Reinhard "Mäcki" Lauck (imago images)
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Jahrestag des Olympiasiegs der DDR-Fußballer - Der weiche Mäcki

Am 31. Juli 1976 gewann der DDR-Fußball bei den Olympischen Spielen in Montreal seinen größten Titel. Mittendrin: Reinhard "Mäcki" Lauck. Er schaltete einst Overath und Netzer aus - und nach der Karriere auf tragische Weise sich selbst. Von Ilja Behnisch

"Der Patient ist drei Wochen nach der Operation, ohne das Bewusstsein jemals wieder erlangt zu haben, verstorben." So nüchtern sagte es im Oktober 1997 Dr. Rainer Klötzer vom Krankenhaus in Berlin-Friedrichshain einem Reporter des ORB. Über Reinhard Lauck, den Olympiasieger mit der Fußballnationalmannschaft der DDR 1976. Den sie damals nur "Mäcki" nannten und der jetzt nur noch "der Patient" war.

Verbotener Trikottausch

Sie hatten ihn aufgefunden, irgendwo im Prenzlauer Berg, reglos, mit jeder Menge Alkohol im Blut und einer Wunde am Kopf. "Hilflose Person", notierte die Polizei und legte den Fall zu den Akten. Ein Fall, der ein tiefer war – vom umjubelten Profifußballer zum Alkoholiker. Von Reinhard "Mäcki" Lauck, Spieler in Cottbus, beim 1. FC Union und beim BFC Dynamo, zu einem dieser Typen, die ihren Saufkumpanen auf Parkbänken wahnwitzige Geschichten erzählen. Was hast Du? Wolfgang Overath und Günter Netzer ausgeschaltet beim legendären 1:0-WM-Erfolg der DDR-Nationalmannschaft über die der BRD 1974? Ist klar.

Aber es stimmt ja, Lauck hatte Overath aus dem Spiel genommen. So gründlich, dass also Netzer für ihn ins Spiel und somit zu seinem einzigen WM-Einsatz überhaupt kam. Mit Overath hatte Lauck nach dem Spiel sogar – verbotenerweise – das Trikot getauscht, wie "Mäcki" zum 20-jährigen Jubiläum des Spiels 1994 bei einer Veranstaltung an der Berliner Volksbühne erzählte: "Der hat mir uff die Schulter jekloppt, weil ick so fair war. Jute Truppe sind wa jewesen."

Betrunken zum Traditionsspiel

Eine jute Truppe, die sich aus den Augen verloren hatte. Oder zumindest ihn. Auf der Beerdigung von Lauck war kaum einer seiner ehemaligen Kameraden. Keine Zeit, nix gewusst, hieß es. Die meisten hatten wohl schon Jahre zuvor Abschied genommen von Reinhard Lauck. Der kaum noch zu Traditionsspielen eingeladen wurde, weil sich sein "Zustand" rumgesprochen hatte, wie es Alexander Osang in seinem Nachruf in der Berliner Zeitung schrieb. Bei einer Neuauflage des 74er-Spiels war er 1993 noch dabei gewesen, auf Wunsch von Jürgen Croy, der das Match im thüringischen Steinach organisiert hatte. Als Lauck dort ankommt, ist er so betrunken, dass er kaum laufen kann. Also sitzt er 90 Minuten auf der Bank, die Mitspieler nehmen ihn in den Arm, für viele ist es das letzte Mal.

33 Mal spielte Lauck für die Nationalmannschaft der DDR. Mit dem 1. FC Union gewann der aus Cottbus stammende Mittelfeldspieler 1968 sensationell den FDGB-Pokal gegen die haushohen Favoriten von Carl Zeiss Jena. 1973 wechselte er zum BFC Dynamo. Ausgerechnet zum BFC. Die Union-Fans betteln an Laucks Wohnungstür, er solle sich das doch nochmal überlegen. Doch Lauck lässt sich nicht erweichen oder kann nicht anders. Ob er mehr oder weniger gedrängt wird oder doch ganz gern freiwillig geht, um seinen Status als Nationalspieler nicht zu gefährden, bleibt ein Rätsel. 1981 zwingt ihn eine Knieverletzung zum Karriereende. Lauck arbeitet für den Fahrdienst des BFC, wohnt in einem Plattenbau am Alexanderplatz.

"Ein weicher Mann"

Nach der Wende wird er zunächst von einem fußballverrückten Bauunternehmer aus Westberlin als "Mädchen für allet" angestellt, wie Lauck sagte. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete er als Kohleschlepper. Dabei war er "ein weicher Mann. Er war, wie ein Mensch ist, den man Mäcki nennt", so Alexander Osang.

Und ein Olympiasieger. Bei allen fünf Endrundenspielen des olympischen Turniers von Montreal kam er zum Einsatz. Natürlich auch im Finale, einem 3:1-Erfolg über Polen am 31. Juli 1976. 44 Jahre ist das her. Wenigstens in dieser Erinnerung lebt "Mäcki" noch weiter.

Sendung: inforadio, 30.07.2020

3 Kommentare

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  1. 3.

    Sehr geehrte Damen und Herren ,

    ja der Reinhard Lauck hat beim 1:0 gegen die BRD im Juni 1974 ein saustarkes Spiel gemacht , habe mir das Spiel auf YouTube nochmal reingezogen. Er hat wie mit dem Lineal gezogen Buschners taktische Marschroute mit umgesetzt.
    Schade das mein Sielower Landsmann (bin in Finsterwalde geboren)nicht mehr unter uns ist , er könnte noch leben.
    Ruhe aber trotzdem sanft , lieber Mäcki !

    MfG
    Volker Petzold.

  2. 2.

    Noch nie von dem gehört

  3. 1.

    Hallo RBB
    Ich hatte damals in der glorreichen junioren Mannschaft mit mäcki gespielt,für den SC Cottbus.Die vorreiter des jetzigen Energie Cottbus .2014 hatten wir bei Energie Cottbus einen Treff gehabt.Dort wurde an ihm gedacht.

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