Streak-Runnerin Elke Weisener (Privat)
Privat
Video: zibb | 30.07.2020 | Uri Zahavi | Bild: Privat

Elke Weisener ist Streak-Runnerin - Sie läuft und läuft und läuft

Laufen soll ja gesund sein. Aber gleich jeden Tag? Ja, sagt Elke Weisener, sogenannte Streak-Runnerin aus Falkensee. Warum ihr Sport sogar gegen Erkältungen hilft, Medaillen klingen können und wie sie den inneren Schweinehund überwindet.

Er "läuft und läuft und läuft", hieß es einst über das Wirtschaftswunder-Auto schlechthin, den VW Käfer. Ein Rekordexemplar hat es im März 2019 und nach 48 Jahren auf stolze 1,5 Millionen Kilometer geschafft. Davon ist Elke Weisener (66) aus Falkensee vor den Toren Berlins zwar noch ein gutes Stück entfernt. Dafür läuft sie tatsächlich Tag für Tag. Wie man das halt so macht als "Streak-Runnerin".

31.718 Kilometer waren es zum Beispiel Stand 28. Juli 2020. Seit 4.325 Tagen ist Elke Weisener da bereits ein "Streaker". 7,3 Kilometer pro Tag schafft sie im Schnitt und mithin weitaus mehr, als es die Streak-Running-Regeln vorsehen. Die kommen, der Name lässt es vermuten, aus den USA, und sehen vor, dass jeden Tag zwischen 0 und 24 Uhr mindestens eine zusammenhängende Meile (circa 1,6 Kilometer) zu laufen sei, und das ohne Einsatz technischer Hilfsmittel (Prothesen sind erlaubt) oder der Unterstützung fremder Personen.

Wohin das führen kann, zeigt das Beispiel des US-Amerikaners Robert C. Ray, der am 4. April 1967 anfing und seither keinen Tag lauffrei blieb. Einen wirklichen Beweis dafür gibt es nicht, Streak-Running ist Ehrensache.

Laufen für die Angeberwand

Wie Elke Weisener dazu gekommen ist? Durch einen "100-Kilometer-Lauf in Biel" (Schweiz), erzählt sie im Gespräch mit dem rbb und spätestens da wird klar, dass das mit dem Laufen kein Hobby ist bei Elke Weisener, sondern Lebensthema. Das fing schon als Jugendliche an, zu DDR-Zeiten war sie im Olympia-C-Kader für die Mittel- und Langstrecke. Bis zur 10. Klasse betrieb sie das Laufen nahezu professionell. Auf weiteren Drill und Förderschulen verzichtete sie, stattdessen arbeitete sie im Service. Später, als alleinerziehende Mutter, verlor sie den Sport aus den Augen, legte an Gewicht zu. Erst mit der politischen Wende 1989/90 erlebte sie auch ihre persönliche. Sie erfährt von einem Volkslauf Unter den Linden, tritt spontan an und war seither wieder vom "Lauf-Fieber gepackt", wie sie sagt.

"Laufen ist mein Leben, ich brauch‘ das einfach", sagt sie heute. Wer es nicht glauben mag, muss nur einen Blick auf ihre "Angeber-Wand" richten, wie sie die Ansammlung dutzender Medaillen nennt, die in ihrer Wohnung hängen und durch die sie immer mal wieder mit ihren Händen fährt. Dieses Klimpern! Oder wie es Elke Weisener sagt: "Kann man stundenlang machen." Und dann fängt sie an, aufzuzählen: "London – meine Lieblingsstadt. Sylt. Zypern – bin ich jedes Jahr. Den Hamburg Marathon laufe ich jedes Jahr." Und sie läuft und läuft und läuft.

Laufen gegen die Trauer

Warum? Weil sie, die seit 17 Jahren in Falkensee lebt, die "Natur liebt". Weil sie während des Laufens "happy" ist, die "Gedanken spielen und treiben lassen kann." Auch die unschönen, wie jene vom kürzlichen Verlust ihres Mannes. Aber auch in der Trauer spendet das Laufen Trost. Eine ihrer Strecken führt Elke Weisener an seinem Grab vorbei und dann, so sagt sie, "freue ich mich, dass er mich sehen kann."

Sie läuft und läuft und läuft und mehr noch: Elke Weisener lächelt und lächelt und lächelt auch noch. Dabei hat auch sie manchmal keine Lust: "Aber wenn die nicht da ist, dann motiviere ich mich, indem ich starte und dann kommt der Appetit beim Essen und hinterher bin ich immer wieder froh, dass ich es getan habe." Dann kommt die warme Dusche als Belohnung, ehe sie sich an den Rechner setzt, ihre mit der Handy-App aufgezeichneten Laufdaten in eine Tabelle überträgt und anschließend ins Forum der deutschen Streakrunner-Community. Dort, wo sie unter "laufmauselke" seit inzwischen acht Jahren auch Tagebuch führt über ihre tägliche Dosis.

Und sonst? Täglich ein Eis!

"Man sagt, ich sei hyperaktiv. Bin ich auch. Bin ich gerne", sagt sie. Weshalb sie, obwohl nunmehr Rentnerin, noch sechsmal die Woche Aqua-Gymnastikkurse anbietet? Ein bisschen finanzielles Zubrot, ein bisschen Selbstzweck. Weil sie ja selbst auch "fit bleiben muss". Und wie gut das klappt. "Krank war ich nie. Hab‘ auch noch nie Fieber gehabt" und: "Zwei Kilometer, wenn man erkältet ist, ist tausend Mal gesünder als sich gar nicht zu bewegen."

Sport ist eben ihr Leben. Sport und – Eis: "Das ist für mich genauso wichtig wie Laufen. Jeden Tag wird Eis gegessen." Ein Figur-Problem wird Elke Weisener wohl trotzdem nicht bekommen. Sie läuft und läuft und läuft eben. Und wenn das nicht mehr geht? "Sport ist mein Leben. Wenn ich mich nicht mehr bewegen kann, möchte ich nicht mehr leben", sagt sie. Und lächelt.

Sendung: Inforadio, 30.07.2020

Beitrag von Ilja Behnisch

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3 Kommentare

  1. 3.

    Bewegung ist immer gut für die gute Laune, seine Gedanken ordnen und den Lebenspulsschlag verspüren. Zudem freut man sich durch die Teilnahme an Sportveranstaltungen Freunde und Gleichgesinnte zu treffen. Weiter so Elke !

  2. 2.

    Chapeau. Sehr coole Lebenseinstellung. Mit 66 will ich das auch noch können.

  3. 1.

    Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.

    ( Emil Zátopek )

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