Kinder beim Real-Madrid-Fußballcamp in Calau 2019. / Torsten Schreiber
Bild: Torsten Schreiber

Fußballcamp von Real Madrid in Calau - "Da ist unwahrscheinlich viel Spirit drin"

Es wird königlich in Calau: Die Fundación Real Madrid Clinics, die Fußballschule des spanischen Weltklassevereins, kommt nach Südbrandenburg. Ein Interview mit dem Präsidenten des 1. SV Lok Calau über den nächsten Toni Kroos und Gänsehaut.

Es werden Tage für große Träume. Ab Montag ist in der südbrandenburgischen Kleinstadt Calau für eine Woche Real Madrid zu Gast. Na gut, nicht das Star-Ensemble um seinen deutschen Dirigenten Toni Kroos selbst, aber die Fußballschule der Stiftung der Madrilenen: die Fundación Real Madrid Clinic. 50 Jungfußballer werden mit lizenzierten Trainern auf den Platz gehen. Die Strahlkraft ist groß - und ist die Jugendspielgemeinschaft Calau Herausforderung und Chance zugleich, wie der Präsident des 1. SV Lok Calau, Torsten Schreiber, berichtet.

rbb|24: Herr Schreiber, haben Sie das Gefühl, dass vielleicht der kommende Toni Kroos in Calau entdeckt werden könnte?

Torsten Schreiber: Das Gefühl ... (bricht ab und lacht) Also, darum geht es uns in erster Linie gar nicht. Ziel ist es, ein tolles Ferienangebot für die Kinder unterbreiten zu können. Das ist uns mit dem Partner, der Fundación Real Madrid Clinics, gut gelungen. Es ist uns wichtig, über den normalen Spiel- und Trainingsbetrieb hinaus Angebote zu liefern, die die Kinder zu uns auf den Platz bringen - und dass sie dort Spaß haben.

Beim ein oder anderen Kind ist der Traum von der großen Fußballbühne sicherlich dennoch spürbar.

Wir sind ja nach 2019 jetzt schon zum zweiten Mal Gastgeber. Auch in diesem Jahr haben wir Kinder dabei, die den Weg Richtung Profilager schon ein stückweit gehen. Ein Teilnehmer kommt zum Beispiel von der Fußballschule von Energie Cottbus. Es kann durchaus sein - und das würde uns natürlich wahnsinnig freuen -, dass ein Kind aus unserem Camp letztendlich ein Wochenende in Madrid im legendären Estadio Santiago Bernabeu verbringen darf. Der beste Spieler aus den fünf Tagen hier qualifiziert sich erstmal für ein regionales Ausscheidungsturnier. Und am Ende werden aus Deutschland 50 Kinder ausgewählt, die diese Tage zu Real reisen können.

Die Königlichen in Calau. Wie klingt das überhaupt für Sie als Vorsitzenden eines Vereins in einer brandenburgischen Kleinstadt - und wie groß ist die Freude, dass das nun zum zweiten Mal hintereinander klappt?

Zuallererst war das eine riesige Herausforderung. Mir haben - um es mal bildhaft zu beschreiben - ganz schön die Knie geschlackert. Wir haben im Vorstand auch gerungen, ob wir das machen können oder ob wir uns als so kleiner Verein am Ende blamieren. Aber wir haben diesen Schritt gut überlegt und sind diesen Weg dann auch gegangen. Als wir dann als Partner von den Königlichen und der Stiftung begrüßt wurden, haben wir uns wahnsinnig gefreut. Im zweiten Jahr in Folge merken wir nun auch, dass wir vieles richtig gemacht haben. Wir spüren durch dieses Engagement auch eine neue Energie im Verein.

Was genau steckt hinter diesem Camp - und wie viel Real Madrid steckt tatsächlich drin?

Die Fundación Real Madrid Clinics ist Teil der Stiftung des Klubs. Sie transportiert die Trainingsmethoden und die Werte der Jugendakademie von Real Madrid. Es kommen lizenzierte Trainer. Es ist schon sehr beeindruckend, wie das Team um das Camp die Kinder und Jugendlichen über die gesamte Woche - 30 Stunden sind das in Summe - begeistert. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich an das vergangene Jahr denke.

Wie groß ist die Aufgabe für Ihren Verein, diese mehrtägige Veranstaltung zu stemmen?

Sie ist deshalb so groß, weil wir natürlich im Amateurfußball alles über Ehrenamtler machen. Wir wollen bei diesem Partner unsere Sportanlage natürlich im besten Zustand präsentieren und bestmögliche Bedingungen liefern. Dafür über den normalen Spielbetrieb hinaus noch einmal Gas zu geben und einen Zahn zuzulegen, das ist für uns schon auch sehr anstrengend. Aber wir haben es geschafft und wir schaffen es weiterhin.

Kinder beim Real-Madrid-Fußballcamp in Calau 2019. / Torsten SchreiberAnweisungen der lizenzierten Trainer beim Real-Madrid-Fußballcamp in Calau im vergangenen Jahr.

Nachwuchs zu gewinnen, ist in diesen Zeiten nicht leicht. Wie wichtig ist dieses Camp, um Begeisterung für den Sport und Ihren Verein zu entfachen?

Es ist ein wesentlicher Baustein der Nachwuchsarbeit. Über solch einen Premium-Partner erlangen wir Aufmerksamkeit - und kommen ins Gespräch und die Köpfe der Leute. 2018 hatten wir im Nachwuchs 35 Kinder. Aktuell vereinen wir unter dem Dach der Jugendspielgemeinschaft Calau [Anm. d. Red.: Anfang 2019 unterschrieben die beiden rivalisierenden Stadtklubs 1. SV Lok und SV Calau einen Kooperationsvertrag für den Nachwuchsbereich und bündelten sämtliche Mannschaften] mehr als 70 Kinder. Dieser Effekt ist also schon tatsächlich zu spüren.

Wie schnell waren die Plätze ausgebucht?

Ausbuchen haben wir als so kleiner Verein in Südbrandenburg leider noch nicht geschafft. Die Anmeldekapazität endet bei 96 Teilnehmern von sieben bis 16 Jahren. Wir sind in diesem Jahr mit 50 wieder sehr gut unterwegs. Wir sind sehr gespannt und freuen uns am Montag auf die Eröffnung und die Kinder, die sicherlich sehr erwartungsvoll dreinblickend vor uns stehen werden.

Wie sieht das Programm in den fünf Camp-Tagen aus?

Es gibt je zwei Trainingseinheiten pro Tag. Die erste beginnt gegen 9:30 Uhr und zieht sich bis in die Mittagsstunden. Da sind viele Kinder schon das erste Mal platt und man glaubt gar nicht, dass die sich wieder erholen können. Aber über die Pause, in der es tatsächlich auch eine Kurzschlaf-Phase gibt, springen sie wieder auf, toben aus dem Vereinsheim raus, schnappen sich schon wieder einen Ball und genießen die Möglichkeit, auch frei miteinander spielen zu können. Dann gibt es bis 15:30 Uhr noch eine zweite Einheit. Das fünf Tage die Woche. Man staunt, wie sie das hinkriegen, aber sie sind am Freitag alle noch genauso quirlig unterwegs. Da ist unwahrscheinlich viel Spirit drin.

Da sorgt die Strahlkraft von Real Madrid dann womöglich doch für zusätzliche Power.

Das denke ich auch, dass das ganze Drumherum für die entsprechende Motivation sorgt. Und auch die Möglichkeit des sportlichen Weiterkommens wird ein kleiner Antrieb sein.

Fest steht: Das zweite Camp wird anders werden als das erste vor einem Jahr, denn es findet unter Pandemie-Bedingungen statt. Inwiefern beeinflusst das Vorbereitung und die Tage als selbst?

Covid-19 hat uns ja alle miteinander eine große Zeit lahmgelegt. Auch beim Fußball-Camp haben wir lange Zeit überhaupt nicht gewusst, ob es stattfindet. Erst vor zehn Wochen haben wir dann die Frage von unserem Partner bekommen, ob wir den unter den aktuellen Bedingungen weiterhin bereit wären, Gastgeber für das Camp zu sein. Man hätte ein Konzept erarbeitet, mit dem diese Veranstaltung möglich sei. Da waren wir sehr erfreut und haben die Frage bejaht. Wie genau die Maßnahmen aussehen, weiß im Detail die Fundacion Real Madrid Clinics, die die Verantwortung für die Durchführung hat [siehe Box]. Aber im vorläufigen Ablaufplan habe ich gesehen, dass etwa der "Tag des offenen Platzes" fehlt. Den gab es im vergangenen Jahr. Es war die Möglichkeit für alle Interessierten, zu uns dazuzukommen und sich selbst mit auszuprobieren. Dass das wegfällt, ist sicherlich auf Covid-19 zurückzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Johannes Mohren, rbb Sport

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1 Kommentar

  1. 1.

    Br.ingt den Spaniern mal einen Calauer bei. Buenas dias, hola, encantado, aqui llevamos una mascarilla pepino

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