehr Zeit als sonst. Weil die aktuelle Spielzeit in mehreren Ligen später endet und die neue dementsprechend auch später beginnt, ist der Deutsche Fußball Bund der UEFA-Empfehlung gefolgt und hat die Frist ausgeweitet. Das neue Enddatum ist der 5. Oktober. Damit sollen die Klubs international möglichst lange und flexibel ihre Transfers tätigen können.

Hertha BSC

Diese Neuzugänge sind schon bekannt

Bislang steht ein Neuzugang fest, den Trainer Bruno Labbadia zum Trainingsstart am 27. Juli begrüßen darf - und das schon seit vielen Monaten. Denn bereits im Januar hat Hertha BSC den französischen Mittelfeldspieler Lucas Tousart für rund 25 Millionen Euro von Olympique Lyon verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2025 ausgestattet, ihn dann aber - so der Deal - für die Rückrunde direkt noch einmal an Lyon ausgeliehen. Durch die Corona-Krise war dann lange nicht klar, ob der 23-Jährige tatsächlich pünktlich zum Vorbereitungsbeginn in Berlin sein würde, da Lyon noch in der Champions League vertreten ist, die in den Sommermonaten zu Ende gespielt wird. Doch Anfang Juni folgte die Einigung.

Diese Spieler kehren zurück

Torwart Nils Körber (VfL Osnabrück) und Daishawn Redan (FC Groningen) werden nach ihren Leihen zum Trainingsauftakt wieder auf dem Schenckendorffplatz stehen. Ondrej Duda, der seit Jahresbeginn bis zum vergangenen Wochenende bei Norwich City in der englischen Premier League aktiv war, stößt in Rücksprache mit dem Trainerteam ein paar Tage später zur Mannschaft.

Diese Spieler verlassen den Klub

Die Liste der Abgänge ist bereits deutlich länger. Zuletzt gaben die Charlottenburger bekannt, dass sie Kapitän Vedad Ibisevic keinen neuen Vetrag anbieten werden. Zumindest vorerst nicht - eine kleine Hintertür ließ man sich offen. Die Leihgeschäfte mit Marko Grujic (Liverpool) und Marius Wolf (Dortmund) enden. Per Skjelbred geht nach sieben Jahren zurück in seine norwegische Heimat. Alexander Esswein erhält ebenso kein neues Arbeitspapier bei Hertha BSC wie Salomon Kalou, der nach Verstößen gegen die Hygienevorschriften suspendiert wurde. Der Vertrag mit Keeper Thomas Kraft lief auch aus. Er gab im Alter von 31 Jahren sein Karriereende bekannt.

So sieht der Kader aktuell aus

Hertha hat sich bereits in der vergangenen Winter-Transferperiode gut verstärkt. Mit Matheus Cunha und Krzysztof Piatek fand man zwei Offensiv-Kräfte, die sich bereits gut in die Mannschaft eingegliedert haben. Im Mittelfeld ergänzt seit dem Winter Santiago Ascacibar (23) das Zentrum vor der Abwehr - zuletzt konnte der Argentinier sich wegen einer Verletzung allerdings kaum zeigen. Auch der Franzose Lucas Tousart (23) wird im Sommer in Herthas Kader rücken.

In der Defensive gibt es für die Blau-Weißen ebenfalls kaum Handlungsbedarf. Mit dem deutschen Nationalspieler Niklas Stark (25), dem belgischen Nationalspieler Dedryck Boyata (29), dem U21-Nationalspieler Jordan Torunarigha (22) und dem vierfachen niederländischen Nationalspieler Karim Rekik (25) steht die Abwehrzentrale in jeder Hinsicht gut da. Auch auf den Außenbahnen ist man mit Maximilian Mittelstädt (23), Marvin Plattenhardt und dem unter Labbadia wiedererstarkten Peter Pekarik (33) gut bestückt - trotzdem gut vorstellbar, dass Hertha für den Routinier eine jüngere Alternative verpflichtet. Zudem rücken aus der eigenen Jugend weitere Defensiv-Talente nach.

Auf diesen Positionen besteht Handlungsbedarf

Wirklichen Handlungsbedarf gibt es für die Charlottenburger nur auf der Torwartposition. Rune Jarstein, seit über sechs Jahren bei Hertha und lange Zeit die klare Nummer eins, wirkte in der abgelaufenen Spielzeit oft unsicher und ist daher bei weitem nicht mehr unumstritten. Hinzu kommt, dass die jahrelange Nummer zwei, Thomas Kraft, seine Karriere beendet. Hertha muss sich auf dieser Position also verstärken, es werden diverse Namen aus dem In- und Ausland gehandelt.

Auch für das offensive Mittelfeld könnte Hertha auf dem Transfermark aktiv werden. Zwar kehrt der im Winter nach England ausgeliehene Ondrej Duda nach Berlin zurück, ob der Slowake nach dem Abstieg mit Norwich City noch einmal zur Stammkraft bei Hertha wird, ist fraglich. Immer wieder gibt es Gerüchte über mögliche Neuzgänge auf der Zehner-Position, unter anderem kursierten die Namen Julian Draxler und Mario Götze, wirklich stichhaltig erschien bislang aber noch keines.

1. FC Union

Diese Neuzugänge sind schon bekannt

Zwei Mal hat Union-Manager Oliver Ruhnert bereits auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Der erste Neue kommt frisch aus der Relegation: Heidenheims defensiver Mittelfeldspieler Sebastian Griesbeck unterschrieb bei Union. Ablöse kostet er nicht, er war nach der Saison vertragslos. Gleiches gilt für Linksverteidiger Niko Gießelmann. Der 28-Jährige kommt von Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf nach Köpenick.

Diese Spieler verlassen den Klub

Nach dem letzten Saisonspiel verabschiedete der 1. FC Union acht Spieler. Klub-Urgestein Michael Parensen wird künftig nicht mehr auf dem Platz, sondern in der Geschäftsstelle des Bundesligisten ackern. Die auslaufenden Verträge mit Manuel Schmiedebach und Ken Reichel wurden nicht verlängert. Bereits Wochen vor Saisonende stand fest, dass Stammtorhüter Rafal Gikiewicz die Berliner verlassen wird. Der Pole und der Verein konnten sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Ebenso fix war der Abgang von Fanliebling Sebastian Polter. Die Köpenicker gaben einige Spieltage vor Abschluss der Spielzeit bekannt, ihn wegen "unsolidarischen Verhaltens" nicht mehr einzusetzen. Polter widersprach der Darstellung des Klubs. Die Leihspieler Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) und Yunus Malli (VfL Wolfsburg) kehren zu ihren Stammvereinen zurück. Zudem verlässt Talent Maurice Miguel Opfermann Arcones den Verein.

So sieht der Kader aktuell aus

Mit den Vertragsverlängerungen von Christian Gentner und Marius Bülter gelang es Union, zwei Schlüsselspieler aus der letzten Saison auch für die kommende Spielzeit an sich zu binden. Auch sonst ist man im Mittelfeld gut aufgestellt, Robert Andrich erwies sich als Glücksgriff und auch Grischa Prömel hat bewiesen, dass er genügend Qualität für die Bundesliga hat. Im Sturm ist man trotz des Abgangs von Publikumsliebling Sebastian Polter weiter gut aufgestellt. Sebastian Andersson wird ergänzt durch den erfahrenen Anthony Ujah.

Auf diesen Positionen besteht Handlungsbedarf

Ähnlich wie Hertha ist auch Union auf der Suche nach einem neuen Keeper. Rafal Gikiewicz verlässt den Klub und schließt sich dem FC Augsburg an. Gikiewicz hatte mit starken Leistungen großen Anteil am Klassenerhalt der Köpenicker. Einen gleichwertigen Ersatz zu finden, hat bei den Eisernen also absolute Priorität.

In der Abwehr hat der 1. FC Union bereits reagiert. Mit Niko Gießelmann hat man eine Verstärkung für die linke Seite gefunden. Doch auch im Defensiv-Zentrum muss Union noch reagieren. Mit Keven Schlotterbeck verlässt ein absoluter Leistungsträger den Verein - Schlotterbeck kehrt nach abgelaufener Leihe zum SC Freiburg zurück. Union-Ikone Michael Parensen - ebenfalls in der Innenverteidigung angesiedelt - beendet seine Karriere. Ob Florian Hübner, der in der letzten Saison auf nur elf Bundesliga-Einsätze kam, dauerhaft für eine Postition in der Startelf in Frage kommt, darf zumindest bezweifelt werden. Neben dem gesetzten Marvin Friedrich und Routinier Neven Subotic braucht Union also noch einen dritten Innenverteidiger, der das Potenzial für die erste Elf hat.

Sendung: Inforadio, 15.07.2020, 12:15 Uhr

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