Sebastian Abt
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Interview | Energie Cottbus Trainer Sebastian Abt - "Wir wollen versuchen, den ersten Platz ins Visier zu nehmen"

Im August soll die Regionalliga Nordost starten - genug Zeit für Energie Cottbus und Trainer Sebastian Abt, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Zum Start der Vorbereitung erzählt der Coach von der erschwerten Kaderplanung und den Saisonzielen.

rbb|24: Herr Abt, seit Mittwoch läuft bei Energie Cottbus die Vorbereitung auf die neue Regionalligasaison. Was für einen Eindruck macht die Mannschaft auf Sie?

Sebastian Abt: Erstmal sind wir froh, dass wir alle wieder zusammen sind. Wir waren jetzt eine längere Zeit nicht mehr beieinander und durften aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht alle zusammen trainieren - sondern ausschließlich in Gruppen. Deshalb ist das schön, alle wieder zusammenzuhaben. Die Jungs sind gut drauf, vor allen Dingen mental. Die freuen sich, dass sie wieder als Team auf den Platz können. Wenn man Profifußballer ist und das nicht darf, dann ist das schon belastend. Ansonsten waren die Leistungstests, die wir in den ersten Tagen gemacht haben, auch gut und geben uns einen Ausgangspunkt, von dem aus wir die Mannschaft fit für die Saison machen können.

Die Saison soll am 14. August wieder starten - sicher ist das aber nicht. Inwieweit beeinflusst das die Vorbereitung?

Wir haben die Vorbereitung tatsächlich so geplant, dass wir einigermaßen flexibel auf Termine reagieren können. Wenn wir vom 14. August ausgehen, dann wären fünf Wochen Vorbereitung die optimale Zeit. Wenn die Vorbereitung länger werden sollte, also beispielsweise, weil ein Starttermin erst im September möglich ist, könnten wir den Spielern auch nochmal ein paar Tage frei geben. Wir haben die unterschiedlichen Möglichkeiten schon im Mai durchdacht.

14 Spieler haben die Mannschaft bereits verlassen, 17 stehen momentan unter Vertrag. Mit 22 Akteuren wollen Sie in die Saison gehen. Wie weit ist die Kaderplanung im Moment?

Für uns war erstmal wichtig, dass wir ein Fundament mit Spielern kreieren, die wir gerne halten wollten. Der Markt öffnet sich gerade erst, weil die dritte Liga zu Ende gespielt wurde. Von daher müssen wir jetzt ein Stück weit geduldig sein und schauen, wie sich das entwickelt: Welche Spieler auf den Markt kommen, die Bock haben, für Energie Cottbus zu spielen und in unser Anforderungsprofil passen. Deshalb halten wir weiter Ausschau und lassen uns nicht treiben.

Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Handlungsbedarf?

Wir wollen auf jeden Fall noch etwas in der Offensive machen. Speziell die Außenpositionen wollen wir noch extern besetzen.

Unter den 14 Abgängen findet sich auch Kapitän und Publikumsliebling Dimitar Rangelov. Ist sein Abgang ein Fingerzeig, dass ein Umbruch eingeleitet werden soll?

Es ist schon so, dass im Zuge der Vision 2022, also nachhaltig in der dritten Liga zu spielen, das Ziel sein sollte, eine Mannschaft zu formen, die das verwirklichen kann. Dazu zählt auch, dass wir den Staffelstab und die Verantwortung an eine jüngere Generation weiterreichen. Den Prozess haben wir jetzt eingeleitet. Das Ziel bleibt, noch intensiveren und aggressiveren Fußball zu spielen. Noch mehr Dynamik im Spiel zu haben. Aber auch dominanter mit Ball zu spielen. Dazu gehört ein Stückweit Mut und, ich nennen es mal, visionäres Handeln. Wir sind uns sicher, dass das der richtige Weg für den Klub ist.

In der kommenden Saison steigt der Meister der Regionalliga Nordost direkt in die dritte Liga auf. Erhöht das den Druck?

Energie Cottbus hat immer Druck. Klar ist auch, dass wir als Verein nicht in die Saison gehen können und sagen: "Wir wollen Achter werden." Dass der Meister nicht in die Relegation muss, das wissen auch die anderen Vereine. Wir wollen natürlich versuchen, den ersten Platz ins Visier zu nehmen. Das erwarten auch unsere Fans und die Sponsoren. Da will ich mich auch nicht herumdrücken. Wichtig ist, dass wir die Möglichkeit bekommen, die Mannschaft weiter zu verstärken. Wenn uns das gut gelingt, dann werden wir ein Wörtchen vorne mitreden.

Wo liegen die Schwerpunkte für die kommenden Wochen?

Wir wollen versuchen, so viel wie möglich auf dem Platz zu machen. Es geht darum, an unserem Spielstil zu arbeiten. Wie wir verteidigen wollen, wie wir angreifen wollen. Wir arbeiten viel mit Spielprinzipien, die den Spielern in bestimmten Situationen im Wettkampf helfen sollen, die richtige Entscheidung zu treffen. Unter anderem auch mit Videoanalysen. Das ist der Fahrplan für die kommenden fünf Wochen.

Sie gehen in Ihre erste volle Saison als Cheftrainer. Was konnten Sie aus der vergangenen mitnehmen?

Im Vergleich zum Trainer der U19-Mannschaft herrscht natürlich eine ganz andere Aufmerksamkeit, die auf mich gerichtet ist. Ich kann damit sehr gut umgehen. Mir macht die Arbeit mit der Mannschaft Spaß. Das wird jetzt einfach spannend, mit dem Klub einen neuen Weg einzuschlagen. Und eine neue Mannschaft aufzubauen, die für den Klub perspektivisch erfolgreich sein soll.

Das Gespräch führte Uri Zahavi für den rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung.

Sendung: Inforadio, 11.07.2020, 15:15 Uhr

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