Michael Parensen im Stadion an der Alten Försterei. Bild: rbb/Stephanie Baczyk
Audio: Inforadio | 21.07.2020 | Stephanie Baczyk | Bild: rbb/Stephanie Baczyk

Publikumsliebling bleibt Union treu - Parensens Plan B

Michael Parensen ist mit dem 1. FC Union in die zweite Liga und die Bundesliga aufgestiegen, hat über elf Jahre für die Eisernen gespielt und in diesem Sommer seine Karriere beendet. Für den Verein will er weiter arbeiten, aber hinter den Kulissen. Von Stephanie Baczyk

An einem der schönsten Tage seines Fußballerlebens trägt Michael Parensen ein Bandana. Ein rotes Tuch, im Rocker-Style auf den Kopf geknotet, dazu eine schwarze Sonnenbrille. Blickdicht, und das ist auch besser so, denn die vielen Stunden zuvor ist einiges an alkoholischen Kaltgetränken geflossen. An jenem Abend im Sommer 2019 jedenfalls lassen sich die Spieler des 1. FC Union im Stadion An der Alten Försterei für den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga von den Fans feiern, Parensen ist mittendrin und grinst sich einen. Die Hände in den Jeanshosen-Taschen.

Und als hänge nicht genug Liebe in der Luft, wird auch noch seine Vertragsverlängerung bekannt gegeben, ein Gänsehaut-Moment für alle Beteiligten. Keiner kickt länger für den Verein als der sympathische, bodenständige Bad Driburger. Zu diesem Zeitpunkt sind es zehneinhalb Jahre, die Unioner haben ihn längst "ewiger Micha" getauft. Und dieser "ewige Micha" gehört jetzt zum Bundesliga-Kader der Eisernen. Ein Augenblick für die Ewigkeit.

"Ich habe mir immer wieder Sachen neben dem Fußball angeschaut"

"Diese Saison war es für den Verein auch noch mal ganz wichtig – so wurde mir gesagt – dass ich da auf jeden Fall dabei bin", erzählt Parensen heute, etwas mehr als ein Jahr später. "Auch in der Kabine, um das, was wir uns die letzten Jahre aufgebaut haben, und wie die Leute hier ticken, auch in die Mannschaft zu tragen. Deswegen war das klar kommuniziert, dass die Saison auf jeden Fall noch geht und dass man dann halt sieht, was wird."

Nun, im Sommer 2020, hat Michael Parensen seine Karriere beendet, Union den Vertrag nicht verlängert, "aber wir hatten den Plan B schon im letzten Jahr erarbeitet", sagt der 34-Jährige. Er bleibt dem Klub treu, bekommt die Chance, überall mal reinzuschnuppern. Um zu gucken, wo er am besten hinpasst. "Das war ja auch eine Sache, auf die ich die letzten Jahre hingearbeitet habe", sagt er. "Ich habe nebenbei studiert und mir immer wieder neben dem Fußball auch andere Sachen angeschaut. Wie funktioniert der Verein, was vertritt er für Werte, wie funktionieren andere Vereine? Und wie machen das Leute, die schon aufgehört haben und aus dem Fußball kommen?"

Drei Mal Studium, ein Mal Bachelor

Parensen hat sich eine Grundlage geschaffen, per Fernstudium seinen Bachelor in BWL gemacht. Sein dritter Anlauf, er muss lachen. An der Uni Köln hat er es mit Geographie probiert, in Berlin dann mit Stadt- und Regionalplanung. Die Richtung hat ihn angefixt, am Ende entscheidet er sich aus unterschiedlichen Gründen doch für Betriebswirtschaftslehre. Dass es jetzt für ihn auf anderer Ebene weitergeht, sei kein "krasser Schnitt" nach der Profikarriere. Parensen hat sich eben vorbereitet, nur in welchem Bereich genau er künftig arbeiten will, das muss er noch herausfinden.

"Ich war jetzt 15 Jahre im Profifußball tätig. Natürlich möchte man dann nah am Team, an der Mannschaft sein. Weil man ja auch glaubt, dass man gewisse Erfahrungen mit einbringen kann", weiß er. "Deswegen liegt das so ein bisschen nah. Auf der anderen Seite will ich aber auch sehen: fehlt mir das? Also gehe ich jetzt einfach mal weg von der Mannschaft und schaue mir was anderes an. Die Erfahrung habe ich einfach nicht, deshalb ist das für mich ganz wichtig. Vielleicht ist es ja ganz schön, jedes Wochenende zu Hause und gar nicht abhängig von den wöchentlichen Ergebnissen zu sein."

Michael Parensen bei der Aufstiegsfeier des 1. FC Union 2019. Bild: imago-images/Matthias KochMichael Parensen mit seinem roten Bandana bei der Aufsteigersfeier 2019.

Von der Erfüllung eines Traumes

Aber eigentlich hätte Parensen gerne noch eine Saison drangehängt, noch ein paar Bundesligaeinsätze auf seine neun gesammelten draufgelegt. Wäre am liebsten noch mal eingetaucht in die laute Alte Försterei, die wie alle Stadien coronabedingt leer und leise geblieben ist in den letzten Wochen. "Wobei man ja nicht so davon ausgehen konnte, dass ich in der Bundesliga unbedingt sportlich eine Rolle spiele", sagt er und lacht. Parensen ist da, als andere sich verletzen. Gibt seinen Anteil, seine Prise zum Klassenerhalt dazu. Sogar ein Tor, zum Ende der Hinrunde bei Fortuna Düsseldorf.

Nach seiner ersten Bundesliga-Partie, im Herbst 2019 gegen den SC Freiburg, steht er anschließend aufgelöst und glücklich auf dem grünen Rasen, mit glänzenden Augen. "Ich hab mich einfach sehr gefreut damals, weil für mich persönlich irgendwo ein Traum in Erfüllung gegangen ist", so Parensen. Auch, weil Union damals gewinnt und der Heimsieg in einer nicht gerade leichten Phase der Saison mit überschaubaren Erfolgserlebnissen die Wochen zuvor gelingt. "Von daher war ich glücklich und habe mich angekommen gefühlt im großen Fußball sozusagen."

Der Wunsch nach Verbundenheit

Klar hätte er Bock gehabt, weiterzumachen, er hat darauf gehofft, dass die Eisernen ihn lassen. Aber die Option, woanders zu spielen, hätte Parensen nicht mehr gezogen. "Jetzt dann nicht mehr", gibt der 34-Jährige offen zu. "Ich bin jetzt auch in einem Alter, wo ich mich selber schwer tun würde damit, irgendwo bei null anzufangen – und ich auch eine gewisse Verbundenheit mit der Aufgabe brauche, die ich dann angehe. Wenn ich das nicht habe, bin ich dann auch nicht der Fußballer, der irgendwo hingeht und das mal so locker wegspielt. Ich brauche schon diese hundertprozentige Verbundenheit."

Dann jetzt also der nächste Schritt, etwas Neues. "Vielleicht wird’s noch mal komisch, das kann ich jetzt überhaupt nicht beurteilen", sagt Parensen und meint damit die Phase, für die Profifußballer nicht unbedingt Likes verteilen. Das Schuften im Trainingslager, die Vorbereitung auf die neue Saison, "wenn die anderen Jungs trainieren." Vielleicht keimt sie dann noch mal auf, die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Und für diese Momente bleiben die Erinnerungen.

Sendung: rbb Inforadio, 21.07.2020, 8.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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5 Kommentare

  1. 5.

    Sorry, mein Kommentar hat sich auf "lore" bezogen!
    Ich persönlich möchte mich bei der Redaktion für den tollen Beitrag über den wirklich außergewöhnlichen Menschen und Fußballer Michael Parensen bedanken. Welcher Verein hat heutzutage noch so ein Idol in seinen Reihen, das macht Union Berlin so besonders - EISERN!

  2. 1.

    noch nie von ihm was gehört.... Muss man den kennen? Eine reine Zweitligakarriere... Bis zum Aufstieg Unions.

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