Erik Zabel feiert einen Etappensieg bei der Tour de France. / pictures alliance/Augenklick/Roth
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Erik Zabel wird 50 - Das doppelte Jubiläum

Dieser Dienstag ist in doppelter Hinsicht ein besonderer Tag für Erik Zabel. Der ehemalige Radrennprofi aus Ost-Berlin wird nicht nur 50 Jahre alt, er feiert auch das 25-jährige Jubiläum seines ersten Etappensiegs bei einer Tour de France. Von Ann Kristin Schenten

Den Abend des 7. Juli 1995 verbringt Erik Zabel auf einem abgelegenen Schloss im belgischen Charleroi. Gemeinsam mit seinen Team-Kollegen darf er an diesem Abend gleich zweimal anstoßen. Denn nur wenige Stunden zuvor fährt Zabel zum ersten Mal im pinken Telekom-Trikot als Etappen-Sieger über die Ziellinie einer Tour de France-Etappe - und das an seinem 25. Geburtstag. Es wird der wohl denkwürdigste Sieg seiner Karriere bleiben.

Inzwischen ist das 25 Jahre her. Erik Zabel hat seitdem über 200 weitere Etappen oder Rennen gewonnen. Er hat sich sechsmal das Grüne Trikot bei einer Tour de France gesichert und musste sich als deutscher Fahrer mit zwölf Etappensiegen bei einer Tour bisher nur Marcel Kittel (14 Siege) geschlagen geben.

Erik Zabel bejubelt 1995 seinen ersten Tour-de-France-Etappensieg. / pictures alliance/Augenklick/Roth
Erik Zabel bejubelt am 7. Juli 1995 seinen ersten Tour-de-France-Etappensieg. | Bild: pictures alliance/Augenklick/Roth

Extra-Motivation am Geburtstag

Der Sieg folgte auf ein schwieriges Jahr für Zabel. Bei seiner ersten Tour 1994 musste er vorzeitig aussteigen. Diese Niederlage zähle für ihn immer noch zu den - sportlich gesehen - schwierigsten Momenten seiner Karriere, erzählte er erst kürzlich im Podcast "Plan-Z" seines Sohnes Rick Zabel. Mit dem Sieg ein Jahr später konnte sich Zabel jedoch recht schnell von dieser Niederlage erholen.

Dieser Erfolg war für Erik Zabel der endgültige Durchbruch. Dem großen Publikum war er vor 1995 noch ein Unbekannter, doch sein Team glaubte schon damals an den jungen Berliner. Die Fahrer unter Teamchef Walter Godefroot setzten alles daran, dass Zabel diese Etappe am 7. Juli 1995 gewann. Dass Zabel an diesem Tag Geburtstag hatte, wird das Team zusätzlich angetrieben haben. Auf den letzten Metern im belgischen Charleroi erkämpfte er sich dann tatsächlich den Sieg und gewann als Shootingstar die Etappe vor den Sprintprofis Laurent Jabalert aus Frankreich und Djamolidine Abdujaparov aus Usbekistan. Damit war Zabel endgültig in der Weltklasse angekommen.

DDR-Anfänge und Doping-Skandal

Angefangen hat es für den gebürtigen Ost-Berliner auf der Bahn in der ehemaligen DDR. Zum Radsport kam er schon mit zehn Jahren, wenig später verbuchte er erste Erfolge. Kurz vor der Wende wurde er DDR-Meister in der 400m-Mannschaftverfolgung. 1992 gelang ihm dann die Teilnahme an den olympischen Spielen in Barcelona.

Noch immer gehört Erik Zabel neben Jan Ullrich zu den erfolgreichsten und bekanntesten Radsportlern Deutschlands. Doch damit auch zu der Riege, die für eines der dunkelsten Kapitel der Radsport-Geschichte stehen. 2007 gab Zabel in einer tränenreichen Pressekonferenz erstmals Dopingmissbrauch zu.

Offen, aber nur vermeintlich

Zu diesem Zeitpunkt wurde er für seine Offenheit gelobt. 2013 gestand er, dass er nicht, wie er damals sagte, testweise 1996 einmal Epo probiert hatte, sondern zwischen 1996 und 2003 regelmäßig dopte. Mit Epo, Cortison und Eigenblutdoping versuchte er über Jahre seine Leistungen zu verbessern. Schuld sei auch der Leistungsdruck im Radsport allgemein gewesen. Daraufhin verlor Zabel zahlreiche Auftraggeber und Sponsoren.

Lange nach dem Ende seiner Profikarriere bezeichnete er die Lüge bei der Pressekonferenz als einen "Tiefpunkt" und distanzierte sich von seinem Dopingmissbrauch.

Erik Zabel 1997 bei der Tour de France mit seinem Sohn Rick. / pictures alliance/Augenklick/RothErik Zabel im Jahr 1997 mit seinem Sohn Rick.

Sohn ebenfalls als Radprofi erfolgreich

Sein Sohn Rick Zabel ist mittlerweile ebenfalls Rennradprofi und startete bereits zweimal bei der Tour de France. Viele Pressefotos zeigen den jungen Zabel als Kind jubelnd im grünen Trikot, mit grün gefärbten Haaren auf den Schultern seines Vaters. Die beiden haben noch heute ein sehr gutes Verhältnis.

"Es ist schwer, Leute 20 Jahre später zu verurteilen", sagte Rick Zabel in seinem Podcast. Auch beruflich arbeiten die beiden eng zusammen. 2018 betreute Erik Zabel seinen Sohn als Projekt Manager im russischen Team Katusha. Mittlerweile fährt Zabel jr. für das israelische Team "Israel Start-Up Nation".

Erik Zabel ist auch heute noch im Radsport aktiv. / imago images/Sven Simon
Erik Zabel ist auch heute noch im Radsport aktiv. | Bild: imago images/Sven Simon

Weiter im Radsport aktiv

Heute ist Erik Zabel vor allem als Sportmanager für den Koblenzer Radhersteller Canyon tätig. Auch während der aktuellen Corona-Pandemie engagierte sich Zabel weiter mit dem Radsport. Mitte Juni radelte er gemeinsam mit seinem Sohn und weiteren Prominenten 100 Kilometer durch Köln. Die Sportler sammelten dabei über 12.000 Euro für den guten Zweck.

Man wird sich heute bestimmt nochmal besonders an viele große Erik-Zabel-Momente erinnern. Sein Sohn Rick hat zwar noch keine vergleichbaren Erfolge einfahren können, steht aber für einen saubereren Sport. Auch das wird Zabel helfen, seine Karriere in ein anderes Licht zu rücken.

Beitrag von Ann Kristin Schenten

Kommentar

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Antwort auf [Bornin_cburg] vom 08.07.2020 um 01:05
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3 Kommentare

  1. 3.

    Hallo Erik Zabel,als Neffe von Kurt Stöpel 1932 Zweiter der Tour, möchte ich dir zum 50.Geburtstag ganz herzlich gratulieren. Das Buch von Kurt möchte ich dir zum Geburtstag schenken,wenn du es nicht schon hast,lass es mich wissen. Alles Gute weiterhin, beste Gesundheit Ihr Günter Schwanke, Neffe von Kurt Stöpel. 7.7.2020

  2. 2.

    Es war eine schöne Zeit, es hat Spaß gemacht, die Tour zu verfolgen. Armstrong, Jalabert und Ulrich: bei denen war es irgendwie klar, dass betrogen wird. Aber Zabel, der doch nicht. Schade, war ein Schlag ins Kontor! Der Radsport hat es schwer seit dem.

  3. 1.

    Damals hatten Sportler noch einen Arsch in der Hose, Zabel ist und bleibt spitze. Auch Jan Ullrich war ein richtiger Kämpfer. Und betrogen haben alle. Die Aufarbeitung wird aktiv verhindert, weil Leute wie Bach noch viel Geld verdienen wollen und schlimm war natürlich nur das DDR System.

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